Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1870)
- Date
- 1870-04-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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249 Weise als nifyt zutreffend abgewiesen? Wo gibt*- heute noch einen Bibelgläubigm, der das Wort in hergebrachtem Sinne aufgefaßt, der jene ganze Unterredung als 'objectiv historische Wahrheit wollte gelten lassen! Wo ist auch jene kostbare Naivität des Alterthums, daß der rein menschliche, mündliche Verkehr der Gottheit mit dem Menschen nichts Auffälliges für sie hätte! Was damals und heute noch bei dem Kinde Naivität, wird bei dem denkenden Menschen zur Gedankenlosigkeit." -Oder: „Gott befiehlt's, und Abr. führt den einzigen — von Ismal weiß diese Sage nichts — den geliebten Sohn auf den Qpferberg, legt ihn auf den Holzscheit (hochpoetisch!) rc." — Ferner: „Mag immerhin in der weiteren Glaubensentwickelung, in der weiteren Vertiefung des Gottesbegriffs das Volk zu der Erkenntniß gelangt sein, daß die reinste, entsagungsvollste Liebe zu Gott durch ein Menschenopfer an dem Gott der Liebe sich versündige, wie denn auch die Verwerfung des Menschenopfers im Sagenschlusse zum Ausdrucke kommt — rc." Sollen wir fortfuhren mit diesen Pröbchen? Wir müßten das ganze 23 Seiten starke vxusoulnm abschreiben! Der freundliche Leser wird uns nach Obigem gewiß beipflichten. wenn wir uns hier aller Kritik enthalten. Wo sollten wir da ansangen, wo schließen? — vr. Kirschstein steht außerhalb des positiven IudenthumS, was kümmern wir uns um ihn, was geht er uns an! Was er uns angeht? Ja, wenn der Herr — Privatmann, oder Mitglied einer kritischen Hochschule rc. wäre, ja dann allerdings würden wir keine Notiz von ihm genommen haben; wir hiesen Unkenruf eben als solchen betrachtet Hab«! Aber der Herr ist Lehrer, jüdischer Religiotslehrer, der Herr leitet eine jüdische Schule; dämm müssen wir ihn vor die Schranken laden, missen wir ihn auffordern, Angesichts dieses Schulb«richteS seine Stelle niederzulegen. Hat der Mann en Ehrgefühl, hat er eine Idee von Berufstreue und Serufspfiicht, hat er einen Funken von Wahrhaftigst in sich-so muß er sagen: ich kann nicht länger Lehrer jüdischer Kinder sein, darf nicht länger schnödes Spiel treiben mit dem Leben derer, deren Eltern Juden sind! Und thut er das nicht, — und wir gestehen, daß wir es nicht einmal erwarten — so rufe ich den Mischen Eltern zu, wollt Ihr Eure Kinder vor Seelenkämpfen und Gewissenspein schützen, so rettet vor solchen Würgengeln aller und jeder Religiosität Eure Kleinen; die Kleinen, die durch solche Lehrer, ohne es zu ahnen, zu Gott.sleugnern erzogen und dem Iudcnthum entfremdet werden. Eltern, seid Ihr Eurer Pflichten bewußt, seid Ihr Euerer Verantwortung eingedenk, lebt in Euren Herzen Kindesliebe, schlagen Euere Pulse für das Leben Eurer Kinder — nun entreißt sie solchen Lehrern! Ja höchst gefährlich ist's, sogar, wenn Leute wie vr. K. versprechen, ihre wiffenschaftlichen Ergebnisse den Kindern vorzuenthalten, höchst gefährlich ist'S einem Zweiseelenmenschen die religiöse Erziehung unserer Zukunft anzuoertrauen. Der Lehrer erscheint dem Kinde nur zu rasch — (denn daS Kind erfährt sehr, sehr bald, waS dem Lehrer für wahr gilt) im rechten Lichte. — Wir könnten noch lange über den Einfluß einer solchen Schule auf das Leben und das Denken der Zöglinge und — in letzter Instanz — auf die Gemeinde, sprechen, könnten mit dem Vorstande rechten, der grundsätzlich durch Anstellung zersetzender Kräfte den Ruin der jüdischen Lehre herbeiführt und dem jüdischen Leben entgegenarbeitet, und den Jnspector, unter dessen Leitung diese Schule blüht, vor das Tribunal der Gewissensfreiheit laden, könnten Allen, Allen die Frage voregen, — wie, nicht genug, daß Ihr durch öffentliches Wort und Schrift, durch gewissenslose Verwahrlosung geheiligter Institutionen, das jüdische Leben zu Grabe zu tragen behilflich seid, wie, Ihr wollt auch noch unsere Kinder, unser Blut, unsre Zukunft — verführen?!- Doch wozu? Es ist das längst bekannt, es Wissens Alle, woran wir in Berlin sind. .Sollen wir tausend Mal Gesagtes wiederholen, sollen wir unserer Entrüstung erneueteu Ausdruck geben? Nein, wir schweigen fortan; aber wir müssen endlich, endlich — handeln! müssen darnach ^streben — aber mit aller Energie, daß solche Zustände verschwinden. Wir müssen durch die That zeigen, daß noch glaubensstarke (Herr vr. K. hat die Freundlichkeit — um nicht zu sagen die dreiste Stirne, das mit „gedankenloser Gläubigkeit" zu benennen) H rzen schlagen, die den Muth und die Ausdauer besitzen mit diesen AchabSpriestern den Kampf auözutragen, zeigen, ob uns das flammende Gotteswort als .Poesie" oder Geschichrc, als „ethische Gebilde" ode Wahrheit erscheint. Bringen wir unsere Kinder, die Horebzeuzen, hin zu den Füßen der Lehrer, die es ernst meinen mit Gott und Seinem Gebot. E-ne noch ganz junge Schule kaum erstanden, b’etet Gelegenheit den Wissensdurst der Kinder z» stillen aus dem ungetrübten Quell echt jüdisch n, humanen Wissens. Die Religionsschule der Adaß IiSrael hat es stch zur Lebensaufgabe gemacht, eine Jugend zu erziehen nach und in den Lehren der Thora, auf daß n u erstarke ein Geschlecht, das erfüllt ist von Achtung Liebe und Treue für seine große Vergangenheit und bereit ist, dies im Leben zu bewahrheiten. — Unterstützet dieses junge Institut, führt ihn Eure Kinder zu und — großer — großer Lohn wird Euch daraus entsprießen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. In Wien hat es bisher an einer Erziehungsanstalt für israelitische Blinde gefehlt. Der