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Der Israelit · 1870-02-16 · Heft 7 (16.2.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 7 (16.2.1870)
Date
1870-02-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XI. Kahrgang. Beilage za Rr. 7 des Zsraelit. Zeitungsnachrichten und Correfpon- -enzerr. Deutschland. LH grant^rrl a« M., 28. Jan. Was man höchstens noch im Jahre 1770 für möglich gehalten, aber 1870 doch nicht mehr erwartet, kann der geneigte Leser in einem „Steckbrief" lesen, erlassen von der königlichen Staatsanwaltschaft zu Frankfurt am Main. Da heißt es im „Oeffentlichen Anzeiger zum Amtsblatte für den Stadtkreis Frankfurt a. M." Nr. 8 vom Donnerstag den 27. Jan. wörtlich: 119. (Steckbrief.) B. I.von W., Kaufmann, Jude, ca. 30 Jahr alt u. f. w. u. f. w.! Ferner: 120. (Steckbrief.) Gegen den I.M. von h. ist rc. Beschreibung: Gesichtsbildung: Mische Physiognomie (!) Das bedarf wirklich keines Commentars: Aber in den beiden andern „Steckbriefen" findet man keine Spur von der Angabe eines Glaubensbekenntnisses, und das ist Gleichheit? □ München, 28. Jan. Vergangene Woche verschied hier ein Mann, der es mit Recht verdient, daß man ihm nachsage, ranab pns; -dt, ein Mann von ebenso großem Wohlthätigkeitsals religiösem Sinne. Herr Siegm. Friedwann, Spiegelfabrikant hier, war noch einer der Männer, die Obiges in fich vereinigten. Besonders als Mitglied so vieler wohlthätiger Vereine hier, hat er segensreich gewirkt, und ist eS daher natürlich, daß so Viele diesen Verlust als einen großen beweinen. □ Augsburg, im Januar. Vorige Woche Nachmittags 4 Uhr ging der iörael. Handelsmann G.von Kriegshaber nach Steppach nach Hause, als er plötzlich von einem vorüberfahrenden Bauern derart mit der Peitsche geschlagen wurde, daß ihm das Blut über’s Gesicht strömte und der Getroffene in Gefahr war, ein Auge zu verlieren. Der Thäter begleitete seine Heldenthat mit den Worten: „Du S.-Jud" und fuhr davon. Characteristisch ist es, daß derselbe Bauer einen, um dieselbe Zeit vorübergehenden christlichen Schuhmacher ebenso mißhandelte, weil er glaubte, auch dieser sei ein Jude. — Für die Wahrheit dieser Thatsache wird garantirt. Man sieht übrigens daraus, daß die Volks- I boten-Lectüre überall Früchte trägt, und wahrlich, sie J können zufrieden sein, Volks boten-Zand er und Vaterland-Sigl mit diesen Früchten, die aus der blutigen Saat des Religionshasses hervorgehen. Wann wird man dem Treiben dieser Schandblätter ein Ende machen?! Berlin, den 7. Febr. Freitag den 4. d. M. verschied im hiesigen jüdischen Krankenhause der den meisten Lesern des „Israelit" gewiß bekannt gewesene Herr A. Salomon aus Tilsit, und vor wenigen Stunden haben wir diesen in der Blüthe der Mannesjahre dahingerafften Ehrenmann zur letzten Ruhestätre geleitet. Ihm ein Wort der Erinnerung in diesen Blättern zu weihen, ist nicht nur Berichterstattersondern auch eine Freundschaftspflicht. Und in der That, es war kein gewöhnliches Alltagsleben, das Salomon lebte! Von ihm konnte man in Wahrheit sagen: die geistige Arbeit seiner Lebenstage stand im Dienste der jüdischen Idee, der er Gut und Blut, Leben und Gesundheit, sein Alles und Westes willig und freudig aufvpferte. Jede jüdische Bestrebung, jede jüdische That fand einen eifrigen Freund und begeisterten Förderer an ihm, mtt einem Worte: Er war ein Jehudi in de« Wortes edelster Bedeutung, wie wir deren leider nur wenige mehr besitzen, ein Jehudi, dem Gottes Gebot und die heiligen Satzungen de« Judenthums über Alles gingen, der festhielt bej der Schaar der Gesetzestteuen, der aber ttotzdem einen seltenen Schatz von moderner Bildung in sich ausgenommen und mtt seiner jüdischen Lebensanschauung harmonisch verbunden hatte. Mit jedem solchem Manne, den die stille Gruft in sich aufnimmt, geht ein ganzes Stück Mischer Geschichte mit in’« kühle Grab! denn die Schätze von Tugenden, die Reichthümer des Geistes und der gereiften Weltanschauung, vor allem die wahre, ungeheuchelte, echte Frömmigkeit, die solche Männer ausüben im Leben, diese Vorzüge wird die Sonne der Neuzeit kaum mehr heranreifen sehen. Und darum sei dem Andenken Salomon’s eine Zähre stiller Erinnerung und ein Plätzchen ehrenden Andenkens geweiht! Er hat gelebt und gestrebt, gekämpft und gerungen sein Leben lang mtt Widerwärtigkeiten und Leiden; nun er ausgerungen und hinübergezogen ist in die lichten Wohnungen des Jenseits, wird ihm auch der schöne Lohn aller Derer zu Theil werden, die Recht und Tugend geübt, die Menschenwohl und Menschenheil gefördert auf Erden — Ewige Ruhe und ewigen Frieden im Reiche ewiger Glückseligkeit! KarpeleS.

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