Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1870)
- Date
- 1870-03-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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tj 165 p Visse seit einiger Zeit behindern, seine bewahrte Mitarbeiterschaft unserem Blatte fleißig zuzuwenden, läßt uns unter vorstehender Ueberschrift folgende Notiz zukommen, die wir mit Vergnügen veröffentlichen. „Wenn man einst fragen wird: was zur Zwietracht im Lande hauptsächlich beigetragen hat, und wie es dennkamdaß Verlader in Kirche und Staat, in Synagoge und Tempel, unter gleiche Religionsgenossen eingezogen ist? so wird man gewiß unter den Ursachen die ReligionScongresse — diese Lieblingskinder des Cultusministers — nicht unerwähnt lassen. Dieser Tage wurde, wie in anderen Gegenden des Landes, auch ,in den Städten und Dörfern am Fuße der Tatra eine Petition durch sämmtliche Israeliten sammt ihren Vorständen an das Abgeordnetehaus gezeichnet, die dahin lautet: daß alle jene Erlaffe der Regierung, welche die gewaltsame Durchführung die Congreßstatuten beabsichtigenj, als ein unconstitutionelles Vorgehen und als einen Eingriff der zum Schutze ihres Gewissens berufenen weltlichen Macht in ihre Religionsangelegenheiten sistirt werden; die Motivirung der Petition überrascht wahrhaft durch die hochpolitische Reife der Anschauungen, welche sie zur Schau trägt, und die von jedem Staatsmann gewürdigt werden müssen. So berufen unter Anoerm die Israeliten des Käsmr-ker Wahlbezirkes sich auf das erhebende Bewußtsein, daß, wenn auch in der Gegenwart unser Kampf für die vollständige Religionsfreiheit auf mancherlei uns tief kränkende Vorurtheile stößt, die gewiß nur auf den nicht liberal klingenden Titel „Orthodoxen" zurückzuführen sind, die Zukunft uns vollständige Gerechtigkeit, widerfahren lassen, indem sie es anerkennend auSsprechen wird, daß eben die historische Richtung der ältesten der bestehenden Religionen es in Ungarn war, welche sich der weltlichen Gewalt entwunden, weder ihren polizeilichen Schutz noch ihren polizeilichen Zwang wollte, und so das hochgehaltene Princip der freien Kirche im freien Staate verwirklichen half. Wir müssen gestehen, daß das moderne Schlagwort der „freien Kirche im freien Staate" nicht eine neue Erfindung der Neukatholiken ist, sondern eine alte im Zudenthum vertheidigte Wahrheit." Frankreich./ Pari-, im Febr. Einige hiesige Blätter, darunter namentlich der „Public", haben sich in der rumänischen Judenfrage durch die dortigen Preßagenten des Fürsten Karl, die Herren Bamberg und Strat (von denen der Erstere doch selbst ein gewesener Jude ist), zu ganz falschen und abgeschmackten Aufstellungen verleiten lassen, die dann in Bukarest als Ausdruck der öffentlichen Meinung des westlichen Europas verwerthet werden. Herr Crvmieux leuchtete nun in einem langen an den „Public" gerichteten Schreiben diesen Verleumdern gründlich s“ Mehr als zweimalhunderttausend Juden von zwei^ malhundertfünfzigtausend, sagt er, sind Rumänen, weil sie und ihre Väter und Ahnen in Rumänien geboren sind. Seit Jahrhunderten haben inmitten der wechselnden Generationen dieses so ehrenhaften und gastfreundlichen rumänischen Volkes die wechselnden Generationen der Juden dieses Land bevölkert, welches niemals die Intoleranz gekannt hatte. Die unvernünftige Politik, welche namentlich seit Bratiano diese schreckliche Verfolgung angeftiftet hat, findet noch Minister, die sie ausführen und eme Kammer, die sie anstachelt. Nur will sie jetzt, wie vor zwei Jahren, glauben machen, daß, wenn sie ohne Erbarmen die Juden niederschlägt, sie nicht Juden, sondern Ausländer verfolgt. Und darum bringe ich die Sache meiner tbeuren und unglücklichen Glaubensgenossen vor die Fürsten der acht Nationen, die im Jahre 1858 Rumänien so gern in die Reihe der freien und unabhängigen Staaten zugelassen haben. Ich verlange ihre friedliche und rechtmäßige Dazwischenkunft, welche gewiß nicht der Autonomie der humanen zu nahe tritt. Diese Drzwischenkunst rst nicht nur durch die Gesetze der Menschlichkeit geboten, sondern auch wörtlich in den internationalen Vertrag eingetragen, welcher die rumänische Nation constituirt hat. Preis. Durch kaiserliches Deccet wurde Herr Emmerich zum Adjunct der Bürgermeisterei des 12 Acondiffement ernannt. (Rev. JSr.) Paris. Im Senate wurde am 1. Februar" über wine Petition von 58 Einwohnern zu Bszier» verhandelt', in welcher das Ersuchen gestellt wurde, daß der protestantische und israelitische CnltuS im Senate repräsentirt werde, der eine Mrch Pastoren, der andere durch den Oberrabbiner von Frankreich. Man ging zur Tagesordnung über. Schweden. ' Stockholm, 17. Februar. Der Reichstag hat die Vorlage des Verfassungs-Ausschusses angenommen, welche den christlichen Dissenter« und den Israeliten die Wählbarkeit für den Reichstag und das Recht verleiht, alle Staatsämter mit Ausnahme der Minister- Posten zu bekleiden. Das Abftimmungs - Verhältnis war in der Oberkammer 93 gegen 18, in der Unterkammer 116 gegen 53 Stimmen. Die königliche Sanction ist nicht zu bezweifeln.