Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1870)
- Date
- 1870-02-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XI. Jahrgang Beilage zu Nr. 6 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Eovrespondenzen. Oesterreichisch - Ungarische Mvllarchie. Wien, 25. Jan. , Vorgestern Abends 7 Uhr fand eine Plenarversammlung der Rechtspraktikanten südischer Eonstst'wn statt. Gegenstand der Verhandlung war die dnr-A den Herrn Abgeordneten v. Mcnde demnächst den; hoben Reichsrathe vvrzut^gende Petition gegen das angeblich willkürliche Gebabren des Herrn Oberlande'gerichts-Präsidenten v. Hein bei Besetzung von Rnskulkantenstellen. Rack einer kurzen Debatte wurde nachstehende Petition mit wenigen Modificationen angenommen: „Hohes Haus.' Indem die! ergebenst Gefertigten den Schutz deS ihnen durch die! Staatsgrnndgesktze gewährten Rechtes dem hohen Hause,; als dem Schöpfer dieser Staatsgrundgesetze, ander-! trauen, unternehmen sie diesen Schritt nicht sowohl im eigenen Interesse, sondern vielmehr durchdrungen von dem Bewußtsein, dast in der Kränkung ihres Rechtes eine Mißachtung pnblicirter Gesetze, eine Untergrabung des die Staatsgrundgesetze beherrschenden Principes — die Gleichberechtigung Aller — gelegen ist. Trotzdem Art. 3 der Staatsgrundgesetze sagt, daß die öffentlichen Nenner für alle Staatsbürger, ohne Unterschied gleich zugänglich sind, weist Se. Ercellen; Ritter v. Hein ausnahmslos jedes von Rechtspraktikanten jüdischer Eonsesnon um Verleihung von Airskultaritenstellen eingebrachte Gesuch zurück." Hier folgen einige eclatante Beweise dasür. Ein sprechendes Zeugniß, daß der niederösterreichische Oberlandesgerichts - Präsident im jüdischen Glaubensbekenntnist des Recktspractieanten ein nnübersteigliches Hindernis zur Erlangung einer unbesoldeten Auskultanlennelle erblickt, liegt darin, daß in andern Ländern der Monarchie zahlreiche Auskultanten jüdischer Consession ernqnnt wurden, während im Sprengel des n. ö. Landesgerichteö kein einziger Jude eine derartige Stelle erlangen konnte. Die Petition schließt mit den Worten: „Wir sehen es als strenge Pflicht an, dem hohen Hause, als dem Wächter der Verfassung, in frcimüthiger Darlegung die Nichtbeachtung dieser zur Kenntnis zu bringen. Deßhalb, und nur deßhalb, bitten die Unterzeichneten um Wahrung ihres durch Gesetz und Zeitgeist geheiligten Rechtes gegen Willkür und Ggenmacht." Wie«. Se. Maj. der Kaiser hat dem Banquier in Wien Eduard Ritter v. Todesco, als Ritter ■ des Ordens der eisernen Krone zweiter Elaste. den! Freiberrustand zu verleihen geruht. Aus Ä^ührcrr. E. Wenn ich mir erlaubt, >r:r- : f?r kleines Landchen mit seinen 30,000 jüdischen Be-! wobnern einer aussährlichen Besprechung in diesem; gesck. Blatte zu würdigen, so geschieht dies nur deßj halb, weil die Angelege -beiten dieses Kronlandes nur > selten hier Erwähnung und Besprechung finden, wäb-! rend wir trotz Prag und Königgrätz uns noch immer i eins fühlen mir unsereir deutschen Glaubensgenossen, j Ja eine Besprechung der religiösen Angelegev.hei'en un- > streo Landes muß schon deßhalb für die geschätzten! Leser dieses Blattes ein bedeutendes Interesse haben, i da es eine Zeit gegeben hat. wo das kleine Mahren ton-; arrgebcnd für alle jüdischen Kreise war, wo auf seinen! Rabb'natsstuhlen Männer von hervorragendster Beden-- tnng saßen. wo seine Ieschiboth von Bechurim aus allen Weltgegenden freguentirt wurden, wo seine Gemeinden durch rigorose Frömmigkeit, seltene Opserwillizkeit und bedeutende Intelligenz flch anSzeichneten. Heute ist leider Alles anders gewordenDer schädliche Lustzug der Zeit hat auch hier Verheerungen angericktet; von den Denkmälern der Größe, die noch j vor kaum 50 Jahren hier waltete und wirkte, sind j kaum noch Trümmer und Ruinen übrig geblieben;! die erhabenen Männer, die ihrer Zeit als Heuchle gei dient, sind in's Grab gesunken, und auf ihren Plätzen! machen sich die mehr oder minder verkappte Reo- > logie und der krasseste Indifferentismus breit.! In dem Mähren, wo ein Mordechai Benedict ein; Nehemias Prebitsch und noch andere große und I hervorragende Rakbinen gewirkt und Hunderte lernbe-! gierige Jünger um sich versammelt, ist heut- — auch! nicht eine einzige Ieschibah, sind heute; vielleicht feine 30 Landeskinder zu nennen, die sich; dem Studium des Talmud widmen, ja, es sind viel-! leicht fein2 fünf Gemeinden, in denen überhaupt es noch j möglich ist, zu lernen. Die Wahrheit dieser j Aussagen soll ein Rundgang durch die jüdischen Gemcir»-! den der schönen Moravia zeigen, zu dem wir die ge j schätzten Leser dieses Blattes hiemit einladen. Freilich läßt es sich jedoch nicht leugnen, daß, wie überall, I so auck hier die Medaille eine Kehrseite hat, daß auch; noch echtjüdische Frömmigkeit, aufrichtige Orthodoxie > und Glaubenc-neue in Mähren angetrofsen wird, aber - leider, in überaus verschwindender Minorität, und in j gar keinem Verhältnisse zu der numerischen Anzahl ' der Orthodoxie anderer österreichischer Kronländer. | Bevor wir jedoch unfern Rundgang antreten, wird es nothwendig fein, die Ursachen dieser plötzlichen religiösen Umwandlung kennen zu lernen. Da find es denn