Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1870)
- Date
- 1870-03-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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164 ging bekanntlich -ihdn rvjyn (wie ominös!) v. I. zu Ende, die Neolagen rieben sich vergnügt. die Hände, und hielten die Orthodoxen — rvjyn, und trösteten sich mit dem darauffolgenden Tage der Erinnerung daran, daß auch früher schon Anschläge gegen das specifische Religionsgesetz (Dy toa nuw orrm) geschmiedet wurden, dasselbe aber nur um so siegreicher auS dem Kampfe hervorginz. Da man sich aber nicht auf Wunder verlassen darf, sondern alles Mögliche zur Abwendung der Gefahr thun muß; so nahm die Verwaltung des Sch. Hrd Vereins die Sache wieder in die Hand, wendet sich an die hervorragendsten Rabbinen des Auslandes: Ettlinzer, Bamberger, Hirsch, Dr. Adler, Isidor u. a., und ging dieselben um Gutachten über die Congreßbeschlüsse an. Diese wurden auch ertheilt, und fielen, wie nicht anders zu erwarten war, übereinstimmend aus, indem sie jene als gegen das Religionsgesetz und gegen die Gewissensfreiheit verstoßend, verurtheilen. Hierdurch entspannen sich die heißesten Federkriege zwischen dem M. Zd., Organe der Orthodoxie, und dem Isr. Közl., Panegyriker und Dienstmann der Congreßmajorität. Den Character dieser Controversen kann sich Jeder uach dem grellen Gegensätze des Standpunktes denken, eine derselben ist viel zu lebhaft und heiß geführt, wie auch für weitere Kreise zu interessant, als daß wir nicht darauf zurückkommen sollten. Gegenstand der sind 2 Briefe des „grand rab- Consitoire Central des Israelites de France“, Mr. Isidor, einer derselben gerichtet an den Vorstand des Sch. Had. Vereines, einer an den Director H. Deutsch, Redacteur des Izr. Közl. Ersterer wurde dereits in diesen Blättern besprochen. Derselbe ist ganz objectiv gehalten, und voll feiner Rücksicht gegen die Gegner. Und dem gegenüber brüsk wie echt ungarisch-congreßlich der zweite! — Herr Isidor behauptete darin, es sei Mißbrauch mit dem ersten ^Schreiben getrieben; und welcher? man hat es unverändert abgedruckt! Nun, ein grand radbia konnte sich wohl denken, daß man sich in einer Angelegenheit eines ganzen Landes, zumal bei einer von solcher Tragweite, kein Gutachten aus Parks nach Ungarn herholt, um es als schätzbares Material im Archiv zu vergraben. Ob dieses klein oder groß ist, ist gleich - gütig, Gutachten werden nicht gemessen, sondern gewogen, deren Gewicht aber nach der Klarheit und Bündigkeit bestimmt, an der eS das kleine in sehr anzuerkennender Weise durchaus nicht fehlen ließ. Die Dennunciation der Zudringlichkeit, die Entschuldigung mit dem Widerwillen nützt der Fahnenflucht aber Nichts, und wenn sie auch ein halb Dutzend mal, wie hier, wiederholt wird. Es gibt hier nur ein: Entweder — Oder. Ent weder der grand rabbia ist wirklich „der Ansicht, daß die Congreßstatuten Bestimmungen enthalten, welche die orthodoxe Partei kränken oder nicht; ist er es, so ist es seine ihm durch dm Einfluß seiner socialen Stellung auch für das A lsland erhöht vorgeschriebene Pflicht ohne erst Zudringlichkeiten abzuwarten, und ohne „Widerwillen" den „Gekränkten" wenigstens intellrctuell und moralisch, beizustehen; ist er es aber nicht, nun so hätte einem grand rabbia allerdings die Wahrheit stärker als „Telegramme auf Telegramme" sein müssen. Ob der grand rabbia die Absicht „dieser Leute" (sie!) thritt, oder nicht, ob er „von denselben Gssühlen durchdrungen" ist, oder nicht, ob er beispielsweise ein Seminar billigt oder verurtheilt, darauf kommt es nicht an, ja das älterirt die „Tragweite" des Gutachtens durchaus nicht. Eine Kränkung der orthodoxen Partei ist wahrlich schwerwiegend genug, um ein „kleines" Schriftstück von 6—8 Zeilen von einem grand rabbia zu provociren. Die Andeutung eines Verdachtes, einer Fälschung, Hinzufügung einiger Phrasen" (eine Selbstverurtheilung des Ausstellers!) und Aenderung jder Gedanken ist im Munde eines grand rabbia gelindesteus gesagt — höchst eigenthümlich und zwar um so mehr, als derselbe sich wohl denken könnte, daß Adressat diesen Brief zum AgitationSmittel und zur „Streitwrffe" benützen werde.' — Das Schreiben sollte kein Protest gegen den Fortschritt sein, der den Congreß belebt habe, und den der grand rabbia theile; wie aber verträgt sich Kränkung einer ganzen Partü mit dem „Fortschritte"? — daß dieses pater peccavi mit hochtönenden Freiheitsphrasen schließt, versteht sich wohl nicht objectiv, wohl aber bei einem grand rabbia von selbst. Nun trotz des Rückzuges des Herrn Isidor, trotz der halben und ganzen Gegnerschaft der verschiedenen Schattirungen der Congreßfreunde kommt der wahre Fortschritt doch zu seinem Rechte und entwickelt sich mit Rapidität. Die jämmerlichen Distrietsrepräsentanzen, wahrhafte Carricaturen von Vertretung, überall aus den winzigsten Minoritäten hervorgegangen, ja oft nicht einmal durch ein;\jo Wähler, was schon viel war, sondern einstimmig durch sich selbst gewählt, — sie verfallen der wohlverdienten Lächerlichkeit und jCritik der Geschichte. Wohl octroyiren sie der weit überwiegenden Majorität ihre Beschlüsse, der Minister gibt sich zum Handlanger für ihre Ukase her, die Ruine der Commission des entschlafenen Congresses verfügt über den jüdischen Landesschulfond comme ilfaufc — das nützt aber alles nichts gegen die Macht, welche stärker ist, als alle diese und andere Autokraten, gegen die öffentliche Meinung. Schon sehr lange vollzieht sich in derselben ein sehr günstiger Umschwung, viele Stimmen, sogar in den politischen Tagesblättern, geben davon Zengniß; ich lege Ihnen aus dem „neuen Fr. Bl." einen Artikel für Viele hier bei. Derselbe lautet: „Unser geehrter Freund Johann Ludvigh, den — zu unserem tiefsten Bedauern — Privatverhälti