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Der Israelit · 1870-03-09 · Heft 10 (9.3.1870) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 10 (9.3.1870)
Date
1870-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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172 wer, wie Herr Rabb. Astruc den historischen Theil der Bibel als ein Conglomerat von Fabeln und Sagen behandelt, wer, wie Herr Rabb. Astruc in seinem Buche, die Göttlichkeit der Bibel läugnet und eo ipso das traditionelle Judenthumuntergräbt, der vertritt nicht die konservative Richtung, und wenn er gleich in seinem Privatleben den minutiösesten Anforderungen des Ritualgesetzes genügte. Rein, der Verfasser der „Photographien" ist ein schlechter Photograph. Dr. Jacob Cohn. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Der im israelitischen Taubstummen- Jnstitute seit ungefähr zwei Jahren angestellte Lehrer Jsak Bardach wurde schon wiederholt von demDirector dieser Anstalt, dem kaiserlichen Rathe Joel Deutsch, wegen eigenmächtiger Züchtigung von Zöglingen verwiesen. Gestern Vormittag vernahm Herr Deutsch aus einem Lehrzimmer heftiges Getöse und fand, als er in dasselbe eintrat, den Lehrer Bardach in der rohesten Mißhandlung mehrerer Kinder begriffen. Bardach hatte an den armen Geschöpfen einen Stock von geringer Dicke abgeschlagen. Director Deutsch rief Bardach aus dem Lehrzimmer, machte ihm heftige Vorwürfe und drohte mit der Entlassung. Der Lehrer replicirte, belegte seinen Vorgesetzten mit einer Fluth von Schimpfworten, worauf Herr Deutsch dessen Entlassung aussprach und ihm die Thür wies. Heute Morgens gegen zehn Uhr erschien Bardach in der Wohnung des Directors und forderte in ungestümer Weise den Gehalt für den abgelaufenen halben Monat. Herr Deutsch erwiederte, er werde Bardach das Geld zustellen lassen, wolle jedoch mit ihm nicht weiter sprechen. Es entspann sich ein gereizter Wortwechsel, bei dem Bardach, alle Gesetze des Anstandes vergessend, den Director mit den heftigsten Schmähungen überschüttete. Dieser befahl ihm, sofort das Zimmer zn verlassen. Da griff Bardach in die Brusttasche, zog ein Taschenmesser hervor und versetzte Herrn Deutsch zwei Stiche in die Brustgegend. Während der Verwundete um Hilfe rief, flüchtete Bardach, wurde jedoch vom Sohne des Herrn Deutsch verfolgt und in der Rudolphsgasse durch einen Sicherheitswachmann verhaftet. Die Verwundungen, die Director Deutsch erhielt, sind zwei Stichwunden von IV, und 2 Zoll Länge, die glücklicherweise nicht lebensgefährlich sind. Bardach wurde heute Abends dem k. k. Landesgerichte eingeliefert Das Befinden des Herrn Deutsch flößt keine ernsten Besorgnisse ein, und steht dessen baldige Genesung in sicherer Aussicht. — Die Nachricht von diesem traurigen Vorfälle hatte sich mit großer Schnelligkeit in der innern Stadt und Leopoldstadt verbreitet. Heute Nachmittags erschienen zahlreiche Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde im Taubstummen-Institute, um der Familie des verehrten Directors ihr Beileid auSzudrücken. Ueber Bardach wird uns mitgetheilt, daß dieser, ein verschlossener und jähzorniger Charakter, sich durch sein unfreundliches Benehmen nie besonderer Sympathien im Institute zu erfteuen hatte. Wien. Dem uns vorliegenden Rechenschafts- Berichte der israelitischen CultuS-Gemeinde im Bezirke Sechsbaus bei Wien, für 1869, entnehmen wir Nachstehendes : Am 8. Juni 1868 wurde das Statut dieser Cultus-Gemeinde von der hohen nied. öfter. Statthalterei genehmigt, und am 29. Juli 1868 auf Grund dieses Statutes der Vorstand gewählt; mit diesem Tage beginnt also auch unsere Wirksamkeit in der bis dahin bestandenen Filial - Gemeinde Fünfhaus, welche ohne jeden Fond mit einem durchschnittlichen jährlichen Deficit von 700 fl. nur durch die Hochherzigkeit der Wiener Cultus-Gemeinde ihre Betstube und ihre Religionsschule zu erhalten im Stande war. In finanzieller Hinsicht haben wir uns die Ordnung des Gemeinde-Haushalts und die Wahrung des Gemeinde-Interesses zur Hauptaufgabe gemacht, und wir glauben deßhalb auch, mit Beruhigung für den Bestand und die Prosperität unserer Gemeinde auf diesen unseren ersten Bericht Hinweisen zu können, in welchem nicht nur die bisher nöthig gewesene Subvention nicht mehr erscheint, sondern noch Activa von fl. 7700 als Ergebnitz dieser 17 monatlichen Verwaltungsperiode zum Vorscheine kommt, obwohl nebst den bisherigen Ausgaben auch jene für das neu ins Leben gerufene Seelsorge-Amt für das erst errichtet Sekretariat, und für bedeutende Unterstützungen an Arme bestritten wurden, und auch die Constituirung der Gemeinde durch Einrichtung von Kanzleien und Wohnungen, durch Anschaffungen von Büchern und Drucksorten erhöhte Ansprüche an das Ausgabebudget stellte. Wenn auch bisher unsere ganze Thätigkeit von den nicht unbedeutenden Organisations-Arbeiten für die neue Gemeinde in Anspruch genommen war, so haben wir dennoch nicht verabsäumt, unsere Aufmerksamkeit auch der ebenso wichtigen Tempelbau-Angelegenheit zuzuwenden, und auch hier haben wir bereits einen sehr günstigen Erfolg zu verzeichnen; es ist dies der glückliche Ankauf des Hauses Nr. 22 in der Turnergasse in Fünfhaus um den auch nach der geringsten Schätzung sehr niedrigen und zu den bequemsten Bedingnissen zu zahlenden Kauf- und Ablösungsbetraz von fl. 32000. Dieses Haus, welches in seinem verbauten Theile genügende Räumlichkeiten für eine vürklassige Volksschule, eine Kinderbewahranstalt und ein Beth-Ha-Midrasch, für die Kanzlei und den Sitzungssaal, für die /

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