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Der Israelit · 1870-02-16 · Heft 7 (16.2.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 7 (16.2.1870)
Date
1870-02-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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119 nachgewiesen, daß der Präsident des Wiener Oberlandsqerichtes, Herr v. Hein mit aller Absichtlichkeit jüdische Konkurrenten, selbst wenn diese eine besondere Befähigung nachzuweisen im Stande waren, bei der Besetzung umgangen hat. Einem Rechtspraktikanten, der um eine Auskultantenstelle eingeschritten und beim Oberlandesgerichtspräsidenten Herrn v. Hein Audienz nahm, rief dieser zu: „Wollen Sie etwa auch ein Pionnier der Fr ei heit werden?'und damit war sein Gesuch entschieden, er wurde bei der Besetzung umgangen. Ein anderer jüd. Praktikant glaubte es klug anzustellen, indem er seinem Gesuche wegen Beförderung kein Geburtszeugniß beilegte. Der „gutgesinnte" Herr Präsident sollte im Unklaren über die Religion des Bittstellers bleiben, da doch diese eigentlich bei der Besetzungsfrage gar nicht in's Gewicht zu kommen habe. Doch Herr v. Hein war klug und weise, er ließ die Vornamen sämmtlicher Familienglieder des Kompententen hersagen, ob nicht etwa ein alttestamentarischer Name darunter sei, woraus sich auf die Abstammung des Bittstellers schließen ließe. Ein dritter Rechtspraktikant wieder wurde ebenfalls und zwar wiederholt bei Besetzung von Auskultantenstellen aus keinem anderen Grunde, als weil er von jüdischer Abkunft ist, übergangen, trotzdem selbst der Präsident des Landesgerichtes in Strafsachen, Ritter v. B o s ch a u, unaufgefordert Veranlassung nahm, das Gesuch des Betreffenden mit den wärmsten Worten der Anerkennung zu begleiten. Feuilleton. W o st a rr a i. (Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) - VII. Mutter und Kind. Als Ialetha so weit wieder hergestellt war, daß sie die armselige Hütte, in welcher sie eine Zufluchtsstätte gefunden, verlassen konnte, da bezog sie mit ihren Eltern und ihrem Söhnchen den Palast des Exilsfürsten zu Mechusa. Erst jetzt erfuhr sie den schrecklichen Tod ihres Gatten und des ganzen fürstlichen Hauses. „Hunna, mein Geliebter," rief sie, während ihre Thränen strömten, „Du tapferer Held, Du edler, frommer Mann, Du Hort Deines Volkes, also hast Du enden müssen! O, wäre ich mit Dir gestorben, Du Geliebter meiner Seele!" So klagte und jammerte sie. Anfangs ließ Rabbi Kaphnai sie gewähren, er ließ sie ihren Schmerz austoben. Nach einigen Tagen aber sprach er zu ihr: „O, meine Tochter, Dein Schmerz ist gerecht. Du hast den edelsten Gatten verloren, den je ein Weib besessen. Allein in Deinem Schmerze vergissest Du, dem allgütigen Gott für Deine eigene und Deines Kindes wunderbare Rettung zu danken. Und wenn Dein Leben in Deinen Augen nichts ist, so bedenke doch, daß in Deinem Sohne Israels Hoffnuitg erhalten geblieben. Du weißt, was Gott der Herr, dem David, Seinem Knechte, verheißen, daß niemals sein Haus soll untergehen, daß einst wieder sitzen werden seine Kinder auf Israels Königsthron. Indem der Allgütige Deinen Sobn am Leben erhielt durch die wunderbarste Fügung, hat Er uns Allen unsere Hoffnung aufrecht erhalten. Deßhalb tröste Dich, meine Tochter, und sei dankbar dem Allherrn für das, was Dir geblieben!" Und Ialetha trocknete ihre Thränen und schaute mit hoffnungsreichem Lächeln auf das holde Kind, das sie auf ihren Armen trug, und der kleine Bostanai schaute sie an mit seinen schwarzen, glänzenden Augen, wie wenn er sagen wollte: „Meine Mutter, ich werde Dir Alles ersetzen, was Du verloren." Da drang neue Lebensfreude in der trauernden Wittwe Herz. Sie küßte innig das geliebte Kind und schwur, ihm ihr ganzes Lcben zu weihen. Mehr als ein Jahr war verflossen. Bostanai war der Mutterbruft entwöhnt. Ialetha ließ das Kind keinen Augenblick von sich; niemals übergab sie es der Sorge einer Wärterin; war doch das Kind das Einzige, was der jungen Wittwe Freude verursachen konnte! Der Knabe entwickelte sich in ganz außerordentlicher Weise; schon sing er an, einige Worte zu stammeln, und die Mutter lehrte ihn, das „Schema Iisraöl!" nach der Lehre der Weisen, daß das jüdische Glaubensbekenntniß das Erste sei, was das Kind lernen soll. — In diesen Tagen wurde ein Gast, ein Fremder gemeldet, der die Fürstin zu sprechen wünsche. Als der Fremde hereintrat erkannte ihn Ialetha sofort: „Du bist es," rief sie, „mein Lebensretter, Benjamin von Liberias! Wie kann ich Dir danken, edler Mann! Wie kann ich Dir lohnen all Das, was Du an mir und meinem Kinde gethan!" „„Schweig von Dank und Lohn, Fürstin!"" entgegnete Benjamin, „ich habe nur meine Pflicht gethan, habe nur gethan, was ich Deinem Gatten, meinem Freunde und Waffengefähxten, was ich dem Hause Davids und ganz Israel schuldig war. Durch Dein und Deines Kindes Rettung bin ich genugsam belohnt." Benjamin blieb einige Zeit im Hause Ialetha's. Rabbi Kaphnai fand viel Gefallen an ihm; er lernte Benjamin als einen großen jüdischen Gelehrten, als einen Mann von edlem Charactcr kennen, der voll Liebe und Hingebung für die heilige Religion Israels war. Benjamin, der reichste Jude in Palästina, hatte erst kürzlich sein Weib durch den Tod verloren und

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