Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1870)
- Date
- 1870-02-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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117 wir constatiren dieses mit Vergnügen, wenn wir auch zu wissen glauben, daß es manchen ihrer nichtjüdischen Führer keineswegs ernstlich darum zu thun war, der Aufstellung dieser zehn auch die wirkliche Wahl folgen zu lassen. Doch dürfen wir s o l ch e „Freisinnige" glücklicherweise zu den Ausnahmen rechnen. Wer aber Angesichts des in seiner Art so einzigen Wahlresultats noch immer, wie ja die Gegner hier, wie anderwärts kundgaben, die Volkspartei für Verbündete der Ultramontanen hält, der muß von „Volksboten" und „bayerischem Vaterland" der Zander und Sigl in München und von deren schmählichem Wüthen gegen unsere Glaubensgenossen noch Nichts vernommen haben. Eine Partei jedoch, die in politischer Beziehung alle kleinlichen Rücksichten auf Nationalität und Confession so aufrichtig und gänzlich bei Seite setzt, daß sie den Israeliten, die in Fürth immerhin höchstens ein Achtel der Bevölkerung bilden, nahezu ein Drittbeil der Vertreter einräumt, eine solche macht sich um Orthodoxe wie um Neologe gleichsehr verdient, und wenn daher Erstere wiederum in überwiegender Mehrheit für die Volkspartei stimmten, so hatten sie sich für die Nächstliegenden Ziele derselben mit Recht begeistert und deren weitergehende subversive Bestrebungen, vor denen ihnen als mit jüdischer Religion unvereinbar von fortschrittlicher Seite gewarnt wurde, mit Recht als der Zukunft angehörig ignorirt. (Wir haben dieses letzteren Umstands Erwähnung gethan, da in Bayern in n.scht ferner Zeit eine neue Landtagswahl zu den Wahrscheinlichkeiten gehört.) Wir können es uns hinsichtlich der obigen Gemeindewahl nicht versagen, die Namen der gewählten Israeliten nebst Stimmenverhältniß anzugeben. Es stimmten nämlich von circa 2800 Wahlberechtigten 1464 (gewiß eine starke Betheiligung!) Von diesen erhielten d>e HH. Sal. Berolzheimer, Banquier, vr. Morgenstern, Jurii und Fabrikant, M. Neubauer, Fabrik« t, Emil Rosenthal und Lippmann Ollesheimer, Kaufleute, von 1426 St. bis 1339 St. abwärts in genannter Reihenfolge. Auf diese 5 Männer hatten sich die beiden Parteien vereinigt. Die 6 übrigen waren von der Volkspartei allein ausgestellt. Es sind die HH. S. Tailor, Privatier, H. Kronacher, Rechtsanwalt, vr. Landmann, pract. Arzt, Max K. Königsberger und Jacob Mohr, Kaufleute und G. Löwenstein, Bortenverfertiger; nach dieser Reihenfolge mit 861 bis 816 Tt. bedacht. Unter den Ersatzmännern für dieses Collegium befinden sich ebenfalls 2 Israeliten: H rr Kaufmann, I. P. Morgenstern (Bruder des Herrn vr M.) und H. Kaufmann Sal. Schopflocher — letzterer der einzige Orthodoxe unter den Gewählten. Wir wollen nun noch einzelnen der genannten Herren hinsichtlich ihrer bisherigen öffentlichen Thätigkeit einige Worte widmen. Herr S. Berolzheimer gehörte, gleich Herrn E. Rosenthal, bereits dem vorigen Gemeindecollegium an; das jetzige hat ihn — den äußerst gebildeten und praktisch höchst tüchtigen Mann — zu seinem Sekretär, beide gemeindliche Collegien haben ihn zum Landrath von Mittelfranken gewählt, auch bekleidet er seit mehrere« Jahren den Ehrenposten eines Assessors am K. Handelsgerichte Fürth. Nebstdem erwähnen wir noch, daß er Vorstand des größeren Verwaltungsausschusses der isr. Gemeinde ist, in welchem Herr E. Rosenthal Mitglied. (Wir wünschen beiden Herren, sowie Herrn Neubauer, einer der 5 Vorstände der isr. Gemeinde, in ihrer weiteren städtischen Thätigkeit bessere Lorbeeren, als sie sich durch das famose neu; isr. Wahlstatut erwerben dürften.) Wir haben von Herr Neubauer noch herorzuheben, daß er breits den vorigen bürgerl. Magistrathsräthen als Mitglied (mit Hut und Degen) angehörte — als solcher, wie Herr Berolzheimer als Beisitzer des Handelsgerichts, der erste Jude in Bayern war und mit obengenannten Herrn Privatier Tailor, sowie Hrn. vr. GrünSseld, dem berühmten früheren Advocaten und nunmehrigen K. Wechselnotar, unter die 12 neuen Magistratsräthe von dem Gemeindecollegium einstimmig gewählt wurde. Herr I. Mohr (Firma: WeikerSheimer) ist in letzterer Zeit vielfach in Zeitungen genannt worden, indem er ebenfalls als Handelsgerichtsassessor vom BezirkSgremium erwählt, aber vom K. Justizministerium (Minister v. Lutz) nicht er, sondern der mitvorgeschlagene christl. Kaufmann Hornschuh bestätigt wurde. DaS Odium dieser Entscheidung nahm der betreffende Referent und städt. Rechtsrath dem Herrn Minister ab und auf seine eigne Schultern und hat — trotz seiner Verteidigung, wovon wir nur hervorheben, daß er die Namen Mohr und Hornschuh, in welcher Ordnung sie das Gremium vorschlug, der Ordnung des Alphabets nach umsetzte (!) — an diesem Odium noch immer zu tragen. (Der Name Mohr wird Manche der geehrt, ausw. Leser d. Bl. auch von den Berichten über die jüngste Landesversammlung der württembergischen Volkspartei aus interessiren, in welchen eS hieß: Moär von Fürth überbrachte unter großen Beifall den Gruß der bayerischen Volkspartei. Es ist dies der Bruder des obigen Herrn I. Mohr.) Den Herren vr. Morgenstern, Kronacher und vr. Landmann Hab n wir schon bei Besprechung der vorigen Landtagswahlen einige besondere Worte hinsichtlich deren sonstiger politischer Thätigkeit gewidmet. Herrn vr. Landmann hat das Gemeindecollegium einstimmig zu seinem I. Vorsitzenden gewählt. Nicht umhin können wir auch, schließlich noch des Herrn G. Löwenstein zu gedenken. Derselbe, mit über seinen Stand weithinausreichenden K nntnissen und großer Redegabe ausgestattet, ist durch sein Auftreten bei dem vorjährigen allgemeinen deutschen Arbeitertag als scharfsinniger und energischer Redner auch in weiteren