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Der Israelit · 1870-04-06 · Heft 14 (6.4.1870) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 14 (6.4.1870)
Date
1870-04-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Gedanke, dieses humane Institut sich nur allmählich entwickeln zu lasten, wurde rasch zur freudigsten Thatsache, indem Herr JonaS Ritter v. Königswarter die Zustchenrng gah, ein Haus für fünfzig blinde Kinder zu erbauen und einzurichten. Durch diese hochherzige Widmung ist das rascheste Zustandekommen eines der leidenden Menschheit gewidmeten Institutes gewährleistet, dem sofort auch andere edle Spender, so Baron Friedrich Schey durch Widmung von zehntausend Gulden, bedeutende Beiträge zugeführt haben. Zn.'Wien zogen kürzlich die Gerichtsverhandlimgen gegen einen gewissen Moritz Schochet die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Dieser Proceß gewählte einen tiefen Einblick in das Elend und die Verkommenheit der modernen Religionslosigkeit. Der Vater des M. S., Abraham Schochet, ehedem Polizeispien in Lemberg, ist ein Mann, der sich vom jüdischen Religionsgesetz vollständig losgesygt hat. Die würdige Gattin desselben, Golde Schochet, hatte vor ihrerVerheiratung eine Tochter von einem Geistlicken. Das edle Ehepaar erzog dieses Mädchen zur Sünde; mit Bewilligung der Eltern wurde es einem verheiratheten Manne übergeben, der seinetwegen seine Gattin verließ. Aber bald ging die „tugendhafte" Tochter mit einem Offiziere durch, wurde aber spätcr von ihrem Pflegevater einem-Grafen als „Freundin" übergeben. Moritz Schochet, der einzige Sohn des edlen Abraham und der wackeren Golde, studirte in Wien Medicin, führte einen lüderlichen Lebenswandel und brachte die Ersparnisse der Etern durch, die seinethalben nach Wien zogen. In Noth und Schulden gerochen, machte Moritz S. die Bekanntschaft eines ausschweifenden Menschen, Namens Simon Hecht, wurde sein Freund und HazardSpiel-Genosse. förderte ihn dann mit Gift aus der Welt und stahl ihm sein Baarvermögen im Betrag von circa 10,000 Gulden. Die Nacht, die aus den Mord folgte, brachten Vater und Sohn in einem öffentlichen Hause zu und bewirtbetcn ihre männlichen und weiblichen Zechgenossen mit Champagner und einem lucullischem Abendessen, während die Mutter einen Theil des Raubes in ihre Röcke einnähte. Welche grauenhafte Verworfenheit!! Moritz Schocket wurde in Anbetracht seiner Jugend nur zu 18 Zähren schweren Kerkerö verurtheilt; Abraham Sckochet erhielt eine Kerkerstrafe für die Dauer von drei und Golde Schochet für die Dauer von einem Zahre. — Möchten doch die Augen der Verblendeten sich öfinen, möchte doch dieses entsetzliche Bild moderner Religionslosigkeit so manchen Irrenden zurückführen zum Vater im Himmel und Seinem heiligen Gesetze! Wien. Fünf Rechtspraktikanten jüdischer Consession reichten vor kurzer Zeit Gesuche um Beföreruttg zu Auskultanten bei der ObergcrichtS-Präsidentschaft ein, erhielten dieselben aber mit abweisenden. Antworten zurück. Diese Gesuche smnmt ihrer Erledigung wurden nun dem Reichsrath - Abgeordneten Edlen von Men de als Supplement zu der Petition der jüdischen Rechts Praktikanten, von der bereits vor mehreren Wochen die Rede war, an den ReichSrath übergeben. Mende hat die Petition neuerdings aus'S Wärmste befürwortet. Klageufrrrt. Das Klagenfurter ckericale. Organ schreibt oen von den dortigen Clericalen so'sehr bedauerten Mangel an Meßstipendien den Agitationen der Juden zu. ES schlägt daher eine Zudensteuer behufs besserer Dotirung deS katholischen Clerus vor. Denn — nun kommt eine köstliche Logik — der Jude gewinnt sein Geld nur vom Christen und der C-erus schützt, indem er vcn der Heiligkeit deS Eigenthums predigt, das colossale Dermögln der „Abrahamiden". Der Schluß des Artikels fordert zur Plünderung der Juden auf. Trieft. In Trieft wurde unser Glaubensgenosse Vr. Manusi zum Stadtrathsmitgliede erwählt. Er ist der dritte Jude im Stadtrath, was, da nur wenig Juden in Triest wohnen, einsehr günstiges Verhältnis für die Juden ist. Italien. Zn Rom macht ein neuer Mortara-Fall viel von sich reden. In Ferrara lebte bei ihren Eltern eine junge Israelitin, welcher ihre guten Anlagen, gefällige Sitten und angenehme Erscheinung die unglückselige Gunst eines dortigen Geistlichen,/znzEN^ Nach manchen Versuchen gelang es ihm, das der jungen Jüdin mit Schmeicheleien zy hechhpm ' ihre Phantasie zu entflammen und sie schließlich \u verführen. Darauf sei es, daß er ihrer satt wcr, sei es, daß er sein Verbrechen sühnen wollte, erweckv er in d m unerfahrenen Mädchen die Idee, zum Christen thum überzutreten, und versprach ihr für diesen Fab Himmel und Erde, bis die Arme sich noch einmal bethören ließ, aus dem Etternhause entfloh und sich taufen ließ. Die Gesch chte ward alsbald ruchbar und rief große Aufregung hervor, was den Geistlichen veranlaßte, das Mädchen nach Rom zu senden. Dort angekvmmen, erfuhrsie nur allzu bald, was für ein Loos sie erwarte; man sperrte sie in ein .Kloster, um sie allen Versuchungen der Welt zu entziehen; Verzweiflung bemächtigte sich ihrer, und sie beschloß, sich das Leben zu nehmen, und sprang aus einem Fenster, wobei sie wie durch ein Wunder am Leben erhalten blieb. Von den Folgen deS Sturzes geheilt, schien sie ruhiger zu werden und sollte in ein Irländisches Kloster gebracht werden. Da man sie mit allen denkbaren Mitteln zwingen wollte den Schleier zu nehmen, kehrte die Verzweiflung wieder und sie

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