Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1870)
- Date
- 1870-03-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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uh Fiddes', eine« tüchtigen und wohlthätigen Arztes zu Kingston, welcher bei der großen jüdischen Gemeinde im besondern großen Ansehen stand. In seinem Testamente vermachte er der portugiesischen und der deutschen Synagoge je 100 L. (1200 fl.) Er gehörte der presbyterianischen Kirche an, war aber tolerant gegen Andersgläubige. Feuilleton. M o ft a tt a i. (Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) X. Am Königshofe. Als Bostanai seine Ankunft dem Könige hatte melden lassen, wurde ihm befohlen, am folgenden Tage 1>£i Hofe zu erscheinen. Der König hatte sich zu dieser Audienz mit allem Prunke seiner verschwenderischen Pracht umgeben; er selbst saß auf dem von Gold und Diamanten erbauten Throne Thak-Dis; neben ihm auf einem kaum minder prächtigen Throne saß die schöne Schehrin, vor dem Königspaare, auf niederen, goldenen Sesseln saßen die königlichen Kinder, der Kronprinz Schirurö h, ein junger Mann von 17 Jahren, die ältere Prinzessin Asrzem-Dokht, 16 Jahre alt, und die jüngere Winzessin D a r a, kaum zehn Jahre zählend. Zu beiden Seiten der königlichen Familie standen die Großen des Reiches, in reich mit Gold und Edelsteinen gestickte, prächtige Gewänder gehüllt. Als Bostanai in den hochgewölbten, den Himmel darstellenden Saal geführt wurde, da wurden feine Augen geblendet von all ber Pracht; er mußte sie schließen; doch faßte er sich schnell; er warf sich zur Erde nieder und küßte den Fußboden, wie man es ihn gelehrt, hatte. „Stehe auf!" befahl der König. Bostanai erhob sich. „Wie heißest Du?" fragte der König. „„Bostanai ist der Name Deines Knechtes."" „Weißt Du, wer Dir diesen Namen gegeben?" „„Der Könige König, mein gnädiger Herr."" „Weißt Du, -warum wir Dich st) gemmnt haben?" „„Dein Knecht weiß es."" „Hast Du auch erfahren, warum Dein Vater Hunna hat sterben müssen?" „„Mein Großvater hat es Deinem Knechte erzählt."" „Und wie denkst Du darüber?" „„Der allmächtige Gott hat heimgesucht die Sünden Seines Volkes."" Kosrosö betrachtete mit Vergnügen das schöne, kindliche Antlitz des fünfzehnjährigen Bostanai; er freute sich der raschen und treffenden Antworten, die der junge Prinz auf seine verfänglichen Fragen ertheilte. Da der König schwieg, erfolgte eine feierliche Stille; kein Laut wurde vernommen im großen Königssaale. Plötzlich hörte man das Summen einer großen Stechfliege; sie flog auf den König zu; dsr Diener, der hinter dem Throne stand, verscheuchte sie schnell. Das verjagte Jnsect flog über die Häupter der persischen Fürsten und Großen, die sich alle beeilten, nach dem Thierchen zu schlagen. Da flog eS auf den regungslos dastehenden Bostanai zu und setzte sich auf dessen Stirne. Aller Augen waren mit gespannter Aufmerksamkeit dem Fluge der Fliege gefolgt, und mit Erstaunen sah man, daß Bostanai keinen Versuch machte, das Jnsect zu verscheuchen oder zu tödten. Dieses bohrte seinen scharfen Stachel in Bostanai's reine Stirne, so daß das Blut an seinem Antlitze niederfloß. Die kleine Dara stieß einen Schrei aus, und der König fragte: „Warum lassest Du Dich stechen, Bostanai, warum hast Du die Fliege nicht verjagt?" „Mein Herr und König," antwortete der Jüngling, „also hat mich es mein Großvater gelehrt. Nicht darfst Du, sprach er, in Gegenwart Deines Königs Hand oder Fuß erheben. Und weil ich die Hand nicht erheben wollte gegen meinen König, deßhalb habe ich den Schmerz nicht geachtet, den die Stechfliege mir verursachte." „Dein Großvater hat Dich gut erzogen," sagte der König gnädig. „Hätte Dein Vater so gedacht, er lebte beute noch, er und fein ganzes Geschlecht. Nun, ich werde meinen Schwur halten, den ich einst im Traume geschworen; ich werde Dich behüten und beschützen, Dich hegen und pflegen. In meinem Palaste sollst Du wohnen, mit meinen Kindekn erzogen werden, an meiner Tafel speisen." „Ich danke Dir, großer König," entgegnete Bostanai, „für die Fülle Deiner Gnade, die Du ausschüttest über den geringsten Deiner Knechte. Allein, Du weißt gewiß — kennt doch mein König die Sitten aller seiner Unterthanen — Du weißt gewiß, daß wir Juden nur solche Speisen genießen dürfen, die dem Gesetze unseres Gottes gemäß sind zubereitet worden." „„Ich weiß es, und es sollen solche Speisen für Dich von einem jüdischen Koche bereitet und an der königlichen Tafel aufgetragen werden. Ich habe Großes