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Der Israelit · 1870-03-23 · Heft 12 (23.3.1870) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 12 (23.3.1870)
Date
1870-03-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Um den Mund des Königs schwebte ein Lächeln der Befriedigung. Als die herzzerreißenden Jammertöne verstummten, begann Barbud wieder seine süßen Lieder zu singen, und der König und die Seinen lustwandelten im Garten, wie wenn nichts geschehen wäre. Bostanai hatte sich hinweggeschlichen. In einem entfernten, entlegenen Winkel des Gartens, verborgen den Augen Anderer durch eine dichte Baumgruppe, warf er sich zur Erde nieder und weinte laut. „Herr, mein Gott," rief er, „wohin bin ich gerathen! welchen Frevel müssen meine Augen schauen, welche Worte müssen meine Ohren vernehmen! Und ich inmitten der Höhle des Löwen — was soll ich armes Lamm beginnen? O, wie er die Zähne fletscht, der Löwe, um Alles zu zerfleischen, was in seine Nähe kömmt und sein Mißfallen erregt! Schütze Du mich, o Gott, schütze Deinen armen hilflosen Diener, der Niemanden hat zu seinem Schutze denn Dich allein! Todt ist mein heldenmüthiger Vater, ich kannte ihn nie; fern ist die theure Mutter und der weise Großvater; getrennt bin ich von dem Freunde meiner Jugend. Nur Du, o Gott, bist immer bei mir, Du, mein Fels, mein Trost, meine Zuversicht! Erbarme Dich Deines verlassenen Kindes! Sende Deine Engel mich zu schützen, daß mich nicht zerfleischen die Zähne des Schrecklichen!" Als er sich wieder erhob, sah er Dara suchend daherkommen; er verließ das bergende Dickicht und ging ihr entgegen. „Bostanai," rief die Prinzessin, als sie ihn erblickte, „wo weilst Du? Der König hat nach Dir gefragt! — Du hast geweint? Dich hat das eben Erlebte ergriffen! O, laß Dir nichts merken; es könnte Dein Leben kosten!" Bostanai ging mit Dara zum Könige. Eben wollte KosroeS den jüdischen Prinzen anreden, als ihm ein fremder Gesandter gemeldet wurde, der aus dem fernen Arabien dem Könige einen Brief überbringe. Der König ließ den Fremden hereinführen. Er war allein, in einfacher Tracht; auch warf er sich nicht zur Erde; aufrecht stand er vor dem Könige. „Wer bist Du?" fragte der König; ein Dolmetscher übersetzte die Frage. „Ich beiße Said," antwortete der Fremde, „ich bin ein Araber aus dem Stamme der Koreisch. Gott ist Gott und Mahomed ist sein Prophet. Der Prophet Gottes, Mahomed Iben Abdallah, sendet dem Könige von Persien diesen Brief." Auf einen Wink des Königs nahm der Geheimschreiber den Brief und las ihn; ein Lächeln flog beim Lesen über sein Antlitz. Der König bemerkte »S und befahl ihm, den Brief gleich laut zu lesen. „Verzeihe mir, König der Könige, "^entgegnete der Geheimschreiber, „der Brief ist in arabischer^Sprache abgefaßt; vergönne mir einige Minuten, damidich ihn Dir geläufig auf Persisch vortragen kann." \ Nachdem die kurze Frist verstrichen, begann der Geheimschreiber mit lauter Stimme zu lesen: „Der Herr des Himmels und der Erde, der Schöpfer des Weltalls, der allmächtige Gott außer dem kein Gott, der erhabene Gebieter, welcher Könige ein- und absctzt nach seinem Willen, Er sende Heil und Segen, dem Herrscher von Persien, dem großen Könige Kvsroes dem Zweiten: „Du sollst wissen, o Herr, daß Gott der alleinige Gott ist, und ich, der Schreiber dieses Briefes, bin Mahomed Iben Abdallah, des einzigen Gottes Prophet. Gott hat mich erkoren, daß ich Umstürze die Altäre der Götzen und führe die Völker zum Dienste des einzigen Gottes. Auch aus Dich, König Kosrovs, erstreckt sich Gottes Gnade. Er befiehlt Dir durch meinen Mund, zu lasten die falschen Götter, so Du nennest Ahriman und Ormuzd, die FerwerS und die Dews. Höre Gottes Wort und zittere! Gott ruft Dir zu — wende Du Dich zu Ihm. Er, der Allmächtige, wird Dir Sieg verleihen über Deine Feinde, wird fest gründen Deinen Thron für Dich und Dein Geschlecht. Wehe Dir aber, wenn Du nicht gehorchest. Dann wird Dein Thron erschüttert, Du wirst verjagt und Dein Geschlecht wird auSgerottet werden. Deßhalb laß Deine Götter, die ohnmächtig sind, verjage die Magier, die Dich betrügen, und erkenne Gott als Deinen Herrn an, dessen Prophet Mahomed ist. — Also spricht der Gottgesandte, von Gott belehrte Mahomed, Sohn des Abdalah, der Koreischite." Als der Geheimschreiber den Brief vorgelesen! hatte, fing der König laut an zu lachen und mit ihm lachten seine Diener. Dann ließ sich der König den Brief geben, zerriß ihn in viele kleine Stücke, die et j in alle Winde zerstreute. „Wahnsinniger," schrie er den Gesandten an,! „Abgesandter eines Wahnsinnigen! Kehre in Deine Heimath zurück und sage dem, der Dich gesandt hat, was ich mit seinem Briefe gethan. Sollte er hierherkommen, so werde ich mit ihm wie mit fctncus| Briefe verfahren." Nachdem der Dolmetscher die Worte des Königs I übersetzt hatte, verneigte sich der Gesandte und ging schweigend von dannen. So hatte es ihm Mahomed befohlen. (Forts, folgt.) Hierzu zwei Beilage«. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellprefsendruä von I. Gottsleben in Mainz.

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