Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1870)
- Date
- 1870-03-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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de« Geueralconsuln der Westmächte ertheilte Antwort sein? Während. BratLano sich alle Mühe gab., die Judenverfolgungen ahzuleugnen., glaubt man sich jetzt der Mühe Überhoden; man geht ganz offen zu Werke; man verfolgt die- Juden nicht allein, man verleumdet sie auch, um die gehässigen gegen sie ergriffenen Maßregeln zu rechtfertigen. Man sagt, die Rumänen wollten in ihrer Mitte keine fremde Ratze dulden. Aber die vielen Griechen, Bulgaren, Serben, Armenier, Ungarn, Deutsche, Franzosen, Ruthenen, Zigeuner? Doch die sind Alle getauft, und nur die Taufe gewährt das große Vorrecht, als Rumäne anerkannt» zu werden. Aber, sagt man, die Staatsöconomie gebietet die Verfolgung der Juden; denn diese haben sich des Handels und der Industrie bemächtigt. Ohne die Juden würde es allerdings weder Handel noch Industrie in diesen Ländern geben, denn früher gab es dort nur herrschende Bojaren und Ackerbau treibende Bauern — allein jetzt sollen die Juden den Söhnen der durch ihre Verschwendung ruinirten Bojaren und deren ehemaligen Beamten und Bedienten Platz machen. Die Judenverfolgung, beweist man ferner, ist aus socialen Gründen geboten, denn die Juden sind das Hin^erniß, daß sich in Rumänien ein Mittelstand bilde. Freilich, um dem Mittelstände anzugehören, muß man vor Allem an die Dreieinigkeit glauben!! Die Judenverfolgung ist «othwendm, weil sich die rumänischen Juden nicht nach der Mode kleiden und weil deßhalb die Rumänen, die mehr für ihre Garderobe gebrauchen, nicht so billig verkaufen und deßhalb nicht mit den Juden concurriren können. Ein höchst weises Räsonnement. Jeder, der sich nicht nach der Mode kleidet, muß todtgeschlagen oder aus dem Lande vertrieben werden. Ja, die Judenverfolgung ist sittlich geboten, denn die Juden auf dem Lande verdünnen den Branntwein und schwächey die Kraft der Rumänen!!! Die Rücksicht auf die Gesundheit gebietet die Austreibung der Juden, denn diese wohnen in den engen, schmutzigen Juitzenquartieren; sie hindern die. Civilisation, denn sie essen kein «Schweinefleisch und braten das andere Fleisch nicht in Butter; essen auch nicht Butterbrod und Käse zum Dessert. Entsetzliche Vergehen!! Schon der mächtige Pharao und der weis«! Ham an haben ähnliche Gründe gegen die Juden, geltend gemacht. Der letztere scheint überhaupt das Vorbild rumänischer Minister zu sein; nur daß diese auf der Höhe der Civitffation sieben stpd deßhalb ein noch höheres Ziel zu erreichen hoffen. (Fortsetzung folgt.) KeitrurgS-raiHrkchterr «nd Woriwspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 7. März. Der Jahresbericht detz israelitischen Fr auenv er eins constatirt die fortschreitende gedeihliche Wirksamkeit und wachsende Theilnahme. Die 18 Waisen. welche M der mit dem Vereine verbundenen Anstalt untergebracht sinh, entwickeln sich geistig und körperlich ht gleich erfreulicher Weise. Dem Verein gingen 11,087 fL 55 kr. an Geschenken zu; unter den Gebern und Geberinnen befinden sich mit namhaften Summen auch hiesige christliche Bürger und Bürgerinnen. Der Sparcassenfond der Zöglinge vermehrte sich durch Zuweisung der Zinsen aus verschiedenen Stiftungen in ansehnlicher Weise. Die Einnahmen betrugen 15,203 fl. 58 kr., die Ausgaben 14,282 fl. 54 kr., darunter 7206 ff. für verkaufte Obligationen. Vorsitzender des Frauenvereins ist Herr I. Doctor. Laupheirn. Heute den 6. März feierte man hier wie in ganz Württemberg das Geburtsfest Sr. Majestät unseres Königs. Und da heute Nacht wegen des Fastnachtsonntages keine Musik stattfinden darf, so hat sich eine bedeutende Anzahl israel. Jünglinge und Männer zusammengethan und auf gestern Nacht, p"lv"v, einen Ball veranstaltet. Das Auffallende und Tadelnswürdige an der Sache ist namentlich, daß viele der Theilnehmer, während es lange noch nicht Nacht gewesen, also am Hellen Sabbattage, ungenirt per Chaise zum Ball gefahren. Welch' eine Frechheit! Von einem weiteren Act haben wir Notiz zu nehmen, woraus hervorgeht, wie eine alte, religiöse Sitte und Vorschrift hei uns nahe am Erlöschen ist. Der Pächter des Frauenhadss hat an das Vorsteheramt ein- Bittgesuch eingereicht, daß ihm an seinem jährlichem Pachtgeld von 10 fl. ein Nachlaß bewilligt werden wolle, da er diesen Betrag nicht herausbringeindem in der hiesigen, großen kaum 15 Frauen Gebrauch vyn diesem Bade machen. Wir hätten erwartet, daß auf jene Eingabe hin, von der Kanzel herab sich ein Wort der Zurechtweisung über die grelle Pflichtverletzung der Frauen werde bören lassen, aber wir warteten umsonst, und so drücken wir auf dieser Rednerbühne unfern Tadel laut aus. In Berlin werden von Zeit zu Zeit Predigten und Vorlesungen gehalten, welche die Bekehrung der Juden bezwecken sollen. Ueber eine solche Vorlesung berichtet die „B. B. Ztg." m humoristischer Weise wie folgt: