Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1870)
- Date
- 1870-03-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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160 Lreit, Gorotman darstellt, die Wohnung der Seligen, in welchem die Früchte und Blumen aus Gold und Diamanten gewebt sind, wenn ich mir dieses Meisterwerk der Kunst und des Fleißes, im Werthe gleich ganzen Königreichen, wählte, würdest Du auch diesen Wunsch mir gewähren, mein König?" „„Ich nehme mein Dir gegebenes Wort nicht zurück."" „So schwöre es mir, o König, bei der Brücke Tschinewad, die zum Himmel des Ormuzd führt." „„Ich schwöre es bei der Brücke Tschinewad, über welche die Ferwers in den Himmel des Ormuzd steigen. Jetzt aber nenne mir das Kleinod Deiner Wahl."" „König der Könige, das Kleinod, das ich wähle, ist kostbarer und werthvoller als der Teppich, auf den Du so stolz bist, es ist werthvoller als Dein glanzvoller Palast, als Deine schöne neue Königsstadt, ja als Dein ganzes Reich; es ist Deine Sclavin Scherihn, die Du im Kriege gefangen und hierhergesandt hast. Unvergleichlich ist ihre Schönheit; ihr Auge gleicht dem Strahle der Sonne, ihr Lächeln dem mildm Scheine des Mondes." Der König lächelte und sprach: „Ich habe der Frauen und Sclavinnen genug; möge Scherihn Dich beglücken,'Du kunstreicher Ferhab!" Und er befahl, daß die Gefangene hereingeführt und dem Künstler übergeben werde. Als aber Scherihn vor dem Könige erschien, da ward er geblendet von ihrer Schönheit; nur sie allein schien ihm würdig, eines Königs Gattin zu sein, und es reute ihn der Schwur, den er dem Ferhad geschworen. Ferhad eilte der Geliebten entgegen, um ihre Hand zu erfassen. Da rief der König: „Noch nicht, Ferhad, noch nicht! Erst mußt Du die Arbeiten vollenden, die Du begonnen hast, erst, muß der Fluß, der meine Hauptstadt mit Wasser versorgen soll, von der andern Seite der Felswand herübergeführt werden." Und Ferhad arbeitete Tag und Nacht, um sich die schöne Scherihn zu erringen. Aber der König entbrannte in heißer Liebe für Scherihn, und alle seine Schätze, seine Macht, seine Reichthümer, seine Siege schienen ihm werthlos, wenn er Scherihn missen sollte; und er sann darüber nach, wie er Scherihn für sich gewinnen könne, ohne den furchtbaren Schwur zu brechen, den er dem kunstreichen Erbauer seiner Hauptstadt geschworen. Da ging der König eines Tages hinaus an die Felswand im Osten der Stadt, um zu sehen, wie die Arbeiten Ferhads zur Herüberleitung des Flusses voranschritten. Auf der Spitze des Felsens stand der kunstreiche Meister, das Sprachrohr am Munde und so das Heer der Arbeiter leitend. v Als der König ihn erblickte, da er auf der Spitze des Felsens stand, wo kaum Raum war zum Stehen, vor ihm und hinter ihm der furchtbare Abgrund, da durchzuckte den König ein teuflischer Gedanke, dem er sofort die schändliche That folgen ließ. „Armer Ferhad," rief er, „Du mühst Dich vergebens; vor einer Stunde ist die schöne Scherihn plötzlich gestorben!" Kaum schlugen diese furchtbaren Worte an Ferhads Ohr, da ward es dunkel vor seinen Augen und mit einem herzzerreißenden Schreie stürzte er in die Tiefe. Wäbrend man den verstümmelten Leichnam des großen Künstlers bestattete, zog Scherihn als Königin ein in den herrlichen Palast, den ihr unglücklicher Geliebter erbaut hatte. An all diese Vorgänge, welche Bostanai und Achai oft genug hatten erzählen hören, erinnerten sie sich, als sie die Prachtbauten des unglücklichen Ferhad bewunderten. Am Hofe dieses treulosen, wortbrüchigen Königs sollte Bostanai von nun an leben! „Zage nicht," sagte Achai zu seinem Freunde, „der Allmächtige, der da gewesen Deines Vaters David Schild und Schwert, der Dich auf so wunderbare Weise erhalten und gerettet hat, Er wird Dich auch ferner behüten und vor jeder Gefahr schützen." Achai hatte einen Verwandten in Destagerd. Abun, der Oberste der Marställe des Königs, hatte Recha, die Schwester von Achats verstorbener Mutter, geheirathet. Im Hause Abun's sollten die Jünglinge wohnen, bis für Bostanai ein eigenes Haus würde eingerichtet sein. Als der Wagen vor dem prachtvollen Hause Abun's hielt, da eilte dieser heraus, um die Gäste zu bewillkommnen. Ihm folgte sein Weib und die einzige Tochter der Beiden, Sara. „Seid mir gegrüßt," rief Abun, „Ihr theuren Gäste, sei Du vor Allen willkommen, Prinz Bostanai, Du Hoffnung Israels! sei willkommen in meinem Hause, das hochgeehrt sein wird durch die Anwesenheit des Sohnes David's." Recha umarmte weinend den Sohn ihrer verstorbenen Schwester; dann führte man die Jünglinge in das Haus und bewirthete sie aufs Liebreichste. (Forts, folgt.) Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Ronx'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellprefsendruck von I. Gott«leben in Mainz.