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Der Israelit · 1870-03-30 · Heft 13 (30.3.1870) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 13 (30.3.1870)
Date
1870-03-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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S3L MS der Hof am Nachmittage wiederum den Liedern BarbudS lauschte, führte Dar« den jüdischen Prinzen in einen entlegemn Theil des Gartens. „Bostanai," sprach sie leise, „höre mir ruhig zu und widersprich mir nicht; Dein Leben hängt davon ab. Ich weiß, Du hassest meinen Vater, weil er die Deinen ermordet hat, Du verabscheust die Art und Weise, wie er regiert und die Menschen tödten läßt ob geringfügiger Vergehen. Still, unterbrich mich nicht, sondern höre aufmerksam meiner Rede zu. Morgen wird ein große- Gastmahl sein; der König wird Dich berauschen, und im Rausche sollst Du ihm die Gedanken Deines Herzens offenbaren. Sei vorsichtig, Bostanai, Du bist jetzt gewarnt!" „Doch wie soll ich, ein Knabe", entgegnete Bostanai ängstlich, „dem Rausche entgehen, mich im Rausche beherrschen?" „Das weiß ich nicht! Der König wird Dir einen großen Becher starken, feurigen Weines reichen; den wirst Du leeren müssen." „„Aber ich werde seinen Wein nicht trinken; ich darf ihn nicht trinken; es verbietet das unser Gesetz."" „Ah, das ist gut. So werde ich durch einen vertrauten Diener den Wein, den man für Dich bringen wird, mit Wasser vertauschen lassen. Du leerst dann.den Wasserbecher und stellst Dich berauscht und sagst dem Könige Dinge, die ihm gefallen werden." „„Ich werde nach Deinen Worten thun. Hat doch auch mein Urahn David sich wahnsinnig gestellt vor König Achisch, um sein Leben zu retten."" „Noch eins, Bostanai! Der König wird, um Dich vollends zu prüfen, Dir eine Essenz reichen, deren Geruch die Trunkenheit aushebt. Wisse, daß Du dann sofort wieder ruhig und ernst sein mußt, damit der König nicht merke, daß Deine Trunkenheit nur eine verstellte gewesen." „„O, Dara, Du rettest mein Leben! Wie werde ich Dir all diese Liebe und Treue vergelten können?"" „Sprich nicht davon, Bostanai. Du bist mir theurer als Bruder und Schwester, als Vater und Mutter!" Bostanai erschrak, als er sie so reden hörte; er gedachte der Worte seines Großvaters und des eigenen Versprechens. Und doch rührte ihn diese kindliche Hingebung der Königstochter unendlich; er hätte sie geliebt mit aller Gluth seines Herzens — aber sie war des mächtigsten Königs Tocbter und ihm unerreichbar; noch mehr, sie war eine Heidin und konnte nie die Gattin des frommen Sohnes Juda's werden. Am andern Tage fand das vom Könige veranstaltete Gastuiahl statt. An langen goldenen Tafeln saßen die Großen des Reichs; unter ihnen Bostanai, für den jüdische Kost und jüdischer Wein waren aufgetragen worden. Inmitten der Mahlzeit rief der König den jüdischen Prinzen herbei, der schon lange zitternd dieses Momentes geharrt hatte. „Bostanai," redete KoSrovs den nach Faffung ringenden Jüngling an, „ich habe mein Wort gehalten; Du weilst an meinem Hofe und wirst geehrt wie meine eigenen Kinder. Komm, mein Sohn, leere diesen Becher auf das Wohl Deines Königs!" „„Verzeihe, großer König, Du weißt, daß ich Deine Speisen nicht esse, Deine Getränke nicht trinke, denn das verbietet mir der Gott meiner Väter. Erlaube, daß ich meinen eigenen Becher herbeihole und ihn leere nach Deinem Gebote."" Der König nickte zustimmend und Bostanai that so. Als er den Becher an den Mund setzte, bemerkte er, daß Dara ihr Versprechen erfüllt hatte; es war Wasser. Rasch leerte Bostanai den Becher, auf einen Zug. Nachdem das geschehen, fing er an, laut zu jauchzen; er hielt sich am Tische fest, wie wenn er fürchtete, umzufallen. Der König lachte. „Nun," sagleer, „man sieht, daß Du sonst wenig Wein trinkst." ,,„We... nig, we... nig!"" stammelte Bostanai. „Dein Vater, den ich in den Tod schickte, trank auch wenig Wein." „„Was . . . kümmert ... mich mein todter ... Va . .. ter! ich, ich ... lebe ... durch Deine Gnade, großer König! ich ... liebe ... Dich, König ... der ... Könige!"" „Und wie gefällt es Dir an meinem Hofe?" „„Sehr ... gut, sehr gut! Schön singen ... Deine Sänger, lieblich ... tanzen ... Deine Tänzerinnen!"" „Freilich," lachte der König, „so Etwas hast Du in Mechufa nicht gesehen und gehört. Und was sagst Du zu der Art, wie ich das Scepter führe?" „„Eines großen Königs ... würdig; Du herrschest, wie's dem Herrn geziemt." Der König reichte dem Jüngling eine Dose und sagte: „Da riech', so wird Dein Rausch verfliegen!" Als Bostanai an der Dose gerochen hatte, stellte er sich plötzlich aufrecht und sprach ängstlich: „„Herr, was habe ich geredet? Der Wein hatte meine Sinne verwirrt!"" „Fürchte Dich nicht," antwortete der König gnädig, „Du bist ein gutes Kind; in Deinem Herzen wohnt kein böser Gedanke. Iß und trink nach Deinem Wohlgefallen; ich werde meinen Schwur halten und Dich auch ferner schützen." (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen HofbuchHandlung. — Damps.Schnellprefsndruck von I. Gatts leben in Mainz.

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