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Der Israelit · 1870-03-23 · Heft 12 (23.3.1870) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 12 (23.3.1870)
Date
1870-03-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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m Hier habt Ihr einen Anhaltspunkt und um diesen Mann sammelt Euch. Die Adaß JiSroel hat bis jetzt 300 Mitglieder, aber die Zahl ist im Verhältniß zu der jüdischen Bevölkerung eine winzige zu nennen. Nur durch den Anschluß an diese Gemeinde können wir das erreichen, was unser Ziel sein muß. WaS hält Euch denn, Ihr Zauderer, Ihr Weisen, vom Beitritt zurück? Ist es Lauheit oder Mangel an Ueberzeugung? Oder ist Euch vr. HuoeSheimer zu rigoros? So, so? Nun, wie denkt Ihr Euch denn einen Rabbinen? Wollt Ihr etre Mode-Puppe, die sich dreht und wendet, wie Ihr wollt, oder einen charaktervollen Mann, dem das alte, wahrhafte Princip über Alles geht? Wollt Ihr einen Religionsmacher oder einen Gesetzesinterpreten im Sinne unserer D’DDn? Von der Qualität der ersteren, — die habt Ihr ja schon; nun wenn Ihr zu diesen gehört, da scheiden sich unsere Wege; wollt Ihr aber einen echten Dun Tobn — — so seid ehrlich und gebt dieser Ueberzeugung auch den entsprechenden Ausdruck. Eine Vermittelung gibt es nicht. Zwischen Wahrheit und Lüge gibt es vor dem Forum des Gewissens keine Verbindung. Wir hassen die religiösen Compromiß - Macher. Unsere Sache ist zu wahr und gut, als daß wir den Punkt eines Jota preisgeben dürften. Folgenschwer lastet auf denen die Verantwortung, die durch ein Zögern ein Verschulden auf sich laden. Wenn man an der Förderung des großen Ganzen Mitarbeiten will, da müssen Rücksichten schwinden, muß sich Jeder der Gesamwtheit zu liebe fügei., unterordnen; die Ansicht des Einzelnen muß aufgehen in dem Willen und Wollen der Gesammtheit; dann und — nur dann trägt Jeder mit bei zum Wohle und Heile des Gesammtstrebens. Aber nimmer darf man sagen, weil ich das will, und das nicht will und das anders will, schließe ich mich aus. Das kann nur Ausfluß von unbegrenztem Hochmuth und Eigendünkel sein; benn wer wahrhaft mnsühlt, bringt seine Person, seiner Ueberzeugung zum Opfer.. Mögen doch diese Zeilen dazu beitragen, daß die Ansichten geklärt und der Wille gestählt — wir wären überglücklich. Berlin, 9. Adar II. 5fi30. Herr Dr. Geiger hat sein Debüt in der alten Synagoge mit demselben Vortrag begangen, den er in Frankfurt a. M. (Siehe Israelit Nr. 9) zum Abschiede gehalten hat. Bei Leibe sich nicht in geistige Unkosten stürzen. Oder ist der Spiritus familiaris schon zu Ende? Freut Euch, Ihr Berliner, Ihr bekommt aufgewärmten — Kohl. Österreichisch - Ungarische Monarchie. Wien. Bei der im vorigen Monat gewesenen großen Kälte hatte besonders die ärmere Klaffe darunter zu leiden, indem es dsvsrlben an Mitteln fehlte, die nöthigen Brennmaterialien, sich anzusÄaffen. Es wurden allenthalben Sammlungen veranstaltet, der Kaiser und die Kaiserin gaben 5000 fl. Auch unsere Glaubensgenossen, die niemals da zurückstehen, wo es gilt, Gutes zu thun, trugen das Ihrige dazu bei, um dieser Noch zu steuern. Zehn der angesehensten Israeliten gaben zusammen 9000 fl. und ein anderer 1000 Ctr. Kohlen. Rzeschow» Vergangene Woche starb dahier eine jünsche Frau im Alter von 107 Jahren. -40 Kinder, Enkel und Urenkel stammen von ihr ab. ,Jhr ältester Sohn ist 83 Jahre alt. Sie hatte ein sehr glückliches Alter, konnte stets ohne Brille lesen und schritt immer aufrecht einher. (Jb. An-.) Feuilleton. Wosta « ai. (Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) XII. Recht und Gerechtigkeit am -erfischen Hofe. Am Nachmittage desselben Tages ergingen sich die königlicke Familie und der Hof wiederum im Garten des königlichen Schlosses. Dara suchte Bostauai auf, mit dem sie sich gestern so gut unterhalten hatte. „Warum so ernst , mein Freund?" redete die Prinzessin den Jüngling an, als sie ihn einsam unter einer Cypresse sitzend fand. „Warum lagert Trübsinn auf Deiner Stirne? Hörst Du nicht den lieblichen Gesang Barbud's, des großen Sängers? Können diese süßen Töne an Dein Ohr schlagm, ohne Dein Herz mit Wonne zu erfüllen?" „Prinzessin!" entgegnete Bostanai, „ich habe Schreckliches erlebt; ein Mensch, ein Fürst, ein Großer ist vor meinen Augen getödtet worden!" „„Und hatte der Empörer gegen seinen König nicht den Tod verdient?"" „Nein, Dara, das hatte er nicht; er starb als ein Opfer der schrecklichsten Willkür!" „„Schweig, Bostanai, schweig! wenn Dich Jemand hörte, es wäre Dein Tod. Und dann, was kümmert Dich Muzdu; kanntest Du ihn früher?"" „Ich kannte ihn nicht; allein mich hat dieser tiefe plötzliche Fall von steiler Höhe mächtig ergriffen. Gestern noch war der Mann der Erste nach dem Könige in diesem großen Reiche, und heute wurde er niedergeschossen wie ein Tbier des Waldes; und dann hat er noch kurz vor seinem Tode meines ge mordeten Vaters gedacht!"

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