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Der Israelit · 1870-03-23 · Heft 12 (23.3.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 12 (23.3.1870)
Date
1870-03-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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216 Aufklärung (?) über die ganze Gemeinde zu verbreiten. Es zeigt-sich nunmehr, welchen Erfolg sie bisher hatten. Das Wirken deö Mannes, der in dieser Synagoge das Predigeramt bekleidet, vr. Stein, ist für das Judenthum kein ersprießliches und seine Gelehrsamkeit (?) für die speciellen jüdischen Interessen nicht fruchtbringend. Er sieht mehr auf dem Standpunkte des allgemeinen Menschenthums, seine Predigten enthalten zumeist nur Ideen der Humanität und der Menschenverbrüderuug; aber einen Gedanken, der die Erhabenheit des Judenthums bekundet, der die ewige Giltigkeit und Unanfechtbarkeit seiner Lehren darthun solle, findet man in ihnen nicht. Nun ist es schön Mensch zu sein. vr. Kämpf kann es in seinen Predigten nicht genug wiederholen, „daß wer nicht Mensch im vollsten Sinne des Wortes ist, unmöglich Jude sein kann." Der jüdische Prediger darf aber beim allgemeinen Menschenthume nicht stehen bleiben; er wäre sonst höchstens eine geeignete Persönlichkeit für die Kanzel einer sogenannten freien Gemeinde. Der Bekenner des Judenthums verlangt eine jüdische Predigt, bei deren Anhören er sich in seinem jüdischen Bewußtsein gestärkt fühlt. So predigte einst hier vr. Dachs und so predigt jetzt hier sein würd^-r Nachfolger Herr vr. Kämpf, der überhaupt feirP: großen Vorgänger sich zum Vorbilde genommen h^t und mit dem reichen Materiale seines Geistes immer rüstig fortarbeitet an dem Werke, das jener zu seiner Zeit hier angelegt hat. Daher kommt es, daß die Synagoge des vr. Kämpf immer, selbst beim schlechtesten Wetter in allen ihren Räumen von Zuhörern gedrängt voll ist; die Meiselsynagoge hingegen immer leer und ihrem völligen Ruine nahe ist. Denn hier weht der Hauch Geiger's undAub's, dort aber waltet noch immer der Geist und der Sinn des verewigten vr. Sachs D"n pnp fnrvoa ll'p'irr. Pesth, 5. März. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurden von Eduard Zscdenyi die Gesuche von 152 orthodoxen israelitiscyen Gemeinden, welche um Aufhebung der Beschlüsie des Jsraeliten- Congresses bitten, überreicht. Lemberg. Dieser Tage wurde dahier von Herrn Rabbiner Nathansohn ein Verein unter dem Namen idj?d wjn gegründet, dessen Zweck es ist, 10 v'avOiv dhdi!? zu besolden, die sich den ganzen Tag und auch einige Stunden in der Nacht mit dem Studium in der h. Thora beschäftigen, armen Kindern Unterricht in D’pDisi nid:» mwo ”p"n geben und die an Sabbat- und Feiertagen mit Leuten zu lernen haben, die duch ihren Beruf verhindert sind, dem Thorastudium obzuiiegen. Frankreich. Paris. Die Wittwe des jüngst verstorbenen Ralhaniel von Rothschild, welcher ein Vermögen von 1000 Millionen Fr. hinterlassen haben soll, hat dem Wohltbätigkeitscomitv 21,000 Fr. übergeben. Paris. Die von Herrn Oberrabbiner Astruc in Brüssel herausgegebene jüdische Geschichte findet in den jüdischen Zeitungen allenthalben eine gerechte Verurheilung; besonders hat Herr Oberrabbiner Trenel, Direktor des Rabbinerseminars zu Paris, in der ^vsvuv isr." die Schädlichkeit dieses Werkes in mehreren Artikeln nachgewiesen. Herr Ob-rrabbiner Trenel zeigt sich hierin als ein wackerer Kämpfer für das orthodoxe Judenthum. Paris, 10. März. Man versichert, daß Ollivier dem Staatsrathe den Entwurf eines Naturalisationsgesetzes für die in Algerien wohnenden Israeliten übermittelt habe.. StraHburg. Herr Hirsch Heymann, Beamter an der Eisenbahn zu Königshoffen, hat den 3. Februar ein Kind, welches in den Kanal der Stadt gestürzt und einen Soldaten, der diesem zu Hilfe kommen wollte, aus dem Wasser gerettet. Der Kanal hat an diesem Platze eine Tiefe von 3 Meter. Herr Hirsch hat schon 2 goldene Medaillen für ähnlich ausgeführte Thaten erhalten. (Rev. isr.) Dänemark. Coperrhogerr 4. Adar Scheni. »in rny iin hielt die hiesige nttnp man ihren Fast- und Bußtag ab. Auf dem Friedhofe, woselbst die Chebra sich versammelte hatte, hielt der hiesige Rabbiner einen ntsni. Mit dieser nam verband der Redner einen 122.1 über den Oberrabbiner Meysel in Warschau und Rabbiner vr. Adler in Lübeck. Rumänien. Bukarest, 8. März. In der Kammersttzung vom 7. ds., stellte der Deputirte Horosoff die Interpellation: „Wie es komme, daß in Beffarabien einige Staatsgüter, dem Gesetze zum Trotz, an Juden verpachtet worden seien?" Hierüber entspann sich eine lange und stürmische Debatte, die damit endete , daß das Haus die Erwartung aussprach, die Regierung werde auch in diesem Falle das Gesetz strenge zn handhaben wissen. Rußland und Polen. Odessa. Der „Den" von Odessa, das Organ der Juden in Rußland, macht bekannt, daß alle unverheiratheten Juden, mit Ausnahme derer, welche in Kitcheneff wohnen, aus den Greuzdistricten Beßarabiens vertrieben sind. Anfang April müssen sämmtliche Juden mit ihren Familien Nachfolgen und in das Innere des Landes wandern. (Jüd. Volksbl.)

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