Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1870)
- Date
- 1870-02-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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ayrganZ^ Beilage zu Nr. 8 des Israelit — Aeitrrugsrrachrichten nnd Correspondenzen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Es gereicht den Damen der hiesigen jüdischen Finanzwelt zur Ehre, daß sie keine Geldnnd Zeitopfer scheuen, um die- Kleinkinder-Bewahranstalt in der Schiffgasse zu einem wahren Asyl für die Kinder der armen jüdischen Bevölkerung in der Leopoldstadt zu gestalten. Zn der Thal ist ihnen dies auch gelungen, indem über 200 Kinder in dieser Musteranstalt geistige und körperliche Pflege erhalten und .vortrefflich gedeihen. Wie alljährlich am Geburtstage der Kaiserin-Mutter, wurden die Kleinen mit warmen Winterkleidern und Spielzeugen reichlich beschenkt. Ehe diese Vertheilung jedoch vorgenommen wurde, Ist de» Kleinen Veranlassung geboten worden, das, was Mr Entwickelung ihrer geistigen und körperlichen Fähigsten geleistet wird, in befriedigender Weise zu ver- .«Hchaulichen. Die Eltern der Kinder hatten sich zahlreich eingefunden.! Wien. Der Vorstand der öffentlichen israelitischen Volks- und Vereins-Hauptschule Talmud-Thora (erste israelitische Armenschule) veröffentlicht den Jahresbericht für das Schuljahr 1868/69, woraus wir hervorheben, daß an dieser Schule 258 Schüler in allen Normalfächern und der Religion, wovon 152 »«entgeltlich, Unterricht genossen und Letzteren die Armenbücher durch die n. ö. Statthalterei abgegeben wurden. Die Ausgaben für die Schule beziffern sich mit 7248 ff. 45 kr., welche durch Jahresbeiträge, Spenden und Iheils durch Schulgelder, 1142 fl., eingekracht wurden. Die angeregte Idee, auch für Normalklasfen, eine Schülerbibliothek anzulegen, ist eine sehr glückliche, nur muß diese Schule an die Mildthätigkeit appelliren, da ihr die Mittel fehlen, Bücher zu kaufen. PeKH. Eine gräuliche That wurde am 30. v. M. in Balaton-Fö-Narjar verübt. Zu dem dortigen israelitischen Schankwirth kam ein Verwandter desselben, der Schneidermeister Wilh. Alstädter, ein bekanntes böses Subject. Der Schankwirth war nicht daheim, sondern nur seine Frau mit einem kleinem Kinde und der Magd. Sie gab, nichts Böses ahnend, dem Verwandten ihres Mannes ein Nachtquartier, bald darauf jedoch überfiel er, mit einem Messer in der Hand, die Frau und verlangte Geld von ihr. Sie übergab ihm die Schlüssel, der Schurke aber, befürchtend, sie könnte ihn verrathen, stürzte über sie her, und versetzte ihr rasch hintereinander 26 Messerstiche. Die Magd wollte sich durch das Fenster flüchten, da warf sich der Räuber auf sie, und brachte ihr gleichfalls 6 Stiche bei, von denen jedoch keiner tödtlich war, und während der Räuber nun auch über das Kind herfiel und ihm zwei Stiche versetzte, entsprang sie und schrie Feuer. Auf das hin ergriff der Schneider, im Hemd, blutig, ohne Kopfbedeckung, wie er war, die Flucht, ohne daß man ihn aufhalten konnte. Zn Le'pcssny klopfte er bei Verwandten an und erzählte ihnen, daß er von Räubern überfallen worden sei. Sie gaben ihm Kleider und Geld, und er fuhr mit der Eisenbahn nach Stuhlweißenburg. Am 3. d. übernachtete er bei seiner Frau in Palota und wurde dann wieder flüchtig, bis er endlich in Tapolcsa erwischt und festgenommen wurde. Krakau. Bisher stand die Verwaltung jder jüdischen Gemeinde unter dem Magistrat, der auch einige jüdische Vorstandsmitglieder beizog. Seit der neuen Verfassung wurde von Seiten der Regierung die Autonomie der Gemeinde ausgesprochen und die Verwaltung ihrer Angelegenheiten der Gemeinde selbst übertragen. Vor Kurzem fand nun eine neue Vorstandswahl statt. Es läßt sich daher leicht denken, daß von beiden Parteien, den Orthodoxen und Reformern, wesch letztere übrigens hier in großer Minorität sind, große Anstrengungen gemacht wurden, Männer ihrer Gesinnung durchzusetzen. Das Ergebniß der Wahl war jedoch ein glänzender Sieg für die Orthodoxen. Unter den 30 Gewählten, von denen 6 Vorsteher und 24 Beiräthe sind, befinden sich nur zwei Männer, die der Reform huldigen. (Hamagid.) Kosttl. Am 4. d. wurde nächst Kostl an dem Haustrer Löbl Hauser ein Raubmord verübt, über den man von dort folgende genaue Details erfährt: Freitag den 4. d. kam der des Mordes verdächtige Taglöhner Zohann Lukesch ganz aufgeregt nach Hause, gab seiner Frau 70 kr. und seinem kleinen Kinde eine Semmel, welche er dem Ermordeten geraubt hatte. Diese Freigebigkeit fiel der Frau, die das nicht gewohnt war, auf und sie erzählte dies einer Nachbarin. Am selben Tage noch kam eine behördliche Kommission in die Wohnung des Mörders und erklärte Letzteren als verhaftet. Anfangs weigerte er sich mitzugehen, doch als man Miene machte, ihn zu binden, folgte er willig. Auf Veranlassung der Kommission fand kurz darauf eine Besichtigung der Leiche durch den Mörder statt, und auf die Frage des Kommissärs, ob er dieselbe kenne, erwiederte Lukesch