Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1870-03-02 · Heft 9 (2.3.1870) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 9 (2.3.1870)
Date
1870-03-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447447-2447457--08073-2463704
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

162 es darum auch nicht fehlen lassen, gegen ihn den Kreuzzug zu predigen, aber wir fürchten sie nicht; wer für müDi mm eintritt, hat viel, sehr viel voraus: Die vollgiltige Wahrheit. So sehr unser Herr Rabb. auch nach Innen thätig ist, hat er dennoch auch nach Außen hin seine wachsamen Blicke gerichtet. Seit einigen Wochen beschäftigt Ml der Gedanke, einen Verein für die Armen im rityppn p« zu gründen, der besonders Mittel herbeischaffe, für unbemittelte wvin'i ''Bur, '-i'vdn ge- Wde Wohnungen bauen zu können. Die geehrten Leser dieser geschätzten Blätter wissen, was Dr. H. schön seit Jahren in dieser Beziehung im Vereine mit Anderen geleistet, wie es ihm auch schon gelungen, Mftnd und bessernd für die Darbenden einzutreten. Wir hören, daß man Herrn vr. H. recht bereitwillig «Mgenkommt. Wir wünschen sehr, daß es gelingen Möge, dauernd für Jerusalem wirken zu können; denn es muß noch sehr viel geschehen, bis nur normale Zustände dort geschaffen sind. Welch' ein großartig B'iDn die Edlen dadurch üben, davon hat man kaum einen Begriff. Aber noch ein Moment tritt hier hinzu! Jerusalem, die ehemalige und einstige Pertstche ZionSstadt, ist diesen kein Gebilde schwär- «ierischer Phantasie; nicht nur ist ein Schärffein, gerecht den Armen Jerusaleyr's, ein Zeichen zartsinniger Sit, sondern auch ein Beweis, daß der Erlösüngsnke noch frisch und stark , in uns lebt. Mag m Geiger in seinem salbungsvollen Pfaffenton ßüch sagen: „Europa, Berlin ist unser Jerusalem," S bleibt es das, was die Propheten über es pro- $ , Soll ich noch von den Dienstagsvorlesungen erzahlen? Der alte Zunz hat sie eröffnet und einen altersschwachen Extract aus seinem Buche:s„Die synagögale Poesie der Juden", gegeben. Wer aber den jüdischen Geist in dieser Vorlesung wollte suchen, „der nrnnte lange suchen und thät nichts finden und würd' tzp auch tausend Laternm anzünden." vr. Cohn las Äer den Monotheismus, den er dem Judenthum fast ganz abspräch. Steinthal-- — doch wozu ndch mehr? Wir schweigen, weil Schweigen hier be- Whter ist. Schade, daß dieser Herren Weisheit nicht neu, und ihr Neues nicht Mise ist. ^Zum Schluffe reihe ich noch eine Anerkennungs- Messe an, die eine Anzahl jüd. Studirender dem Herrn Weminarlehrer Ludwig Stern in ÄZürzburg sandten, fsir sein echt mannhaft jüdisches Auftreten in der Delegirtew-Versammlung in Stuttgart; sie lautet: „Hochgeehrter Herr! Wenn die Unterzeichneten dem Drange ihres HerzKnS einen Ausdruck zu geben versuchen, so bitten dieselben Sie dringend, diesen Schritt nicht verübeln zst wollen. Wir wissen, daß Ihr edles Gemüth einer öffentlichen Kundgebung darum abgeneigt ist, weil Sie das, was Sie mannhaft und ausdauernd vertreten, nur als eine jüdische Pflicht erkannt und als solche aufgefaßt wissen wollen. So sehr wir auch Ihr Motiv zu würdigen verstehen, so können, dürfen wir eS unS doch nicht versagen, Ihnen für Ihr übedzeugmtg-- treues, entschiedenes Auftreten in der Delegirtenversammlung in Stuttgart den tiefgefühltesten Dank derer auszusprechen, deren Inneres Sie erwärmt, deren Herzen Sie begeistert und deren Muth Sie entflammt haben. Sie haben laut im Angesichte der Welt die Lüge an den Pranger gestellt und der Wahrheit ohne Scheu die Ehre gegeben. Sie haben mit Ihren Gesinnungsgenossen, von denen wir besonders Herrn Rabb. Berlinger hervorheben, sich den Dank nicht nur der orthodoxen Jehudim Württembergs in reichstem Maße erworben, sondern mit vollem Rechte den des ganzen orthodoxen Judenthums. Sie begreifen, wie das jungen, für daS heilige Gesetz glühenden Herzen ein Sporn sein muß, es nachzuthun den Männern, die so felsenfest dastehen im Kampfe für Wahrheit und Recht." In ausgezeichneter Hochachtung rc. (Folgen die Unterschriften.) Hamburg Das Project der Gründung einer „Hochschule für jüdische Wissenschaft" in Berlin ist von der jüdischen Presse eingehend besprochen worden. Das neugeschaffene Organ der Mittelpartei (vgl. JSr. Wochenschrift Nr. 7) greift in seiner letzten Nummer die Gelegenheit vom Zaun das Breslauer Seminar heraüszustreichen, welches in Anbetracht der Wissenschaftlichkeit und Befähigung seiner Lehrer, sowie in Anbetracht der erzielten Resultate, die durch viele von demselben ausgestellte Rabbinen dokumentirt seien, eine neue Rabbinerschule unnöthig erscheinen lasse. Das Alles sollte nur en passant erwähnt werden, weil der Verfasser jenes Artikels keine Veranlassung (???) zu haben vorgibt, als Anwalt des Breslauer Seminars aufzutreten, was ihn jedoch nicht abhält, fast zwei Seiten mit der Besprechung der Vorzüge desselben anzufüllen. Wir erlauben uns Herrn vr. Treuenfels zuzurufen: 31 tacuisses, philosophus man- 813868! Was die gesetzestreuen Juden von der Breslauer Rabbinerschule zu erwarten haben, ist schon oft, aber noch lange nicht oft genug wiederholt worden. ES sei fern von uns an der Gelehrsamkeit der Lehrer auch nur den leisestenZweifel zu hegen. Um seinen Beruf als Lehrer würdig erfüllen zu können, dazu gehört jedoch mehr als dies, es gehört vor allen Dingen dazu festje innere Ueberzung von der Wahrheit dessen, was man seine Schüler lehrt. Ohne diese Vorbedingung kann von einem guten Unterrichte gar nicht die Rede sein; es würden dann nur Heuchler herangebildet werden, die nach dem Vorbilde ihres MeistKs anders denken, als sie sprechen. Und das ist'bekanntlich besonders bei einem Rabbiner sehr vom Uebel, waS

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.