Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1870)
- Date
- 1870-03-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XI. Jahrgang. Der Israelit. Ein Kenlral - Organ für das orthodore Iudenthum. Herausgegeben von Di». Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 2. März 5630 (187 0). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. pr. C. oder fl. 6. 15 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate Vfe Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Direkte Francozusendung unter Streifband pro. Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Anhalt: Leitender Artikel: Die Wissenschaft des Judenthums. — Der Ungarisch - Israel. Congreß vor dem Forrtm des Reichstages. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Aus Bayern. Bonn. — Rußland: Warschau. Warschau. Feuilleton Bostanai. Anhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Abterode. Berlin. Berlin. Hamburg. — Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. N- Atad. Aus Oberungarn. — Frankreich: Paris. Paris. Paris. — Scheden: Stockholm. Leitende Artikel. Are Wissenschaft des Iudenthums. in. Mainz, 24. Februar. Im vorigen Kapitel haben wir nachgewiesen, daß die Thora eine durchaus göttliche und von Gott unmittelbar dem Wortlaute nach (n:nn nr) offenbart ist. Wir wollen nunmehr das Verhalten der menschlichen Vernunft in Bezug auf die Gebote unseres Gottes in Bettachtung ziehen. Als Moscheh den Israeliten die Lehre Gottes zur Annahme vorlegte, da antworteten diese (2. B. M. 24, 7.) j/qbw nw 't -on -wk bo. „Alles, waS Gott geredet hat, wollen wir thun und verstehen." (Wir haben das Wort ynm nach der Analogie von Könige 1. 3, yoitp nrui „und Du hast gegeben Deinem Knecht ein verständiges Herz" übersetzt.) Schon im Talmud (Tractat Sabbat) spottet ein heidnischer Gelehrter über die leichtsinnigen, voreiligen Juden, deren Mund dem Ohre voranläuft. „Ihr hättet," fegt er, „erst hören und dann verstehen und das Thun erst nach erfolgter Billigung versprechen sollen." So urtheilte jener Heide, so urtheilen viele Nichtjuden und abtrünnige Juden noch heute. Die eigene beschränkte Vernunft ist ihnen die höchste Richterin. Besteht das Gottesgebot vor dem „gesunden Menschenverstand" — gut, wo nicht, so fühlt man sich zum Thun nicht verpflichtet. Ja, der „gesunde Menschenverstand!" Er ist ein guter Leiter und Führer bei den gewöhnlichen Vorkommnissen des Lebens; aber schon in der Ethik, in der Sittlichkeilslehre läßt er den Menschen in Stich; wer ihn da zum Führer nimmt, wird nie einen reinen, erhabenen Standpunkt gewinnen. Da die Thättgkeit des Verstandes ein Zersetzen und Auseinanderhalten ist, so wird sein Urtheil immer ein einseitiges, vor der reinen Sittlichkeitslehre nicht bestehendes sein. Alle Werke der Begeisterung, der Aufopferung, der Hingebung, von denen uns die Geschichte erzählt und die wir bewundern, sind nicht nach Anordnung des gesunden Menschenverstandes vollbracht worden, sondern gegen seinen Rath und ihm zum Trotz. Sehr schön bemerken dies unsere Weisen, indem sie sagen: