Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1870)
- Date
- 1870-04-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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847 Vormundschaft unterstellt, da Hilst kein Sträuben und kein Wehren, Frank und Consorten allein haben daS Privilegium, Euer jüdisches Gtwisten zu leiten!l Seit Jahren sind die Gemeinden in Frankreich mundtodt, und dem Individuum ist die Junge gelähmt. Will nun von Heit zu Zeit ein aller Jude das Wort für das heilige jüdische Gesetz erheben, oder wagt daö gar ein Fremder „Etranger“ — als gäbe es imJudenthume Fremdlinge — ein der französischen Judenheit nicht Angehöriger, das unjüdische Treiben in der jüdischen Hierarchie laut zu rügen, da werden alle Schreihähne gegen ihn in's Feuer geschickt und die ganze Clique der Anbeter muß ihn, wo er auch sei, zum Schweigen zwingen, damit die Geheimnisse der modernen jüdischen Verhaltniste nicht an den Tag kommen. Diese Geheimnisse zu kennen, mag wohl für den echten gottessürchtigen Juden eine traurige Genugthuung sein, allein besser die Gebrechen zu erkennen, als sich über deren Bestehen zu täuschen und dieselben durch Schweigen so an Umfang gewinnen zu lassen, daß man den Krebsschaden zu spät erschaut. Diese öffentlichen Geheimnisse können wir in folgende Punkte zusammenfassen: 1) daß sämmtliche Mitglieder des Central-Consistoriums weder Sabbathnoch Speisegesetze beobachten, also kein natp, kein Peßach, keine erlaubte Kost, für Manche schon keine Milah mehr, keine Enthaltungsvorschriften, was noch mehr? 2) Daß unter allen Rabbinen, welche seit zwanzig Jahren in der Hools rabbiniqus und dem Seminair rabbinique herangebildet worden sind, keine fünfe sind,_ welche fj:n nan für heilig Vjjtwelchem Rechte wollen dieselbe z. daS" Zeigen der Haare bei ihren Frauen begründen? 3) In welcher Sckule wird jüdisch gelernt? <§t* i wa in den Parisern, wo unter 2000 Schülern keine dreißig sich vorfinden, die geläufig Hebräisch lesen?*) Was thun die Rabbinen zur Verbesserung der israelitischen Schulen?. I Ja Religiousbücher und jüdische Geschichtscompenlvien gibt eS, daran mangelt es nicht; was die helfen »der verderben, das haben wir in Deutschland erfahren. kOaS jüngste Product des Brüsseler Grand Rabbin ist D>er deutlichste Ausdruck des Systems, in welchem man Die jüdische Jugend erziehen möchte. I 4) Welcher französische Rabbiner wagt es, oder | hat eS gewagt, von der Kanzel herab die Ent- | weihung des heiligen Ruhetages zu brarck? *) Amn. d- Red.: In Bezug auf die jüdischen Armenchulen in Paris, müssen wir widersprechen^ Ebenso leistet >ie Schule des Tatmudvereivs unter Leitung des Herrn Eabb. Weiskopf Vortreffliches. marken? Niemals hört man davon ein Sterbenswörtchen in den so zahlreichen Predigten; und doch wäre es ja so nöthig, da heute in Paris fast alle jüdischen Geschäftshäuser am Sonntag feiern! 5) Mit welchen Worten empfängt man die Ein- Tags-Juden, welche für einen Tag, am Jom Kippur, ihre Geschäfte schließen, um Gott auch das Ceinige zu gewähren? Hat seit zwanzig Jahren ein französischer Rabbiner diesen seltenen Beiern die Worte des Propheten zugerufcn: did nwy ibjn nuE'D dn* 'di ’np? Wie Viele dock strömen da in das' Gebethaus, wosie trotz Notengesang und Orgel (im sephnrdffchen Tempel) so wenig erbaut sind und so blutwenig religiöses Bewußtsein mit in das neue Jahr hinausnehmen, daß sie gewöhnlich den Fasttag «deiner nicht koscheren Mahlzeit beschließen! Warum dann das von Gott gebotene Fasten> wenn alle andere Satzungen nur Menschenwerk?! Ihr Rabbinen, ihr Hüter des heiligen Gartens, habt ihr denn gar keine Worte für diese Abtrünnigen, unter denen noch gar viele jüdische Herzen schlagen, welche bei eifriger Anregung vielleicht gern in den SchooH des wahren, gesetzestreuen Judenthums zurückkehren? Der französische Jude besitzt im Allgemeinen mehr jüdisches Gefühl als der deutsche Neologe: wenn er nicht beobachtet, so spottet er auch nicht. Ihm ist der moderne Fanatismus weniger bekannt; aber die meisten französischen Rabbinen thuen Nichts, um das religiöse Gefühl zu Pflegen. Es steht schlimm aus im Frankenlande mit dem Judenthume: es ist dort eine Jugend herangewachsen> die dem onan pa natsup pnn gleicht, eine Jugend, die entweder in christlichen Pensionatm oder in unjüdisch-jüdischen Schulen und Instituten großgezogen wurde. Gibt es doch in Paris israelitische Anstalten, patronirt von Rabbinen, trotzdem daß in denselben trefene Kost an jüdische Zöglinge verabreicht wird!! Dennoch wäre in Frankreich noch viel gut zu machen, gäbe es nur einen Rabbinen, einen feurigen Mann, der es nicht achtet als Orthodox, Obscurant oder Arribre verschrieen zu werden, der nur seine Aufgabe verstünde und eifre wie Elijahu maas 'n r*op Darum auf, ihr Gottessürchtigen, möge eure Zahl noch so gering sein, benützet die neue politische Aera Frankreichs, um entweder Sitz und Stinnne zu erhal-i ten in der Führung der jüdischen Angelegenheiten und wenn nicht, so ahmet nach das Beispiel eurer Schwestergemeinden Frankfurt, Mainz, Berlin, bildet eine abgeschloffene Gesellschaft, um die sich alle Getreuen schaaren werden. Viele Schwankende werden zu eurer Fahne schwö-