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Der Israelit · 1870-03-02 · Heft 9 (2.3.1870) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 9 (2.3.1870)
Date
1870-03-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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154 Hätte Pinchas erst sich berathen, d. h. wäre er dem Urtheile des Verstandes gefolgt, hätte er verständig gehandelt, so würde er nie den Simri erschlagen, nie für Gott geeifert und nie die erhabene Stufe erstiegen haben, auf die ihn seine begeisterte That gehoben. Wenn der Verstand uns schon in Bezug auf die Ethik in Stich läßt, um wievielmehr in Bezug aus die Metaphysik, in Bezug auf solche Dinge, von denen er nichts weiß, nichts wissen kann. Es gibt aber noch eine höhere Seelenkrast als den Verstand; das ist die Vernunft, nicht die Vernunft des einzelnen Menschen, sondern die allgemeine, oder doch die Einzelvernunft, die sich zum Allgemeinen emporzuheben versteht. Das Allgemeine, das ist Gott, in dem die ganze Welt. üb'iy bw lDlpD «IHK' ’JBD Dipo 1DBT *OpJ .Ivb. Gott heißt Makom (Ort), weil Er ist der Ort der Welt, weil die ganze Welt in Ihm ist; und die Thora, das ist die allgemeine Vernunft, die Gesammtvernunft, die geistige Welt. Wenn nun unsere Voreltern gesagt hätten: „wir wollen erst verstehen und dann thun" — hätten sie da nicht die Gesammtvernunft von ihrer EinzelvernUnft abhängig gemacht? Nein, unsere Väter wußten wohl, was sie sagten. Nicht leichtstnnig, nicht unüberlegt lief ihr Mund dem Ohre voraus, sondern sie hatten ganz richtig erkannt, daß der göttlichen Weisheit gegenüber der Gehorsam das Erste und das Derständniß erst das Zweite ist. Das yotwi nspyj ist noch heute die Grundlage der jüdischen Wissenschaft und wird es für alle Zeiten bleiben. „Aber," wird da der Leser einwenden, „demnach wäre ja die jüdische Wissenschaft nichts als Gedächtnißsache, keine freie, tiefe, herzerhebende und geistbefreiende Forschung!" O, sorge nicht, lieber Leser, die jüdische Wissenschaft bleibt trotz der Grenzen, die ihr gezogen, groß und weit, frei und herrlich. Im Gegentheile, in der angegebenen Weise erst macht sie wahrhaft frei und schützt vor Irrthum. Unsere Weisen haben auch in Bezug auf das eben Ausgesprochene ein wundervolles Bild. Am hohen Lied wird Israel einem Apfelbaume verglichen. Im Midrasch dazu sagen die Weisen: Wie dieser Apfelbaum erst die Blüthe, die künftige Frucht, und dann das Blatt hervorbringt, also hat Israel das Thun Tveyi, dem Verstehen yoiffj vorhergeschickt. Siehe, lieber Leser, es wird bald Frühling werden; da gehe hinaus ins Freie und sieh' dir die Bäume an. Sie belauben sich mit ihrem grünen Schmucke und nachher tritt die weiße Blüthe hervor. Nicht also der Apfelbaum; noch sind die Zweige kahl, aber schon zeigt sich die rosenrothe, liebliche Blüthe, die künftige sastvolle Frucht. Siehe, lieber Leser, das ist auch der Unterschied zwischen uns und unfern Gegnern. Diese wollen Blätter, die im Winde rauschen, die Lärm machen in der Welt; wir aber wollen vor Allem Blüthe, Frucht. Die Blätter werden vom Winde verweht und verdorren, aber die süße Frucht wird sorgfältig eingeheimst und spendet Leben. Und wwö die Freiheit betrifft? Nur der ist wahrhaft frei, der sich vor Allem dem Gesetze unterwirft; denn ohne Gesetz gibt es keine Freiheit, nur Willkür, Anarchie, der Uebel schrecklichstes, n"« romPn by nnn miro pöw nPn jmn p nnn ubt* nnn. Aber nicht allein, daß das Wissen von den Prämissen aus, die wir gegeben, wahrhaft fruchtbringend ist, es ist auch das einzig Förderliche. Nur Derjenige, welcher nv^b mina pD)y ist, wer sich mit der Thora als einer Gottgebenen in der Absicht beschäftigt, uyl ihre Gebote zu erfüllen, wird Großes in ihr und durch sie leisten können. 'i3i n:nn nna-6 nan nowb n-nna pDiyn bi .naanon -pyoa ntpyji ,-nin »n i> p^aoi Nur einem Solchen werden offenbar der Thora Geheimnisse und er wird sich entwickeln gleich einer Quelle, die in ihrem Laufe stets größer, mächtiger wird. Der Kern und der Mittelpunkt der jüdischen Wissenschaft ist die Halachah, die Lehre des Gesetzes, die Regel, nach der sich mich im praktischen Leben zu richten habe. Freilich ist es guf, auch die andern Zweige des großen Lebensbaumes zu kennen, die Sprache der Bibel, der Mischnah, des Talmuds, der Targumim mb des Sohar genau zu erkennen und die Idiome, die damit Zusammenhängen, freilich ist es nothwendig, in der jüdischen Geschichte Bescheid zu wissen, nicht nur den Inhalt unserer Literaturschätze, sondern auch die Literaturgeschichte zu kennen, freilich muß ein jüdischer Gelehrter die großen Werke unserer Religionsphilosophen studirt haben; auch das Studium der Mathematik, der Astronomie, der Naturwissenschaften, der klassischen und orientalischen Sprachen ist sehr nützlich und für die Erkenntniß fruchtbringend wie alle Gebiete des menschlichen Wissens — allein der Stamm mit der Wurzel der Wissenschaft des Judentums, das ist die Halacha und ihre richtig: Eruirung, wie sie aus dem Talmud, den Interpreten desselben und den Codices hervorgeht; maupni D’pDisi d"p sind die eigentliche Wissenschaft des Judenthums, und der Zweck des Studiums ist die mna nabn, die klar entwickelte Gesehesvorschrift. nDbn b& n?DN ‘i nPn lD^iya na"prt> )b p«!

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