Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1870)
- Date
- 1870-03-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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SY7 Ueberhäufnng. mit Schmach, entsetzliche Bedrückung — Maßregeln, die das Herz, jedes andern Vvlkes^ gebrochen hätten, Pas Alles hat man vergeblich gegen die Juden in Anwendung gebracht Es geht daraus hervor, daß die Jphen eine überlegene Race sind, und den Gesetzen der Natur gemäß kgnsi nie eine überlegene Race von untergeordneter Racen zerstört oder aufgerieben werden." Im Mai 1868 wollte Fürst. Carl seine Regierung veranlassen, eine Vorlage an die Kammern ge-, langen zu lassen, um die Judenfrage, in edler und seinem Lande zum Heile gereichender Weise zu lösen, um die Juden zu emancipirsn. Seine Minister jedoch hielten ihn davon zurück. „Eure Hoheit," sagten sie, „würden durch ein solches Vorgehen unpopulär werden!!" Eine große Verantwortlichkeit, ruht auf dem Fürsten Carl. Noch Niemand hat ungestraft den Juden wehe gethan. Es ist die göttliche Vorsehung, welche für sie eintrstt. In unserer Zeit ist die jüdische Frage zugleich die des Fortschritts. Wer sich gegen die Juden entscheidet, entehrt sich selbst. — Fürst Carl ist ein Deutscher; in Deutschland betrachtet man die Juden längst nicht mehr als Fremde und das deutsche Vaterland hat nur dabei gewonnen. Fürst Carl führt als FamiliewDevise den schönen Spruch: Nihil sine Deo, Nichts ohne Gott — und in Rumänien soll in Bezug auf die Juden allen göttlichen Gesetzen Hohn gesprochen werden? Oder ist es der Gerechtigkeit entsprechend, daß eine so beträchtliche, so arbeitsame, so treue Bevölkerung wie die israelitische beständig außerhalb des Gesetzes stehen und der Willkür und den Quälereien der niedrigsten Beamten aufgesetzt sein soll? Fürst Karl könnte seine Minister daran erinnern, daß er nicht der Fürst einer Partei, sondern aller Rumänen, der Christen und Nichtchristen ist, daß er, der Sohn eines occidentalen Herrschergeschlechts, gekommen sei, um Rumänien mit dem übrigen Europa zu verbinden, daß seine Regierung keine Maßregeln treffen dürfe, die einen anticivilisatorischen Charakter haben und dadurch Rumänien isvliren. Wir wissen wohl, wie schwierig die Lage eines Fürsten in einer Welt von Jntriguen ist, inmitten von Leuten, die darauf ausgehen, Einer den Andern anzurlagen. Aber gerade heßhalb kann der Fürst nur in der Gerechtigkeit einen unerschütterlichen Halt finden. Die Judenverfolgung aber entspringt äuS den niedrigsten Leidenschaften, auS den verächtlichsten und eigennützigsten Motiven. Man möge uns nicht entgegnen, daß Fürst Karl ein constitutioneller und daher unverantwortlicher Fürst sei und daß daher die Verantwortlichkeit nur feine Minister treffe. Wir wollen dem einen Ausspruch des.. Kaisers Napoleon ITT. entgegeyffellen, den er gethaü, ofeC ern och Präsident, Re^übÜv war. ***’ „In allen konstitutionellen Verfassungen gibt es einen Artikel,, $$!<%& hix,FüxKe)h für. unverletzlich und die Minister allein für^ verqnsstprtlich erklärt; nichtsdestoweniger sind es die Fürsten, an welchen das Volk sich für seine Leiden rächt und die es straft in seinem gerechten Zorne. Nicht die Fxeiheit-tödtenden Minister der Restauration tr.af die Rache deü Volkes, sondern Carl X. und seine Familie. Nicht Mole, Thiers, Guizot, welche die Julimonarchie an den Rand des Verderbens führten, sondern Louis Philipp und die Familie Orleans mußten dafür büßen." Goldene Worte, die jeder konstitutionelle Fürst beherzigen möge! Heute verfolgt man die Juden, weil sie Fremde seien, morgen ivird man sich an die Fremden wenden, welche Christen sind. Und Fürst Karl, ist nicht auch er ein Fremder? Mancher Eingeborene'war sein Mitbewerber um die rumänische Krone. Zwar verlangte Alles einen ausländischen Prinzen; allein man gab sich der Hoffnung hin, daß sich ein solcher nicht finden würde. In einem Augenblicke, in welchem die Juden allüberall die mittelalterlichen Schranken fallen sehen, in welchem Spanien sogar dem so lange verbannten Israel seine Arme wieder öffnet, will Rumänien ein Zeitalter der Verfolgung beginnen? Das Pand ist nur mäßig bevölkert; es mangelt also nicht an Raum? Das Land bedarf der industriellen und commerciellen Hebung, worin die Juden bekanntlich Meister sind. Aber die Juden sind nicht rumänischen Stammes! Aber auch die Schienen Eurer Eisenbahnen sind nicht aus rumänisch-griechisch-katholischen Bergwerken. Die Juden sind die moralischen Schienen Eures Landeg die Beförderer Eures Handels und Verkehrs; sie werden Euch Helsen, Eure Produkte zu vervielfältigen, sis flüssig zu machen, andere, die Ihr nicht habt, dagegen auszutauschen, aus dem so wunderbar gelegenen Rumänien einen glänzenden Bazar zwischen Europa und Asien zu gestalten! Wenn Ihr aber von dem betretenen Wege nicht ablasset, den Racenhaß und den RelrgionShaß schürf dann werdet Ihr Euch schwächen im Innern, Euch berauben der Sympathien von Außen; daun wird der. Tag nicht mehr fern sein, an welchem in Folge eirzer von Euch selbst verschuldeten Katastrophe alle Welt ausrufen wird: „Unglückliches Rumänien, unglücklicher Fürst Karl r "