Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1870)
- Date
- 1870-02-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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mit aller Ruhe: Ja, das ist der Hauser." Trotzdem viele Verdachtsgründe gegen ihn Vorlagen, daß nur er das Verbrechen verübt haben mußte, konnte man ihn lange nicht zum Geständnisse bewegen; erst Samstag Mittags gelang es dem Untersuchungsrichter, daß Lukesch das von ihm begangene Verbrechen mit allen Nebenumständen bekannte. Er habe seinem Opfer zuerst einen gewaltigen Hieb von rückwärts mit einer Hacke auf den Kopf versetzt und demselben dann, nachdem es bereits bewußtlos zusammengestürzt war, noch mehrere Stiche mit einem Taschenmesser in den Leib beigebracht, damit der Tod bald eintrete. Obwohl der Mörder behauptet', daß er die That allein ausgesührt, vermuthet man dennoch, daß er Genossen gehabt haben mußte, da viele verschiedene Fußstapfen vom Thatorte bis zur nahen Bahnstation laufen. Das Leichenbegängniß des Ermordeten fand Sonntag Vormittags unter großer Theilnahme und dem Zulaufe der Bevölkerung nach dem israelitischen Friedhofe in Kostl statt. Für die Hinterbliebenen wurde eine Sammlung veranstaltet, die einen Betrag von 104 fl. ergab. Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Rakwitz hat übrigens an dieselbe das Ansuchen gestellt, man möge der verlassenen erblindeten Wittwe und ihren Kindern einen jährlichen Unterftützungsbeitrag gewähren, worauf auch eingegangen wurde. . In Schütt-Tomwerein errichteten sich die Herren Bürger ein Kasino, und es wurde jeder Nicht- Jude, der nur die kleine Einschreibgebühr entrichten konnte, als Mitglied in daffelbe ausgenommen. Einige Herren vom Coinltö waren so tolerant, daß sie den dortigen sehr geachteten israelitischen Handelsmann B. einluden, dem Kasino beizutreten. Letzterer, hier- -über nicht wenig erfreut, ließ sich auch zum Mitglied aufnehmen. Als aber die übrigen Herren dies erfuhren, ließen sie Herrn B. erklären, daß ihm das Betreten des Kasinos unter keiner Bedingung erlaubt sei. Ja, der Eigentümer des Lokales gab seinen Gesinnungen noch weiteren Raum, denn als in dem Kasino Alles versammelt war, stellte er sich auf den Tisch und erklärte, im Falle man ein jüdisches Mitglied ausnehmen werde, würde er sogleich das Local sperren. Hierauf bestieg noch der hochlöbliche Straßenmeister den Tisch, ließ auch eine „patriotische" Rede los und bemerkte, daß es wider seine Ehre wäre, als Mitglied einer Gesellschaft anzugehören, die auch einen Juden als solches aufnimmt. Hierauf ertönte ein stürmisches Elfen! Aus UnA Brood, 28. Januar, wird berichtet: „Seit einiger Zeit verlassen öder kündigen viele christliche Dienstboten, welche bei Israeliten im Dienste stehen, von einem hiesigen Kaplan verleitet, den Dienst. Genannter Geistlicher hält ihnen nämlich die Absolution vor, falls sie nicht versprechen, aus den jüdischen Diensten zu treten. Ebenso wurde eine hiesige Amme zum Austritte aus dem Dienste bei einer Israeliten-Familie durch Androhung des Verlustes des Seelenhelles veranlaßt. öKollefchiru. (Mähren.) Durch die Berufung des Herrn Rabbiner Or. Hildesheimer nach zBerlm zerstreuten sich dessen zahlreichen Schüler, die ihm nicht folgen konnten, nach verschiedenen Seiten. Durch diesen Umstand bildeten sich in Mähren mehrere Jeschiboth. So schickte Herr vr. Hildesheimer vor seiner Abreise von Eisenstadt ungefähr 20 omm auf Verlangen des Rabb. M. Pollak nach Holleschau, welche Gemeinde zu vielen Opfern bereit ist, die des Studiums Beflissenen nach Kräften zu unterstützen, und Herr Rabbiner Pollak läßt es sich angelegen sein, den Studirenden im weiten Meere des Talmuds den rechten Weg zu zeigen, sowie auch ihnen in der Erlernung profaner Wissenschaften helfend zur Seite zu stehen. Eine gleiche Anzahl Jünger gingen nach Weißkirchen (wo früher Herr Rabbiner Pollak fungirte) zu Herrn Rabb. vr. Deutsch, einem würdigen Schüler und Gesinnungsgenossen des Dr. Hildesheimer. In Ung.-Ostra (Mähren) wird hoffentlich ij/a bald eine ähnliche Anstalt für nonai min emporblühen. — Es wurde nämlich daselbst Herr Rabb. Aron I. Geiger aus Leipnik (früher in Schaffa) in letzter Zeit angeftellt. Die Zentaer Stadtrepräsentanz hat in ihrer am 22. Jan. ftattgehrbten Sitzung in gerechter Würdigung der Eingabe der Judengemeinde, die an dem Einkommen der Stadt theilzunehmen wünscht, dieser nicht nur eine im Verhältnis zur Einwohnerzahl ihr zukonunende 20procentige Q rote des reinen Einkommens votirt, sondern auch dafür eine angemessene Entschädigung geboten, daß die Judengemeinde jahrelang an den stävtischen Lasten participirte, ohne auch von der Stadt' etwas erhalten zu haben. Jäszbersrry, im Schebat. Der hiesige „Armenunterftützungs-Verein," der seit 4 Jahren besteht, erfreuet sich eines Immer größer» Aufschwunges und hat schon viel des Guten gewirkt. Ende December wurde der Rechenschafts-Bericht vom verflossenen Jahre"veröffentlicht; derselbe weist einen Ueberschuß von 1100 Fl. öftrrr. W. aus, wiewohl sehr viele Ausgaben zu machen waren der wöchentliche Beitrag eines jeden Mitgliedes nur 10 kr. ist und die Zahl der Mitglieder nur 45 ausmacht. Es wurden einstimmig Herr Jacob Schöly zum 1. Präses, Ignatz Böhm, 2. Präses, Kalm. Lettner zum Cassirer gewählt. AronBüchler, Bezirkö-Rabb. Wie man aus Boskowttz meldet, hatte die Jsraelitengemeinde den Minister Giskra zum Ehren-