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Der Israelit · 1870-02-16 · Heft 7 (16.2.1870) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 7 (16.2.1870)
Date
1870-02-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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120 dachte daran, sich wieder zu vermählen. Jaletha, die erst neunzehn Jahre zählte und von wunderbarer Schönheit war, machte einen außerordentlich großen Eindruck auf ihn; doch wagte er nicht, seine Augen zu der Fürstin Israels zu erheben. Da sprach eines Tages Rabbi Kaphnai zu Benjamin: „Ick bin alt und schwach und weiß nickt, wie lange ich lebe. Ruhig sehe ich dem Tag entgegen, an welchem mich Gott zu meinen Vätern versammeln wird. Aber Eines macht mir Sorge, daß ich dann meine Tochter und ihren Sohn schutzlos zurücklossen muß. Jaletha zählt erst neunzehn Jahre. Warum soll sie ihr Leben als Wittwe vertrauern? O, wenn ich einen Mann wie Du bist, Benjamin, für meine Tochter, einen Vater, wie Du einer sein würdest, für meinen Enkel finden könnte — ich würde ruhig ster ben. Was meinst Du, Benjamin, soll ich bei Jaletha für Dich werben? „Rabbi," entgegnete Benjamin, „Du würdest mich unaussprechlich glücklich machen. Schon lange hege ich diesen Wunsch; allein ich wagte nicht, ihn auszusprechen. Ich würde mein ganzes Leben dem Glücke Deiner Tochter und dem Wöhle Deines Enkels weihen l" Der Gaon suchte seine Tochter auf und fand sie im Garten sitzend, während der kleine Bostanai zu ihren Füße spielte. „Meine Tochter," sprach er, „wenn Gott mich zu sick rufen sollte, so würde ich Dich und Dein Kind schutzlos zurücklassen!" „Sprich nicht also, mein Vater! Nachdem ick schon so viel gelitten, wird Gott nicht meinen letzten Schützer und Berather von meiner Seite reißen!" ,,„O, meine Tochter, wer durchdringet Gottes unerforschliche Ratbschlüsse? Ich möchte gern einen Beschützer Dir an die Seite geben, der jung und kräftig über Dein und Deines Kindes Wohl wacht. Du zählst erst neunzehn Jahre — ich wünsche, daß Du wieder heirathest."" „Niemals, mein Vater! Nie werde ich den Gatten meiner Jugend, den edlen Hunna, vergessen!" „„Ich ehre das liebevolle Andenken, das Du dem Todten bewahrst; allein Gott hat in Seiner Gnade verhängt, daß vergessen wird, was das Grab bedeckt, damit der Mensch nicht sein ganzes Leben hindurch über das Verlorene trauere. Siehe, da ist Benjamin aus Liberias, ein großer Gelehrter, ein tapferer Held, ein braver, frommer Mann und überdies der Retter Deines Lebens und des Lebens Deines Kindes; Benjamin liebt Dich; er wird Dir ein treuer Gatte, Deinem Kinde ein liebevoller Vatw, Euch Beiden ein starker Beschützer sein."" Während Vater und Tochter sich also mit einander besprachen, hatte der kleine Bostanai unbeachtet im Grase gespielt. Jetzt lief er herbei, in seinem Händchen eine kleine, aber giftige, buntschillernde Schlange haltend. Das Kind hatte sie am Halse gepackt, so daß das Thier den giftgesäwollenen Kopf nicht regen konnte. Rasch packre Kaphnai des Kindeö Hand und der Schlange Hals zugleich, hielt dann den Kopf des Tbieres zur Erde und zertrat ihn. In furchtbarer Angst hatte Jaletha zugeschaut. Jetzt ergriff sie ihr Kind, hob es zu sich empor und bedeckte sein Gesicht lautweinend mit ihren Küssen. Dann warf e sich, das Kind auf den Armen haltend, in die Knie und dankte lautlos dem Allmächtigen. „Vater," sagte sie, als sie sich wieder erhoben hatte, „Du bangstund zagst um die Zukunft? Konnte der stärkste und treueste Mann mein Kind vor dem tödtlichen Bisse der Schlange schützen? Nein, mein Vater, ich will keinen Gatten, ich will nur meinem Kinde leben. Mein Kind bedarf keines Beschützers! Sein Schutz ist der allmächtige Gott, der es lehrte, die Schlange am Halse zu packen, als das giftige Gewürm tödten wollte den einzigen Davidsenkel. Seinem Schutze vertraue ich für mich und mein Kind. Sagtest Du nicht selbst, daß in Bostanai die Hoffnung Jsrae'S lebt? Wohlan, so will ich einzig dieser Hoffnung mein Herz weihen, und die Liebe zu meinem Kinde soll mein einziges Lebensglück ausmachen; nie will ich wieder einen Gatten lieben, nie soll Bostanai daS Mutterherz mit andern Kindern th ilen." Noch an demselbe Tage verließ Benjamin Mechusa, um nach Liberias zurückzukehren." (Fortsetzung folgt.) Briefkasten der Redaction. Herrn —r in Fürth: Ein junger Mann, S. H., Sohn eines frommen, braven Vaters, schreibt im Aufträge und im Smne des Letzteren Artikel für den „Israelit"; da aber das Privatleben des jungen Mannes mit der Tendenz unseres Blattes im Widerspruche steht, so sehen die Fürther Freunde des ,.Israelit", darin einen Chillul Haschem und veranlassen die Redaction, dem erwähnten jungen Manne die Spalten des „Israelit" zu verschließen. Herr S. H., der nun einmal Geschmack an der Schriftstellerei gewonnen, schreibt darauf für das Ph.'sche Blatt, und schimpft, um sich bei PH zu insinuiren, auf den „Israelit," auf die Orthodoxie und die Orthodoxen — und Solches sollen wir einer Widerlegung würdigen? Der Bedauernswerthe, der sich solcher Eharacterlosigkeit schuldig gemacht und sich in Folge dessen um allen moralischen Credit gebracht hat, ist dadurch allein genug bestraft. Aus dem eben angeführten Grunde bedürfen auch seine Angriffe auf unfern Fürther nicht der Widerlegung. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le R oux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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