Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1870)
- Date
- 1870-03-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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179 chen Verfassern, die Juden und Iudenthum zum Vorwurfe haben, streng genommen, beim Lichte unparteiischer Kritik kaum 3 sind, die ihre Helden oder Heldinnen der Wahrheit gemäß und naturgetreu schildern. Dieö ist das bewegende Motiv gewesen, das mich bei der Recensien von Jane die Jüdin geleitet hat. Im klebrigen ist sogar dieser Roman noch in so weit zu den besseren unter den schlechten zu zählen, da er wenigstens nicht von Haß gegen die Juden und ihre Religion zeugt, deren Kenntniß der Verfasser, wie es scheint, fteilich nur aus dem Hamburger Tempelgebetbuche gesammelt hat. Ein früherer Roman des über alle Maßen produktiven Galen „Emmery Glandon" leidet an denselben Mängeln. Wenn Sie, geehrte Frau, nun die Frage an mich stellen, ob ich auch Kompert's und Philipson's Erzählungen zu den verderblichen Zudenromanen zähle, so ist dieser Einwurf eigentlich schon durch mein Vorhergegangenes ' widerlegt. Ich habe bis jetzt nur wenig oder gar nicht von den Erzählungen, Romanen re. gesprochen, die Juden zu Verfassern haben und die, wie Kompert, mit einem edlen Gefühle und hoher Dichtergabe die Geheimnisse der Iudengasse abgelauscht und in treuen Zügen der Mit- und Nachwelt überliefert haben. Doch auch in dieser Richtung ist leider bis jetzt immer größtentheils sehr gefehlt worden. Anstalt das Iudenthum und seine Gebräuche poetisch zu verklären oder wenigstens richtig darzuftellen, haben die meisten unserer jüdischen Skribenten die Ceremonien und Gebräuche desselben lächerlich gemacht, und dadurch der jüdischen Jugend ein verderbliches'Beispiel, der christlichen Lesewelt aber einen. Maßstab für den geistigen Gehalt einer Religion gegeben, deren Bekenner solche Ceremonien ausüben. Der jüdischeRoman muß dieLeser mitten in die Kämpfe des Lebens der socialen und po litischen Gegenwart führen, muß sie mit den Helden und Heldinnen der Erzählung den heiligen Kampf gleichsam mitkämpfen und den Sieg mitfeiern lehren. Das ist das Motto deö jüdischen Romans, auf den man inututig mutanäm die Worte Julian Schmidts anwenden kann. Der Roman muß das Volk da suchen, wo es zu finden ist, nämlich bei seiner Arbeit, und die Arbeit des frommen Juden, der glaubenstreuen Jüdin, in unserer Zeit ist wahrlich, wie Sie ja selbst wissen, keine leichte! — Als ein Muster solcher Erzählungen kann ich Ihnen die Kompert'schen Ghettogeschichten, die letzten Juden v. I. S. Tauber, die Volkserzählungen von Simon Krämer, die in den Journalen zerstreuten Erzäblnngen, namentlich im Iuschurun zu Frankfurt a. M. und die wunderschönen, herzerhebenden und gemüthvollen Novellen, die feit einet Reihe von Jahren im „Israelit" gegeben werden und die das Beste in diesem Genre sind, auf's Angelegentlichste empfehlen. Sie sehen also, hochgeschätzte Frau, daß ich durchaus nicht der Meinung bin, man solle gar keine Romane lesen. Freilich, so lange wir keine besseren haben, als etwa die Philippson'schen, der z. B. Esra zum Liebeshelden eines sogenannten historischen Romanes macht, ist es besser, daß wir sie nicht lesen. „Die Lectüre aber des deutschen Chumesch d. h. des heiligen Gotteswortes in deutscher Uebertragung, ist gewiß angelegentlichst zu empfehlen. — Ich glaube Ihnen, sehr geehrte Frau, nun meine Meinung über den sogenannten Judenroman klar und deutlich ausgesprochen zu haben, und wünsche nur, daß Sie und Ihre Freundinnen noch fernerhin meinen unbedeutenden Aufsätzen und Recensionen im „Israelit" Ihre gütige Aufmerksamkeit und freundliche Beurtheilung angedeihen lassen mögen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Gustav Karpeles. Milder aus Arabien. Auszüge aus einer Uebcrsehung des „Mn Safir" von Hirsch Grünebaum. Sannah, die Hauptstadt von Jemen. Die Iudenstadt (Sannah's) wird Kea Bir Al Esab genannt, während die Moslemstadt Sannah Medinath Al Scham (von Sem, dem Sohne Noa's, der dieselbe gebaut haben soll) heißt. Ihre fämmtlichen Bewohner kennen jedoch den Namen Usal als den der ganzen Stadt; so übersetzt auch Rabbi Saadias Gaon den VerS: Und Hadoram, Ufa!*) und Diklah (Gen. 10. 27,) mit: „Damar, Sannah und Sadah." Diese Städte haben heute noch ihre alten Namen (Damar liegt drei Tagereisen "nördlich, wie wir später sehen werden.) Ich selbst habe in alten Gebetbüchern gelesen, daß die hiesigen Juden, als sie noch in der Festung wohnten, die Megillah auch am fünfzehnten Tage des Adar lasen, da sie in Zweifel darüber rvarem ob diese Stadt seit Iosua's Zeit befestigt sei. Jetzt aberlesen sie dieselbe wie fast überall am vierzehnten. Die Judenstadt hat 6000 Häuser und zwanzig Synagogen. Vier dieser Synagogen sind so groß, daß eine jede derselben 2000 Personen, nach LandeSsitte auf der Erde sitzend, aufnehmen kann; die übrigen Synagogen sind kleiner. In allen betet man nach der antiken Ordnung dieses Landes, wie wir dieselben oben geschildert haben. Nur in der Synagoge des Mari Iechijah Sarabi betet man nach sephardischen Ritus, wie er in den Gebetbüchern verzeichnet ist, die hierher gebracht wurden; dort ist auch eine Schon Z. Golms sagt der antike Name Sannah's sei OzSI.