Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1870)
- Date
- 1870-03-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Wohnungen des Herrn Rabbiners, CantorS, Sekretärs, Lehrers und der Diener enthält, umfaßt noch eine unverbaute Grundfläche zu einem hinlänglichen Baugrund für einen Tempel. Die Einnahmen betrugen: 37299 fl., die Ausgaben 29599 fl. Aus Pesth wird gemeldet, daß der Cultusminifter einen Gesetz-Entwurf über Jnartikulirung der Beschlüsse des israelitischen CongresseS dem Reichstage vorlegen wird. Prag. Der Psychiatriker Herr vr.. Fischl (Israelit) wurde vom Landesausschusse zum Director der Prager Irrenanstalt ernannt. Prag, 23. Febr. Die CultuSrepräsentan; hat die Rabbinatsfrage in einer Weise gelöst, welche von ihrem feinen Takte Zeugniß gibt. Ohne die Gemeinde zu belasten, hat sie dem dringenden Bedürfnisse einer Aussicht über daS ^en-Fleisch, welche seit 25 Jahren nicht mehr bestand, durch Anstellung eines tüchtigen praktischen Rabbiners, des Hrn. Fürth, emerirten Rabbiners'in Eidlitz abgeholfen, welcher in der Schlachtbank und bei den Geflüaelhändlern über Beobachtung der religiösen Vorschriften zu wachen hat. Mit der Ausübung aller sonstigen Rabbinatsfunctionen und mit der äußern Vertretung desselben wurde Herr Religionsprofessor Adler, ein tüchtiger Talmudist und sehr frommer Mann betrauet. Der Privatgelehrte Hr. H. Teweles, der stets Privaten Gutachten mit aller Bereitwilligkeit abgab und schon seit 20 Jahren als n*nin 'pyn anerkannt ist, wurde ersucht die ntoin zu übernehmen; auf diese Weise wurde man dem konservativen Sinne gerecht und vermied es, unter den Predigern eine Wahl zu treffen, welche zu wenig Credit als Theologen besitzen, als daß die Gewissen sich ihnen anvertrauen möchten. Mit Nächstem dürste auch das neue Badhaus, mpo ein prachtvolles Gebäude eingerichtet werden. Auch die Talmudthora- Schule wird ganz reorganisirt und vergrößert. Mögen auch einzelne Mitglieder der Repräsentanz für ihre Person einer laxen religiösen Praxis huldigen, so bietet doch die Gesammtrepräsentanz Jedem die Möglichkeit so fromm wie vor 100 Jahren zu sein; sie sorgt dafür, daß alle Cultus- und Unterrichtsanstalten im jüdischen Sinne organisirt sein sollen und gibt den Neologen keine Avancen. Der Verein Afike Iehuda wird nächstens ebenfalls eine Talmud-Thora-Schule gründen; derselbe zählt schon 420 Mitglieder. Der Obmann, Herr Don Braun und der strebsame Mitvorstand Hr. H. Schütz haben. um das Zustandekommen der Schule große Verdienste. Die Vorträge über jüdisch wissenschaftliche Themate haben großen Zuspruch aus allen Kreisen; den letzten Vortrag in diesem Wintersemester wird Herr Professor Dr. Kämpf halten. Das Aufblühen dieses Vereins zeigt, daß hier noch starkes Interesse für Iadmthum herrscht, welches nur geweckt zu werden braucht, um die schönsten Hoffnungen zu rechtfertigen.*) Holland. Amsterdai». Unser Glaubensgenosse, Herr I. Gottschalk, Architekt dahier, hat vom Kaiser von Oesterreich den Franz-IosephS-Orden erhalten. England. London. Bei Gelegenheit der mxD "□ Feier seines Sohnes hat Herr Van Raalte den Kindern in den Schulen der portugiesischen Gemeinde ein Festessen gegeben. Rußland und Polen. Wilna. 6. Februar. Ein neuer Ukas vom 23. December v. I. gestattet den Juden des litthauischen Gouvernements freien Umzug aus Litthauen nach Rußland ohne jede Förmlichkeit und Abgabe; der Umzügler hat nur ein baares Vermögen von 300 Rubel für sich und 100 Rubel für jedes der übrigen Glieder seiner Familie nachzuweisen. Den Bewohnern nicht-jüdischer Confession wird daS Auswandern aus Litthauen sehr erschwert, da der Zudrang zum Verlassen der Provinz in Folge deS Nothstandes sehr groß ist. (Schles. Ztg.) Palästina. Jerusalem. Einem im Daily Telegraph veröffentlichten Brief über Jerusalem entnehmen wir: Der ergreifendste und für mich unvergeßliche Eindruck, den ich von Jerusalem davontrug, ist der Anblick der Juden, als sie da weinten an den Mauern Zions. Wie die Reisehandbücher besagen, beträgt die jüdische Bevölkerung ungefähr ein Drittheil aller Stadtbeuohner. Nach der Zahl jüdischer Toiletten und Gesichter, denen man in den Straßen begegnet, zweifle ich sehr an der Richtigkeit dieser Angabe. Die Juden in Zion sind weder wohlhabend, noch einflußreich; und da Muselmänner und Christen, sonst so uneinig in so vielen Dingen, in der Unterdrückung der Kinder Israels jedoch einig sind, so verleben diese in der Stadt ihrer Väter nur traurige Tage. Kein *) Anm. der Red: Die vorstehende Correspondenr lautet wesentlich anders als die-jüngst von uns „aus Prag gebrachte. Welche Auffaffung die richtigere ist, sind wir aus der Ferne zu beurtheilen außer Stande. —