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Der Israelit · 1870-03-16 · Heft 11 (16.3.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 11 (16.3.1870)
Date
1870-03-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XI Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 11 des Israelit. AeLtrrng-rrachrichten itttfc Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Am Dienstag, den 22. v. M., übergab der königliche CommissionSrath, Herr Johann Hoff bei Gelegenheit des Geburtsfestes seiner Gemahlin eine neu geschriebene Thora-Rolle der in seinem Hause befindlichen Synagoge, wobei die entsprechenden Festlichkeiten unter Musikbegleitung stattfanden und Herr Rabb. Dr. Hildesheimer eine paffende Ansprache hielt. Auch schenkte Herr Hoff zum Andenken dieses Tages eine ansehnl'che Summe zu einer Stiftung für Ausstattung armer Bräute. (Jüd. Bolksbl.) Berlin. Ein hervorragendes Mitglied der Gemeinde theilt uns soeben mit, daß einige der bedeutendsten Firmen konservativer Gemeindemit^lieder feit längerer Zeit dem Vorstande die Steuern verweigern, da das Gesetz von 1847 nicht mehr gilt^g sei und der Vorstand den conservativen Interessen in den G meindeinstitutionen nach keiner Richtung hin Rechnung trage. (Jüd. VolkSbl.) Oesterreichifch - Ungarische Monarchie. Prag. Die hiesige Meiselsynagoge hat die Zahlung eingestellt, so zwar, daß der Vorstand am 1. d. M nicht in der Lage war, den Synagogenbediensteten die Gehalte auszubezahlen. Wir kaffen im Nachstehenden die Verhandlungen der israelitischen Cultus-Gemeinde-Verwaltung hierüber folgen: Voisitzend.: Auf der Tagesordnung steht die Eingabe des Synagogenrathes der Meiselsynagoge betreffs der Darstellung der finanziellen Verhältnisse, mit der Bitte um Abhilfe. Dieselbe wird vom Vorsitzenden verlesen, und schildert in schauderhafter Weise die materiellen Zustände der Synagoge, welche bereits so deS'Geldes bar ist, daß den Synagogenbediensteten der Gehalt für den nächsten Monat nicht mehr auSgezahlt werden kann. Der in den Synagogenrath neu gewählte Casfier H. Salom. Ederer hat bei ^Einsicht in solche pekuniäre Verhältnisse auf seine Stelle resignirt, da auch die für das laufende Jahr zu entrichtenden Sitzgebühren bereits im Vorhinein erhoben und schon verausgabt sind. Zudem ist H. vr. Stein, dessen Gehalt die Hälfte d.r Revenuen absorvirt, wegen der von dem früheren Synagogenrathe unterlassene» Kündigung definitiv angestellt, und es kann zu einer Reducirung feines Gehaltes nicht gefchrittrn werden. Ein solches Gebühren findet der Synagogenrath mit dem Begriffe einer ordnungsmäßigen Verwaltung nicht vereinbar, indem es etwas hervorruft, das bereits eingetreten ist, nämlich ein Falliment. Gegenüber diesen mißlichen Verhältnissen stellt der Synagoaenrath die Bitte im Interesse des GesammtcuktuS die Synagoge der bedrängten Lage zu entheben, ohne irgend ein Budget, Ausweis über Einnahmen und Ausgaben vorgelegt zu haben. Dafür stellen die Herren folgenden Antrag: Eine löbl. Repräsentanz wolle Hrn. vr. Stein zum Oberrabbiner der präg. Cult. Gemeinde ernennen, welche Ernennung das zur Folge haben würde, daß sich Herr Dr. Stein mit einem kleineren Grhalte von Seiten der Meiselsynagoge, so wie auch von der Gemeinde begnügen würde. Der Synagogenrath besteht aus folgenden Herren: vr. JonaS Cpiegl als Vorsitzender, Eduard Schreier. Salomon Ederer, Kassier, I. BejkowSky, Leopold Wolf, V. A. Wien, S. Thorfch, Jos. Reitler. Vorsitz.: <^ch erlaube mir zu constatiren, daß auf dieses Petitum einzugehen, in keiner Weise möglich ist, da es auf etwas lautet, was mit der materiellen Aushilfe in keiner Verb nduna steht, nämlich die Ernennung des vr. Stein zum Oberrabbiner. Gleichzeitig geht es aber auch nicht an, daß man einen solchen Zustand der Dinge in der Gemeinde ansteyest lasse, ohne daß die Repräsentanz mit aller Energie bestr-bt ist, demselben einen Abbruch zu thun. Ich beantrage daher, daß ein Comitä bestehend aus ö Mitgliedern niedergesetzt werde, welches den derzeitigen Stand der Bücher, das Präliminare und das Deficit zu prüfen und in der nächsten Sitzung detaillirt darüber zu referiren hat. Schitz: Ich muß aestehen, daß ich mit dem Comitä von Seiten der Repräsentanz nicht einverstanden bin. Es erscheint mir diese Eingabe gewissermaßen eine Petition um Ernennung des Hrn. Prediger vr. Stein zum Oberrabbiner der prager CultuSgemeinde zu fein; etwas Anderes lese ich nicht. Daß es mit den Finanzen schlecht bestellt ist, haben sie erzählt, ohne eS durch ziffermäßige Daten thatsächlich nachzuweisen. Auch auf daS Petitum selbst einzugehen, scheint mir gefährlich, weil dann sämmtliche Synagogengemeinden, wenn sie voraussichtlich hohe Gehalte gewähren, ohne daß im nächsten Jahre die Einnahmen die Ausgaben decken, der Gemeinde zur Last fallen würden. Ich würde damit einverstanden sein, daß ein Comitö ernannt werde, das erst dann zu berathen hat, wenn der Synagogenrath ein klares Bild dessen vorgelegt, was er eigentlich will. Denn eS fragt sich,

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