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Der Israelit · 1870-03-16 · Heft 11 (16.3.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 11 (16.3.1870)
Date
1870-03-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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f e U II I t t 0 n. W o fi a n a i. (Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahr- ' hundert der gew. Zeitrechnung.) XI. Bostanai und Dura. „Du bist," sprach Prinzessin Dara, „ein Jude. Was ist das, ein Jude?" „Ich bin," entgegnete Bostanai, „eia Nachkomme des Königs David, des Königs von Israel. Wir heißen Israeliten oder Juden, weil wir von Israel and dessen Sohn Juda abstammen." „Sagtest Du nicht heute Morgen, Du dürfest von unfern Speisen nicht essen? Warum darfst Du das nicht?"" „Weil Gott es uns verboten Hut." „„Welcher Gott?"" „Wir haben nur einen Gott." „„So? Und welchen von beiden Göttern fürchtet Ihr, Ahriman oder Ormuzd?"" „Weder Ahriman noch Ormuzd. Unser Gott st der einzige Gott, der Himmel und Erde erschaffen at. Es ist kein Gott nben Ihm, noch gegen Ihn. Hm ist Alles unterthan, Hochoben im Himmel oder *ief unten im Abgrund." „„Und wie heißt Euer Gott?"" „Er ist der Unaussprechliche, Unbegreifliche! in Bild darf oder kann Ihn darstellen, selbst Sei- \ .e» Namen sprechen wir nicht mehr aus, seitdem wir -aus unserm Lande vertrieben sind." „„Sonderbar — unaussprechlich, unbegreiflich, und nur Einer! Siehe, wir Perser haben zwei Götter, Ormuzd, den Gott des Lichtes, Ahriman, den Gott der Fknfterniß. Ormuzd beschützt die Guten, Ahriman die Bösen, und manchmal ist Ahriman stärker als Ormuzd, so daß die Bösen siegen."" „Prinzessin, die Religion der Perser beruht auf Irrthum und Lüge; es gibt nur einen Gott!" „„Woher weißt Du das?"" „Dir das zu sagen, muß ich viel sprechen. Wirst Du nicht müde werden zu hören, Prinzessin?" „„Nicht doch; ich höre Dich gerne reden "" „So wisse, als der einzige, allmächtige Gott die Welt erschuf, da schuf Er auch die Menschen, und Er wandelte unter ihnen und sie kannten Ihn und sprachen mit Ihm, bis die Menschen schlecht wurden; ein Bruder mordete den andern, und die Erde ward voll von Gewaltthat. Da offenbart« Sich Gott nur noch Einzelnen, Seinem Diener Abraham, der Ihn erkannt hatte . . . ." „„Wieso hatte Abraham Gott erkannt?"" „Als Abraham war geboren woroen, da wollte der böse Kö«bg Nimrod de« Kindes Vater, Therach, zwingen, eS umzubringen; Therach verbarg das Kind und dessen Mutter in einer Höhl«. Als nun Abraham nach mehreren Jahren die Höhle verließ, da staunte er über diese schöne Welt und gelangte zu der Ueberznigurrg, daß sie kein Werk sein könne der Götzen; er dachte so lange nach, bis er den einzige« Gott, den Schöpfer des Weltalls erkannte, der sich ihm dann offenbarte, ihn prüfte, und da Er ihn echt erfand, zum Verkünder Seines Namens und zum Stammvater Seines Volkes erwählte. Abrahams Nachkommen führte Gott an den Berg Sinai und zeigte sich ihnen und sprach mit ihnen und lehrte sie sein heilig Gesetz." „„Und Ihr beobachtet noch heute jene alten Gesetze?"" Gerade so wie wenn wir sie erst heute empfangen hätten." „„Sonderbar; auch wir Perser haben viele gute Lehren und Gesetze; aber kein Mensch beobachtet sie; ein Jeder thut das, was ihm Vvrtheil bringt oder Vergnügen macht."" „Das kömmt daher, weil Ihr nicht an den einzigen Gott glaubt. Die Schlechten unter Euch vermeinen im Schutz? Ahrimans zu stehen und der Macht der Finsterniß wohlgefällig zu sein. Siehe, Prinzessin, wenn ein einziger Gott der Schöpfer des Weltalls ist, so sind alle Menschen Seine Geschöpfe, Kinder eines Vaters, so sind alle Menschen Müder, und warum sollten sie dann treulos handeln Einer gegen den Andern?" „„Was Du da sagst, Bostanai, ist wunderbar schön und dringt in mein Herz, es mit seligen Gefühlen erfüllend. O, wie schön muß es sein, alle Menschen zu lieben! Ach, hier in unserm eigenen Hause waltet der Haß; meine Schwester Arzem-Dokht haßt mich und meine Mutter, die wir ihr nie ein Leides getban. Und mein Bruder Schiruöh? Wehe diesem Lande, wenn er wird König werden! Er kennt kein Gesetz als seinen Willen, und dieser gehorcht seinen Leidenschaften und seinen Lüsten! O, früher war eö anders in Persien! Da standen große Helden an der Spitze des Reiches, welche die Völker unterjochte», die Perser zu Herren des Erdballs machten, und dabei mit Weisheit und Gerechtigkeit regierten."" „Erlaube mir, Prinzessin, daß ich Dir widerspreche. Nicht das ist die Aufgabe der wahren Helden, Länder zu erobern, Völker zu unterjochen, um der Herrschsucht zu fröhnen, den Ehrgeiz zu befriedigen. Solche Gewaltherrscher und Kriegshelden machen ihr eigenes Volk nur unglücklich und führen es an den Abgrund des Verderbens. Siehe, wir Inden haben Stürme erfahren und Verfolgungen erduldet, wie kein anderes Volk der Erde. Noch heute leben wir in Niedrigkeit und verachtet von den herrschen-

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