Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1870)
- Date
- 1870-03-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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215 beantwortete, daß er Herrn Dr. Geiger, am Sonnabend den ‘i6. Februar er. die Kanzel auch dieses Gotteshauses besteigen ließ. Die religiöse Richtung des Herrn Dr. Geiger ist bekannt: sie ist der schärfste Widerspruch zu den Lehren der Synagoge, wie sie in den Gebeten ihren Ausdruck sinden. Wir constatiren daher dies Factum als einen Gewissenszwang, ausgeübt von einer Behörde, die ihre Wahl einer äußerst geringen Majorität verdankt, und appelliren an den Rechtssinn unserer Gemeindcmitglieder und aller vorurtheilslosen Freunde des Rechts und der Gewissensfreiheit. Berlin , im März 1870. Im Aufträge einer Versammlung: M. I. Levy. Jacob Bamberg er. M. G. Lewy. W. Goldschmidt." Halberfkadt, den 7. Adar D. Der geehrte Vorstand hier hatte den Besuch deS Herrn Dr. I. Hildesheimer, Rabbiner der Gemeinde Adaß Jisroel in Berlin, der bei Gelegenheit eines Familienfestes vorigen Sonnabend hier anwesend war, benutzt, denselben zu einem Vortrage in der hiesigen Synagoge aufzufordern. Wenn auch unsere Kanzel, dem H. s. D., durch unseren hochverehrten Rabbiner Dr. Auerbach so ausgezeichnet versorgt ist, daß wir uns hier mit dem Scheiden des Winters noch besonders deßhalb freuen, daß uns in den milderen Jahreszeiten wieder eine Reihe von Vorträgen erwartet, die an Gediegenheit des Inhaltes und der Form als klassisch allgemein anerkannt sind, so hat uns doch der Vortrag unseres Stadt- und Gemeindekindes, den wir unter unsern Augen haben heranwachsen und sich auSbitden gesehen, heute sehr wohl gethan. Redner sprach über die letzten 5 Verse des 2. B. M. mit der uns schon früher bekannten Begeisterung, die seine Thätigkeit und Wirksamkeit seitdem so berühmt gemacht, über den Werth der tiefinnersten Überzeugung in der Religion als "n Hu:} und über ihre äußere Erscheinung unter dem Bilde des lesenden und schützenden py mit schönen Erklärungen eingelegter Talmudstellen. Seine Freunde und Verehrer freuen sich, die Abrundung bei der Fülle des Stoffes herauszufinden, welche der geehrte Redner in der vieljährigen Praxis sich erworben, ohne daß das Feuer der Begeisterung sich vermindert hätte, welches wir früher bei den Vorträgen desselben zu bewundern Gelegenheit hatten. Er bedarf unseres Lobes nicht; aber gewiß haben Viele mit dem Referenten dem verehrten Rabbiner den Wunsch geweiht, welchen die Gemeinden in dem Vers 2. B. Sam. 10. 12. einander ermunternd zurufen Iprnrüi pin prn Bleib stark, bleib stark! Dann werden wir uns stark fühlen. Wo es noch Männer mit solchem edlen Eifer in Israel gibt, da können wir getrost und gekrästigt der Zukunft entgegensehen! Aus MecklenburK - Schwerin ist zu berichte«, daß durch großherzogstcho Verordnung diejenige Bestimmung des außerordentlichen Contributions-Edicti^ welche die jüdischen Handlungscommis einer exceptionellen Besteuerung unterwarf, arifgehoben worden ist. (Berl. Ztg.) Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Die große Anzahl jüdischer Blinden im österreichischen Kaiserstaate hat den Med. Dr. Lud. Äug. Frankl schon vor einer langen Reihe von Jahren veranlaßt, den Gedanken der Gründung eines solchen Institutes in Wien thatsächlich zu verfolgen: er theilte ihn später seinen Freunden, den DDr. Maximilian Engel und Bernhard Wölfler, mit, die ihn freudig begrüßten und sich mit ihm zur weiteren Arrsführung der phllantropischen Idee einigten. Bedeutende Geldmittel sind vorweg,' durch Dr. L. A. Frankl gesammelt worden; der bezügliche Ausweis wird binnen Kurzem zur Veröffentlichung gelangen und soll durch ein verstärktes Counts die Abfassung des Plaues, die zweckmäßige Verwendung der zu Gebote gestellte» Summe nächstens in Angriff genommen werden. Prag, den 11. März. Es ist eine neue Thalfache zu vermelden, die die kümmerliche und dürftige Existenz der hiesigen einzelnen Synagogengrmeinden genugsam illustrirt. Bis jetzt war man geroohut zu hören, dieser »der jener Kaufmann sei fallit geworden, dieser oder jener Banguier habe seine Zahlungen eingestellt; daß sich aber auch eine Synagogengengemeinde als insolvent erklären wird, kam bis jetzt Niemandes! in den Sinn. Und ich glaube kaum, daß in den Annalen irgend einer Synagogengemeinde ein solcher Fall einregistrirt ist. Nun ist unter den manigfachen Neuerungen, die in unterer reformsüchtigen Zeit innerhalb der Synagogen geschehen, auch diese emgetreten. Die Meiselsynagoge, die einige Jahrhunderte hindurch nach der Almeusynagoge den ersten Rang hier behauptete und die ein beredter Zeuge der Hingebung und Opferwilligkeit unserer Vorfahren für die Interessen des Judenthmns war, ist wirklich insolvent, und hat ihre Zahlungen eingestellt, so daß weder der Prediger, noch der Cantor, noch die andern Amtspersonen ihren Gehalt für den vergangenen Monat mehr erhalten konnten. Sämmtllche Vorstandsmitglieder haben auf ihre Ehrenstellen resignirt. Die Synagoge, befindet sich mit einem Worte in einer Calomität, aus der sie nicht so hell herauSkommen kann. Es mußte sogar von der Gemeinderepräsentanz eine Commission ernannt werden, die die fiaanzielle Gebahrung zener Synagoge zu prüfen hat. Dieser finanzielle Bauquerott erhält aber erst dadurch seine Bedeutung, daß er identisch ist mit dem Bauquerott der Reformbestrebungen, die seit einigen Jahren sich hier geltend mache wollten, und die Meiselsynagoge zu ihrem Ausgangspunkt nahmen, um von ihr aus das Licht der