Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1870)
- Date
- 1870-04-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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m stürzte sich zum ^zweiten Mal aus dem Fenster, wobei sie zwar wieder mit dem Leben davon kam, aber schwer beschädgt ward. So brachte man sie 4» das Ospetale della Convolagione, wo sie nun neuerdings die Wahl hat zwischen dem Schleier und dem Selbstmorde. (Berliner Börsenztg.) Frankreich. Parks. Auch in Frankreich ist noch nicht alles Rischus verschwunden. Herr Isak Pereire war im Departement du Midi als Candidat für die Deputirtenkammer aufgetreten. An den Wahltagen haben sich solche Dinge ereignet, daß man glauben könnte, man wäre in der Moldau. In Montreal, einem Dorfe dieses Departements, wurde eine Figur aufgestellt, an deren Halse ein Zettel mit den Worten: „Pereire, ein Jude" befestigt war. Die Figur war zwei Tage ausgestellt, wurde durch die Straßen geschleppt, deren Augen mit langen eisernen Hacken herausgerissen und zuletzt alles unter dem Jubel der Volksmenge verbrannt. Paris. In der Sitzung der All. Jsr. vom 9. März wurde beschlossen, auf die edle Initiative des Herrn Albert Cohn 30 polnische Waisen zu adoptiren und sie in den verschiedenen Instituten in Paris unterzubringen. Herr Albert Cohn, der vor keiner Schwierigkeit zurückschreckt, übernimmt es, dieselben zu placiren und für ihren Unterhalt zu sorgen. Möge dieses schöne Beispiel in anderen Gemeinden Nachahmung finden.*) Ke u t I I e t o m A o st a n a i. (Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) XIV. /K«-- i Juxt ispniuunyttT* Einige Tage nach den erzählten Ereignissen, wollte sich Bostanai zu seinem Freunde Achai in das Haus Abun'S beg-ben, als gerade Prinz Schirush, gefolgt von mehreren bewaffneten Dienern, ohne die er nie auSging, den Palast verließ. „Wohin, Bostanai?" rief diesem der Thronerbe zu. „Ich gehe," antwortete Bostanai, „in das Haus AbunS, des Obersten der Marställe." „So gehe ich mit Dir! Mein arabisches Pferd ist krank, und der König hat mir erlaubt, mir aus seinen Ställen ein anderes zu wählen. Und was *) Amn. d. Red.: Möge aber auch dafür gesorgt werden, daß die Kinder eine jüdische Erziehung erhalten. willst Du dort, willst auch Du Dir ein schnelles Rost' aussuchen?" „Nicht doch, ich besuche meinen Jugendfreund Achai, mit dem ich 'gemeinsam den Unterricht bei mei^ nem Großvater genoß." j „Und waS thut dieser Achai im Hanse Abun*s?" „Abun ist sein Oheim und hat seine einzige Tochter, die liebliche Sara, mit seinem Neffen verkobt." „Die liebliche Sara? So, so, wir werden sehen." Bostanai erschrak ob dieser Worte des Prinzen; er suchte den Kronprinzen von dem beabsichtigten Besuche für heute wenigstens abzubringen, um dann seine Freunde zu warnen, damit sie Sara verbergen möchten. „Prinz Schirueh," sagte er, „ich erinnere mich so eben, gehört zu haben, daß Barbud heute ganz wundervolle Lieder vortragen wird. Sollten wir nicht lieber in den Schloßgarten zurückkehren?" Schirush lachte. „Du willst." sagte er, „mich von einem Besuche bei der lieblichen Sara zurückhalt n? Doch fürchte Nichts für die Braut Deines Freundes; mir gefallen die Jüdinnen nicht." Als die beiden Prinzen in das Haus Abuns traten, begegnete ihnen die Tochter des Hauses. Schiruvh blieb wie erstarrt stehen; ihn blendete Sara*- Schönheit. „Schöne Jüdin," sprach er, „Du gleichst sicherlich der schönen Esther, der Stammmutter meine- Hauses. Wahrlich, Bostanai, ' ich nehme mein Wort zurück!" Sara schwieg verlegen, als sie sich dem gefürchteten Schirush gegenübersah; sie wollte davoneilen. „Bleib, schöne Sara," rief Schirußh, „Du hast Gunst in meinen Augen gefunden; ich reiche Dir dagoldene Scepter meines Stammvaters Ardischir*)!" In diesem Augenblicke kam Abun herbei. „Was befiehlt mein Herr?" rief er, als er Schirush erblickte, „was verschafft meinem armen Hause die hohe Ehre, daß der Erbe Persiens es aufsucht?" Während Abun sprach, war Sara davongeeilt, und Schirush hatte in Gegenwart des Vaters nicht gewagt, sie zurückzuhalten; er brachte nun sein Anliegen vor und ging mit Abun in die Marställe, um sich ein arabisches Roß auszuwählen. Unterdeß hatte sich Sara zu ihrer Mutter geflüchtet; auch Bostanai begab sich mit Achai dahin, und gemeinsam wurde beschlossen, Sara noch heute zu einem Verwandten in eine benachbarte Stadt zu senden. Schon am andern Tage begab sich Prinz Schirueh wieder in das Haus Abuns und erfuhr hier zu seinem großen Verdruffe, daß Sara verreist sei; *} Achaschwerosch.