Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1870)
- Date
- 1870-02-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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104 4 Mwne umgehauen, meine Blumen zertreten? Du hast den Tod zehnmal verdient, du schändlicher Wütherich!" Also sprach der Greis; ich ab-r weinte und flehte für mein Leben und versprach ihm die größten und schönsten Gärten in meinem Reiche. Ihn aber befriedigte das nicht. „Was nützen mir Deine Gärten," sprach er, „sie tragen nicht Früchte, wie die Bäume in dem meinigen; die waren von ganz besonderer Art. Und du hast sie alle zerstört; und wäre ich nicht dazu gekommen, du hättest auch dies letzte, zarte Pflänzlein vernichtet!" O, entgegnete ich rasch, eS ist noch nicht vernichtet; laß mich am Leben, und ich verspreche dir, dieses Pflänzleins zu warten, es zu pflegen und zu begießen, bis ein mächtiger Baum daraus wird, so daß mit seinen Schößlingen wieder bepflanzt wird werden können der ganze Garten." Als der König schwieg, fuhr Rabbi Kaphnai zu reden fort: „„Da ließ sich der Greis durch Deine Thränen erweichen und schenkte Dir das Leben, das Du verwirkt hattest. „Hüte Dich aber", sprach daun jener Greis, „daß du die Hand legest an dies letzte mir gebliebene Pflänzlein, daß Du es ihm fehlen lässest an irgend etwas; das würde sofort dein Tod sein."" „Ja," entgegnete der König, „so war es, und als ich erwachte, da blutete meine Stirn aus breiter, klaffender Wunde, und ich erinnerte mich, einen schrecklichen Traum gehabt zu haben; doch des Traumes selbst konnte ich mich nicht entsinnen, bis Du, weiser Kaphnai, ihn meinem Gedächtn-sse zurückgerufen. Doch kannst Du auch die Deutung mir sagen?" „„Wohl kann ich das!"" „So verhehle sie mir nicht!" „„Der Greis, den Du geschaut und der Dich hat tödten wollen, ist kein anderer als König David; denn seinen Lustgarten, die ganze Reihe seiner Nachkommen, hast Du gemordet: den edlen, ehrwürdigen Chaninai; meinen geliebten Schwiegersohn, den ebenso frommen wie klugen und ,tapfern Hunna; alle Söhne und Töchter und Frauen des fürstlichen Hauses von Juda, alle Nachkommen Davids; die hochragenden Bäume, die nndern Büsche, die lieblichen Blumen, alle hast Du umgehauen und zertreten, die Männer und Frauen, die Greise und Greisinnen, die Jünglinge und Jungfrauen, die Knaben und Mädchen. Nicht' einen hast Du verschont; nur einen Sproß aus Davids königlichem Hause hat Gott Deiner Wuth entzogen: das ist das noch ungeborene Kind im Schooße meiner Tochter Jaletha, der Gattin des gemordeten Hunna; das ist das Pflänzlein, das Du gerade vernichten wolltest, als der Eigenthümer des Gartens, als König David Dir entg egentrat, um Dich im Traume zu „Ich'glaube Deiner Deutung, Kaphnai! Wie Du mir den Traum richtig verkündet hast, so ist auch Deine Deutung die rechte; nun, ich will thun, wie ich im Traume gelobt habe zu thun. Ich will Deiner Tochter und Deines Enkelkindes schonen. Wenn Jaletha einen Knaben gebiert, so sott er erzogen werden gleich meinem eigenen Kinde; ich will ihn hegen und pflegen und schützen, wie ich es versprochen habe in meinem Traume. Jetzt gehe, Kaphnai, wechsele Deine Kleider; dann sucke Deine Tochter auf; ich will ihr alles Gut ihres Schwiegervaters zurückerstatten lassen, damit sie ihr Kind würdig erziehen kann." „„Ich werde thun, mein König, wie Du geheißen!" " „Kehre bald wieder zurück und bringe mir Nachricht. Ich fühle es, von dem Leben des Kindes hängt auch das meinige ab." Und Rabbi Kaphnai ging hinweg vom Könige, nahm ein Bad und wechselte seine Kleider. Dann bestieg er einen Wagen und ließ sich nach jenem entlegenen Dorke fahren, wo er seine Tochter verborgen hatte. Als Kaphnai in die Hütte des armen Juden trat, bei dem Jaletba eine Zufluchtsstätte gefunden hatte, da lag die Fürstin Israels in ärmlicher Tracht auf einem Lager von Palmblättern; aber nebesi ihr lag ein schönes, kräftiges Knäblein, das die Wittwe des Prinzen Hunna vor wenigen Stunden geboren hatte. „Gelobt sei Gott, der Gütige, der Gutes erweist!" rief der Gaon, als er seinen Enkel erblickte. „So ist Davids Licht nicht erloschen, Israels Hoffnung nicht vertilgt! Heil Dir, Jaletha, die Zeit der Leiden ist vorüber; schönere, bessere Tage werden kommen; das Kind, .das Du geboren, eö wird wiederum Fürst sein in Israel wie seine Väter es waren. O, Heil uns, ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, und eö wird sein die Herrscherkrone auf seinem Haupte, denn mit uns ist Gott!" Der Gaon eilte zum Könige zurück, um auch ihm die frohe Bo:schaft zu bringen. Und der König sprach: „So soll denn dasKnäblein Bostanai heißen, denn dem Bostan (Lustgarten), den ich im Traume schaute, ist es entwachsen." Als am achten Tage darauf das Fest der Beschneidung des jungen Bostanai gefeiert wurde, da war dieser Tag ein Festtag für alle Israeliten im persischen Reiche. Nach langer, banger Trauer erblühte ihnen wieder Freude und Hoffnung. (Forts, folgt.) Hierzu eine Beilage. erschlagen."" Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. GottLleben in Mainz.