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Der Israelit · 1870-03-09 · Heft 10 (9.3.1870) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 10 (9.3.1870)
Date
1870-03-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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17* einheimischer Jude darf die Verhallen des: Tempels-, wo fetzt die Moschee Omars steht, betreten, ohne Mißhandlungen, ja selbst der Steinigung sich auszusetzen,, wenn seine Anwesenheit von einem Muselmann entdeckt wird. Einmal in der Woche jedoch, und nur einmal die Woche erlauben die Türken den Juden hinzukommen und zu beten am Fuße einer der hohen Steinmauern von welchen das Plateau des salomonischen Tempeln gestützt wird. Um die.se Stund« strömen die Juden auf jenem schmalen Streifen des Bodens zusammen, der eingeschloffen zwischen hohen Mauern, und auf dem allein sie off ntlich beten dürfen für die Ankunft des Messias und die Wiedereinsetzung des auserwählten Volkes in das verheißene Land. Da gibt es einige Rabbinen, gehüllt in pelzverbrämte Kaftans und niedrig gekrempte Sammtkappen; aber der Gros der Andächtigen besteht aus bejahrten Männern und Weibern ärmerer Klasse, ärmlich gekleidet in gewöhnlichen Wollstoffen, die Männer in langen grauen Röcken, die Weiber in wohlfeilen gestreiften Baumwoüröcken und weißleinenem Kopszeug um den Kopf gebunden. Männer und Weiber stehen a-bgesondert; die Andächtigen je nach der Reihe ihres Eintreffens, nehmen ihren Stand nahe zur Wand und vergraben ihr Gesicht so tief als möglich in deren Lücken und Spalten. Den ganzen Reihe entlang erhebt sich ein Schluchzen und wehvolles Jammern. Fast alle haben ein hebr. Gebetbuch in der Hand, aus welchem sie lange Sätze in einem stillen Sing-sang recitiren. Von Zeit zu" Zeit liest einer der Aeltern ein Gebet laut vor, und bei jeder Pause fällt der Chor von Männern und Weibern mit einem gedehnten Wehegeschrei ein. Aber in der Regel schien es, als ob Jeder in seiner Weise betete, und die Stimmen hoben sich und sanken gleich einer Fluth und Ebbe von Tonwellen. Ein Betender nach dem andern wandte sich langsam ab von der Wand, nachdem er ste wiederholt geküßt, und man konnte an Jedem sehen, wie ihm die Thränen über die gefurchten Wangen herabrollten. Die türkischen Soldaten lungerten oben auf der Brustwehr der Mauer umher. In früher» Jahren pflegten sie die gebeugten betenden Juden mit Steinen zu bewerfen, oder sie mit Schimpfworten zu schmähen. Heute wagt der moslemitische Offizier, aus Furcht vor den Westmächten, es nicht, den Ungläubigen wie einst mit Verachtung zu behandeln. Unter dem gemeinen Volk, wenn es den schrecklichen Pascha nicht vor Augen hat, bricht noch oft der Glaubenshaß aus. An jenem Tage, als ich diese Trauerstätte besah, saß eine Gruppe schwarzäugiger, kühn aussehender Araberinnen mit ihren Kindern an der Biegung jene- Pfades, auf dem die Juden betend standen. Eine atte Judenfrau, schwach, gebeugt und gerunzelt, legte ihr großes steifes Foliogebetbuch auf einen Stein nieder, während sie das Haupt in eine Mauerlücke vergrub; sogleich schlich sich ein arabisches Mädchen he-- ran, stahl das Buch und truK es im Triumph davon-. Als die alte Jüdin den Verlust bemerkte, bat und flehte sie um deffen Rückgabe,, aber vergebens. Man sagte ihr, sie könne ihr Buch nur dann erhalten, wenn sie dem Mädchen, das das Buch gestohlen, fünf Piaster — etwa einen Schilling — fcqaljtte. Trotz alles Jammerns und Weinens blieb das arabische Mädchen verstockt, die Jüdinnen fürchteten sich, sie zu berühren und endlich sammelten sie unter sich die Summe pfennigweise zusammen und gaben es dem unverschämten Mädchen, die das Geld einsteckte, und daun erWrte, daß sie jetzt das Buch, weit die alte Frau ihm einen Werth beizulegen schien, nur gegen Erlag der doppelten Summe herausgäbe. Eine der Jüdinnen bemerPe es, daß wir Fremde seien, sie kam an mich heran, und bat mich in deutscher Sprache, ihnen zur Wiedererlangung ihres Gebetbuches zu verhelfen. Ich stellte durch meinen Dragoman das Anerbieten, die zur Auslösung des Buches nöthigen Schillinge zu erlege, aber die arabische Hexe steigerte den Preis abermals, und bestand darauf. Aber da half plötzlich die Drohung mit dem englischen Consul, zu dem ich die alte Frau führen zu wollen vorgab, mehr als jegliche Überredungskunst. Das Mädchen, nachdem es mich, die Bibel und die Juden mit einer Fluth von Schimpfwörtern überhäuft hatte, hob das Gebetbuch empor in die Luft, und schleuderte es gerade in die Mitte der versammelten Jüdinnen, und lief laut lachend den Hügel hinab. Das Buch hatte glücklicherweise Niemand getroffen. Die zahllosen Segnungen, die mir beim Weggehen nachgesendet wurden, mögen mir einst zu Statten kommen. (Js. K.) Afrika. Cairo. Der See Timsah liegt an jenem Punkte, des Suezkanals, wo das Süßwasser beginnt und das Salzwasser endet. Es ist die östliche Grenze von Goschen. Ein Zweigkanal führt von Timsah zu. einem der Nil-Arme, und zerschneidet die Provinz Goschen beinahe in zwei Theile. Jener Arm gegen Goschen trägt noch den Namen: Moes, zu Ehren Mosis, der, in das kleine Kästchen gelegt, an das Ufer dieses Nil-Armes gesetzt wurde. Eine Karte des Kanals, die sich aus der Ausstellung zu Paris befand, zeigte genau diesen Nil-Arm, die Provinz Goschen und den Zug der Israeliten nach Suez. (Jsr. K.) Amerika. Ki«g-stou. (Jamaica.) Das „Jew. Cr." schreibt: Wir beklagen den plötzlichen Tod des Dr.

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