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Der Israelit · 1870-03-09 · Heft 10 (9.3.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 10 (9.3.1870)
Date
1870-03-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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180 Hochschule für Gelehrte, die daselbst den Talmud und die Werke des MaimonideS studiren. Auch in der Synagoge des Kabbalisten Mari Iechijah Al Kohen betet man nach den Vorschriften des Rabbi Jizchak Lurijah s. A. Die Stadt zerfällt in zwei Theile, Ras Al Kea (die Hochebene) und Sephal Al Kea (die Tiefebene.) Die Häuser der hiesigen Juden sind in einem gefälligen Style erbaut. Sie sind meistens zwei und dreistöckig, haben geräumige Zimmer und Wasserbrunnen in den Hofräumen. Jede größere Familie hat einen besonderen Hof, in welchem sich mehrere Wohnungen befinden. In den Hofräumen und Wohnungen herrscht große Orvnung und Reinlichkeit. Thüren und Fenster sind aus Furcht vor Dieben und nächtlichen Einbrüchen sehr niedrig. Die Fenster bestehen aus dünnen Marmorscheiben, * *) ungefähr von der halben Dicke eines Fingers, die durchsichtig wie GlaS sind. Dieser Marmor wird aus dem Nakum, 2) (Berg des Ostens) der sich in der Nähe der Festung befindet, gebrochen und durch Sägen in viereckige runde, und vieleckige Stücke geschnitten. Auch gewinnt man aus diesem Berge rothe und grüne Edelsteine, die „Iakik Iemani" genannt und von den Israeliten als Zierde für Ringe sehr geschätzt werden. Während der ganzen Dauer des Peßachfestes kam ich nicht aus den Mauern der Judenstadt: ich unterhielt mich mit diesen meinen Brüdern, zog Erkundigungen über ihre Geschichte und Sitten ein, freute mich mit ihnen und sie mit mir. Nach den Festtagen wollte ich mir auch die Moslemstadt, die Festung, den Handel und Verkehr ein wenig aus der Nähe betrachten. Die Iehudim hielten mich jedoch zurück aus Furcht, es möge mir seitens der Moslemin eine Unbill widerfahren, da sie jeden Fremden und Ausländer mit Mißtrauen und stechenden Blicken ansehen und überall Spione und Kundschafter wittern und überdies die Ermordung des Gelehrten Baruch Al Kudst durch den König bei ihnen noch in lebhafter Erinnerung steht. Am Tage nach dem Feste kam der Apostat, den ich in Tili kennen gelernt hatte, zu mir in Begleitung seiner jüdischen Frau und deren Sohn. Sie küßten mir die Hand nach Sitte der hiesigen Juden. Er überbrachte mir die Nachricht, daß der Wirth, der mich bestohlen hatte, nebst seiner ganzen Familie an der Pest gestorben sei, und daß dieses Ereigniß großes Aufsehen erregt hatte. Er ersuchte mich auch, ihn in die Moslemstadt zu begleiten, zu welchem Zwecke er mir seinen Esel mitgebracht hatte. Mein Hausherr gab mir durch Winken zu verstehen, daß ich zurückbleiven solle; ich sehnte mich jedoch zu sehr danach, diese alte, vielleicht die älteste Stadt der Welt, die von Sam, dem Sohne Noah's gegründet sein soll, i) Seetzen sagt, viele Scheiben sind aus Fasergyps, den man in drei bis vier Linien dicke Scheiben zu sägen versteht. *) Nikom bei Gonaud von Hammer. Wien. Jghrb. XCIV 1841 Seite 81. zu sehen und lief daher in der größten Eile mit. Als wir kaum 2A)l) Schritte gegangen waren, kamen wir an ein großes, befestigtes Thor, das von Soldaten bewacht war. Mein Begleiter führte mich auf Umwegen über schmale Bergpfade (damit mich die Stadtwache nicht gewahre) in sein großes und schönes Haus. Seine ganze Familie empfing mich hier aufs Freundlichste;' man bewirthete mich mit Kaffee und Tabak. Hierauf führte er mich auf das platte Dach seines Hauses, von wo aus ich die Stadt mit ihren vielen Kuppeln üaersehen konnte. Er zeigte mir die königliche Residenz und den Hofgarten, die sich in traurigem Zustande befanden. Der zoologische Garten, die schönen Anlagen, die früher hier waren, die hohen Festungsgebäude, die sich am östlichen Ende der Stadt auf dem Berge Nakum befanden, Alles ist verwüstet, Alles ist zerstört, seitdem hier der Chacham Baruch aus J.rufalem ermordet wurde, sagte mir der Apostat schmeichelnd. (Forts, folgt.) Besuch des Kronprinzen von Urenßw m der Uatriarchengruft in Keöron. In der Januar-Sitzung der archäologischen Gesellschaft zu Berlin berichtete über diesen Besuch der persönliche Adjutant des Kronprinzen, Hauptmann von Jaömund, und machte interessante Mittheilungen über das Innere der Moschee und der darunter befindlichen Grabhöhle, die nach Ueberlieferung der Genesis von Abraham angekauft wurde und zum Begräbnißplatz für ihn und seine Nachkommen diente. Dieses älteste Denkmal Palästinas wurde von den Israeliten, und später auch von den Türken und Christen sehr heilig gehalten. Von den jüdischen Königen stammt ohne Zweifel die aus gewaltigen schon behauenen angeblich marmornen Quadern aufgcbaute Ringmauer von 40 Fuß Höhe, die später von den Mohamedanern zur Errichtung ihrer Moschee verwandt worden ist. Der Prinz von Wales war der erste Christ, seitdem Hebron den Kreuzfahrern wieder entrissen worden, der die Moschee betreten durfte. Eine Beschreibung dieses Besuches lieferte unser damaliger Consul in Jerusalem G. Rosen, später sind noch mehrere vornehme Reisende, namentlich der Marquis of Bute in das Heiligthnm eingedrungen. Keinem ist es aber gelungen, in die Grabhöhle selbst hinab zu steigen. Der Kronprinz machte die größten Anstrengungen, dies zu erreichen; 103 Napoleonsd'or wurden geboten und schließlich versprachen die Türken die Reisenden in der folgenden Nacht hinabzuführen. Leider konnten diese hierauf nicht eingehen, da ein längerer Aufenthalt mit den Dispositionen der ganzen Reise nicht zu vereinbaren war. Indessen hatten der Kronprinz und der Berichterstatter die Ausdauer, durch eine Oeffnung von 10 Zoll Durchmesser in die unter der Moschee

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