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Der Israelit · 1870-03-23 · Heft 12 (23.3.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 12 (23.3.1870)
Date
1870-03-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XL Jahrgang. Beilage z« Nr. 12 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. 8. Das Leben ihrer Geisteshelden kennen zu lernen, ist für jede Nation bedeutungsvoll und wichtig. Einmal weil diese, die ragenden Gipfel der Geschichte, das eigene Geistesleben des Volkes, seine Kämpfe und Siege wiederspiegeln, dann weil sie später» Geschlechtern ein Muster und Beispiel für gleiche Bestrebungen und Verhältnisse darbieten. Nur selten ist dieses erhabene Ziel in dem Maaße erreicht worden, wie in dem uns vorliegenden Büchlein, das wir hiermit dem für seine Nation und deren eifrigste Vorkämpfer begeisterten Lestr aufs Wärmste anempfehlen. Es ist das die vor Kurzem erschienene Broschüre: vr. Israel Hildesheimer. Eine biographische Skizze. 'Frankfurt a. M. I. Kausfmann's Verlagsbuchhandlung 1870. 32 S. gr. 8. Mußte schon der Name Israel Hildesheimer allenthalben großes Interesse gewähren, so wird dies noch bedeutend durch diese treifliche Broschüre vermehrt, deren Verfasser — was wir gerade nicht gewünscht hätten — sich nicht genannt bat, aber trotzdem eine äußerst stylgewandte, vortreffliche Feder bekundet. DaS Leben Hildesheimers ist zugleich eine Geschichte der orthodoxen Bestrebungen in den letzten 25 Jahren. Schon von diesem Gesichtspunkte aus ist die Biographie dieses Mannes wichtig genug, um geschrieben — und gelesen zu werden. Außerdem hat aber diese Broschüre noch eine andere, ungleich bedeutendere Berechtigung, die der Verfasser selbst in dem trefflichen Vorworte — von dem wir wünschen, daß es in allen christlichen und reformjüdischen Kreisen gelesen und beherzigt werde — mittheilt. Leugnen wollen wir es jedoch nicht, daß die nächste Veranlaffung zum Entstehen dieser Schrift die Angriffe auf Dr. Hildesheimer gegeben haben, welche zugleich mit dem Beginnen seiner Wirksamkeit in Berlin in politischen Journalen nicht immer von ehrenhafter Seite, meistens jedoch in unwürdiger Weise gemacht wurden." Diesen Zweck wird diese friedlich gehaltene, keine Partei verletzende Biographie sicherlich bei allen denen erfüllen, die vorurtheilslos und nicht mit gefärbten Brillen an diese Skizze herantreten werden. Sie wird aber auch in orthodoxen Kreisen mit vielem Vergnügen gelesen werden, nicht blos etwa, weil sie unö das gehaltvolle, reichbewegte Leben und Streben des vr. I. Hildesheimer für die Sache der Orthodoxie in schöner Darstellung vorführt, sondern hauptsächlich deßhalb, weil sie nochmals und ganz deutlich das o ^fiocs" uns vor die Seele führt. Nein, das Judenthum stirbt nicht aus, und die echte Glaubenstreue in demselben auch nicht, solange solche Kämpfer in seiner Mitte gewafinet und gerüstet stehen, um den Kampf gegen innere und äußere Feinde aufzunehmen und siegreich zu Ende zu führen. Es ist eine Hobe, sittliche Ueberzeugung, die sich dem unbefangenen Leser dieser Schrift oufdrängt, die Ueberzeugung nämlich, daß die glaubenstreue Partei ihre Führer und Kämpfer nicht mit schnödem Undank und Verkennung während ihres Lebens belehnt, um sie dann nach ihrem Tode in Requien und mit Monumenten zu feiern. Und dann: die Sache der jüdischen Wahrheit hat in dem letzten Vierteljahrhundert bedeutende Fortschritte gemacht! Wer mit unserem Verfasser die 25jährige Thätkgkeit vr. Hildesheimers fühlend und mitempfindend durchgeht, der wird sich dieser beiden Ueberzeugungen — welcher Partei er auch angehöre — nicht erwehren können. Und so wünschen wir denn dieser schönen Broschüre eine weite, weite Rundreise zu allen Glaubensbrüdern, denen die Sache des Judenthums noch heilig und die Träger und Vertreter dieser Sache lieb und werth sind, und dem Manne selbst, deffen Leben sie schildert, noch viele solcher Jahrzebute im Dienste unseres Glaubens in Glück und Freude verleben zu können! — % Z eitrrngsnachrichten «nd Correspondenzerr. Deutschland. Wiesbaden, den 13. März. Heute feierte die hiesige deutsch-katholische Gemeinde das Jubelfest ihres 25jährigen Bestehens. Zur Verherrlichung der Feier trug sehr viel der hiesige Synagogerr- Gesang-Derein bei. Refcrmsynagoge und deutschkatholisches Bethaus unterscheiden sich ja nicht so sehr von einander. Nihilismus auf religiösem Gebiete hier wie dort! Die hiesige orthodoxe Gemeinde erstarkt G. s. d. von Tag zu Tag. Von den 77 schulpflichtigen Kindern besuchen 39 den Religionsunterricht unseres ebenso gelehrten wie streng-religiösen Rabbiners Vr. L. Cahn, dessen Wirksamkeit bereits eine sehr segenS-

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