Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1870)
- Date
- 1870-03-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447447-2447458--08082-2463714- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
170 Wir theilen in Folgekchcür eWge Stellen aus, einem von Jerusalem an uns tzeWigldn, dvn fcea Dv^teherü sämmtlicher dortigen KeMinddn MtetzMhnettm %& bräifchen Schreiben mit: „Theure Freunde," heißt es in dem erwähnten Briefe, „es ist uns sehr schmerzlich, Euch durch traurige Nachrichten betrüben zu müssen; allein die furchtbarste Noth drängt uns dazu; die Tage des Winters sind fast vorüber, ohne daß der in dieser Jahreszeit sonst die Erde tränkende Regen das Land befruchtet hat; das Wasser, unfern Durst zu löschen, ist nur für Geld zu haben; fast alle Quellen und Cifternen sind vertrocknet; die große Menge der jüdischen Bevölkerung hungert und dürstet im eigentlichsten Sinne des Wortes; Männer, Frauen, Kinder und Säuglinge sind dem Hungertode nahe. Unsere Seele ist darob betrübt und wir jammern und klagen. Von Tag zu Tag werden die Brodpreise theurer, und außer dem Regenmangel beschwert uns 'noch eine andere "Plage: eine große, furchtbare Schaar Heuschrecken bedeckt den Erdboden; sogar die Winterkalte hat sie nicht verscheuchen oder gar vernichten können. Diese unabsehbaren Heuschreckenschwärme werden die Pflanzen verzehren, sobald sie emporwachsen. Daher verschließen die Besitzer von Getreide ihre VorrathShäuser, und die Theuerung nimmt in erschreckender Weise zu. Was sollen wir thun, was beginnen? Und was für Noth und Schrecken werden erst die kommenden Tage uns bringen? Dem Peßachfeste sehen wir mit Angst und Zagen entgegen. Womit sollen wir den Hunger all dieser Armen, Wittwen und Waisen stillen? Deßhalb ist es jetzt nicht an der Zeit zu schweigen; wir sind verpflichtet, die Noth der -Unfern kund zu geben unfern Brüdern, die da lieben Zion und Jerusalem, damit ihre Herzen sich erbarmen ob des-Elends der in dm Straßen Jerusalems hungrig Wankenden. O, wir kennen unsere wohlthätigcn und mildherzigen Brüder und Schwestern, wir wissen, daß ihre Herzm warm schlagm für die Stätten, an welchen unsere Väter wohnten, wo das Haus unseres Gottes stand; sie werden uns nicht Hungers sterben lassen. Die sich unserer erbarmen, werden bei Gott Erbarmen finden, die unser Flehen erhören, deren Gebet wird erhört werden vom Herrn der Welten!" Mkt dem im Obigen mitgetheiltm Schreiben der Vorsteher der einzelnen Gemeinden stimmen eine Menge Prkvatbriefe, die wir erhalten, überein. Auch das Centr alcomite in Amsterdam fordert uns dringend auf, die Wohlthätigkeil zu dem erwähnten Zwecke anzurufen. „Das Angstgeschrei der Nothleidenden", schreibt man demselben, „steigt von Tag zu Tag und viele Aschkenasim, Sephardiim und Marockaner 'sterben täglich Hungers!" So laßt uns denn am herannahenden Purimfeste «Herrr unglücklichen Brüder 4m Lande unserer Väter -edenken! Und n««entKch Wr, denen das Wort ge- Hftbe« und die Ihr Einstich Gabt in Euren Gemeinde, Ihr edlen Rabbiner, Vorsteher, Prediger, Lehrer, benützet Euren Einfluß und erhebet wackeren Muthes Eure Stimme, damit es gelinge, dem Elende zu steuern, die Noth zu verringern, die Hungrigen und Dürstenden zu sättigen. Der Allgütige rüber wird reichlich belohnen alle edlen Svmder; Sein reicher Segen wird Euch in Fülle ersetzen, was Ihr gespendet, wird Euch, Eure grauen und Kinder schützen vor Noth und Gefahr, bis daß die Zeit kommt, daß er bannet den Tod für immer, trocknet die Thräne von jeder Wange und hinwegnimm^ die Schmach von Seinem Volke; denn also hat es der Mund des Ewigen verheißen.*) Zeitungsnachrichten und Cnrrespondenze«. Deutschland. Aus Vöesttphalen Ueberzeuat, daß Sie jeder Mittheilung U’djidx in Ihrem für die Erhaltung des echten und unverkürzten Judenthums so segensreich wirkenden Blatte gern ein bescheidenes Plätzchens einräumen, ist es mir erfreulich, in meinem diesmaligen Referate, Ihnen die Mittheilung machen zu können, daß schon seit mehreren Jahren nnd zwar hauptsächlich durch die Bemühungen und auf Veranlassung des seligen Rabbiners Sutro WX der, — wie wir nebenbei zu bemerken uns erlauben, — in seiner Eigenschaft als Religionslehrer der im Zuchthause zu Münster mternirten jüdischen Sträflinge stets eifrig bemüht war, sowohl durch das Wort der Belehrung-, als auch durch die That, für deren Besserung zu wirken und sie dem Judenthume treu zu erhalten^, für eine rituelle Verpflegung der jüdischen Gefangenen am heil. «10L-Feste gesorgt wurde. Auch für dieses Jahr hat der Director des Zuchthauses, Herr von Stükkerath, 68 bereitwilligst gestattet, daß die jüdischen Gefangenen an den genann- *) An m. dv r Rod-: Wir brauchen wohl nickt zu erwähnen, daß ntt'r bereit sind, die Spenden entgegenzunehmen und sofort zu befördern. Ebenso sind alle Gabcü'm der Almosen für das heilige Land, namentlick auch der ehrw. Herr Distr.-Rabb. Bamberger zu Würzburg gern bereit, Spenden entgegenzunehmen und in diesen Blättern zu veröffentlichen. Wir machen die Herren Gabaim darauf aufmerksam, daß wir selbst dann die Spendenlisten veröffentlichen, wenn das Geld von ihnen direct an das Centralcomitv in Amsterdam gesandt wird, vorausgesetzt, daß die Herren das wünschen und uns die betreffenden Spendenlisten in deutscher Schrift einsenden.