Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1870-03-23 · Heft 12 (23.3.1870) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 12 (23.3.1870)
Date
1870-03-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447447-2447460--08129-2463763
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

211 i „„Du hassest mich wohl, Bostanai?"" Z ^Zch Dich hassen! und warum sollte ich Dich affen, Prinzessin?" „„Werl mein Vater den Deinigen hat ermorden ssen."" „Und deßhalb sollte ich Dich hassen? Nicht doch, ara! eS heißt in der Lehre unseres GotteS: Nicht 'sollen sterben die Väter um der Kinder willen und nicht die Kinder um der Väter willen; ein Jeder hat lediglich die Schuld des eigenen Verbrechens zu tragen und zu büßen." „„Wie schön ist diese Lehre! Bei uns Persern ist eS anders; da wird oft wegen des Vergehens eines Einzelnen das ganze Geschlecht ausgerottet."" Während Bostanai und Dara so miteinander sprachen, war ein Mann gewaltsam in den Garten gedrungen; die Wachen hatten ihn nicht hereinlassen wollen; allein der Mann, ein vornehmer, begüterter Perser, hatte sie bei Seite geschoben. Jetzt lief er auf den König zu, warf sich ihm zu Füßen und rief: „Hilf, großer König, hilf, hilf!" Der König blickte ihn zornig an und rief: „Wie kömmst Du in diesen Garten?" ..»Ich habe mir mit Gewalt Eingang verschafft, um Deine Hilfe anzuflehen!"" „Du hast den Tod verdient!" „„So tödte mich; aber vorher verschaffe mir Recht und schütze mich vor Vergewaltigung."" „Wer bist Du?" „Ich heiße Erii," sagte, sich erhebend, der Perser, „und bin aus altem, vornehmem Geschlecht; ich bin ansässig in dieser Gegend, in der meine Güter liegen, schon lange, ehe Du Deine Hauptstadt hier gründetest. Dein Knecht war glücklich bis zu dem heutigen Tage. Meine Gattin Rudabah gebar mir zwei Söhne, und ich dankte den Göttern für die gute, treue Gattin und für die schönen, wohlgestalteten Kinder. Vor einigen Wochen kam Prinz Schiruvh ,zu uns, ermüdet von der Jagd, hungrig und durstig, ir nahmen ihn gastfreundlich auf, gaben ihm Speise nd Trank. Er aber faßte eine Neigung für Rudaah. Heute, als ich abwesend war, überfiel er mein aus und enfführte gewaltsam mein Weib, die Muter meiner Kinder!"" „Und deßhalb," fuhr ihn der König an, „störst u meine Ruhe, dringst gewaltsam in meinen Garen, verkümmerst mir die Stunden der Erholung? — “itrnn Dir ein anderes Weib!" „„O, rede üicht also, großer König! ich liebe *ein Weib, und meine Kinder jammern und rufen lach ihrer Mutter!"" „Und weil Deine Kinder jammern, mußt Du Einern Könige lästig fallen mit Deinen Klagen? )abe ich deßhalb Euch undankbaren Perser groß und seich gemacht, habe für Euch gesiegt in zwanzig Schlachten, habe herbeigefährtvon allen Enden der Erde den Reichthum der Nationen? Ist Schiruvh nicht mein Sohn und Erbe? Soll er nicht sein eigen nennen Eure Frauen und Töchter, wenn es ihm beliebt? Ein Geist der Empörung wird mächtig unter Euch! Aber ich werde ihn Niederhalten! Schon hat Fürst Muzdu meine Hand gefühlt; ich werde sie Euch Alle fühlen lassen. Tur! komme hierher!" Und Tur, der Oberste der Leibwachen des Königs, erschien, warf sich vor dem Könige zu Boden und küßte die Erde, des Königs Befehle erwartend. „Lasse die Wachen am Eingänge des GartenS durch andere ersetzen; diese aber, die dem Manne hier nicht gewehrt haben, so daß er eindringen konnte und meine Ruhe stören, sie führe sofort zum Tode." Tur erhob sich, verneigte sich und ging fort, um die Befehle des Königs zu vollstrecken. „Dir, Erii," fuhr der König darauf zu reden fort, „Dir sei die Strafe für Dein frevelhaftes Eindringen erlassen. Nimm Dir ein anderes Weib und stille die Klagen Deiner Kinder mit süßen Früchten und Spielwerk. Lasse aber auch dem Knaben Schirueh sein Spielwerk! Du darfst erwarten, daß er Dir Dein Weib schon nach wenigen Wochen zurücksenden wird. Und nun gehe und freue Dich, daß ich Dir die Strafe gnädiglich erlasse!" »»Ich will Deine Gnade nicht,"" schrie Erii, „lasse mich tödten, Du, der Du zur Ungerechtigkeit den Spott hinzufügst; aber wisse, mein Blut wird um Rache schreien! Schon einmal hast Du fliehen müssen aus Deinem Lande; auch heute kann de- Glückes Wechsel Dich treffen!" Der König war bleich geworden. Schon schwebte das vernichtende Wort auf seinen Lippen; da besarm er sich und sprach: „Führt ihn hinweg; ich will ihn nicht tödten!" rief Erii, „„bitterer ist mir das Lebe» denn der Tod!" Er wollte noch Etwas hinzufligen; aber die Diener des Königs ergriffen ihn und - führten ihn schnell hinweg. Kaum war Erii hinausgeführt worden auS dem Garten des Königs, als Tur, der Oberste der Leibwachen , zurückkehrte, um bett Tod der Wachen zu melden, die den beleidigten Gatten hatten eindringen lassen. In diesem Augenblicke hörte man aus der Ferne Geklirr von Waffe» und herzzerreißende Jammertöne. Der König sah den Obersten der Leibwachen fragend an, und dieser sprach: „ES ist das Geschlecht deS VerrätherS Muzdv, großer König, das den Tod erleidet: seine Frauen, Kinder, Brüder und andere Verwandten; nur der älteste Sohn des VerrätherS, Hormudz, ist entflohen; die Andern erleiden soeben den Tod."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.