Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1870)
- Date
- 1870-02-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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die Katholiken daselbst eine beträchtliche Summe gesammelt hätten, um die Befreiung des Mörders zu erwirken, während nach der Entschlüpfung keine Maßregeln getroffen wurden, um ihn wieder zu erlangen. Der Mayor von Toledo ist ein Jude. (H'brew Leader.) ZFafhrirgton. Die hiesige Gemeinde hat sich in zwei Parteien getrennt. Die Orthodoxen sagten sich von der Gemeinde loS, weil in der Synagoge eine Orgel aufgestellt wurde. Die Orthodoxen haben bereits ihre eigene Synagoge. (Jew. Mess.) Feuilleton. Nostarrai. (Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) VI. Der Traum und feine Deutung. Als Rabbi Kaphnai vor den König geführt wurde, fuyr dieser ihn heftig an. „Wie wagst Du es, Jude," rief KoSroes, „in diesen blutbefleckten, beschmutzten Gewändern vor mir zu erscheinen?" „„Wer,"" entgegnete Kaphnai, „„hat meine Kleider beschmutzt und mit Blut befleckt? Warst Du es nicht, grausamer König?"" „Eine solche Sprache mir gegenüber, dem Beherrscher der Welt, dem Besieger der Nationen? Hund, ich lasse Dich tödt n!"" „„So lasse mich tödten! Was liegt mir am Leben, das Deine Tyrannei mit Bitterkeit erfüllt hat? Gut, lasse mich.tödten, aber Dein Traumgesicht wirst Du dann nie erfahren."" „Und Du kennst es? Wie willst Du den Traum kennen, den nur ich allein geschaut und den die Magier mir nicht verkünden können?" „„Es war in der jüngsten Neumondsnacht, als mir Gott in meinem Traume Dich, o König, zeigte."" „Es ist wahr, es war in der Neumondsnacht. Und Du sähest mich? Nun, was that ich denn? „„Du luftwandeltest an den Ufern des Euphrat in einer wundervollen, reichgesegneten Gegend."" „Ha, es dämmert in mir und wird allmählich Licht. Ja, jetzt -entsinne ich mich; mir träumte, ich sei in meinem Sommerpalaste an den Usern des Euphrat; ich erhob mich im Traume von meinem Lager und wandelte bei anbrechendem Morgen gegen Sonnenaufgang. Jetzt entsinne ich mich deutlich; ich freute mich der schönen Gegend, sog ein dm Duft der Blumen, welche die ersten Sonnenstrahlen weckte«, so daß sie ihre Köpfchen erhoben, sah die vielen Thautropfen gleich Demanrm in den Sonnenstrahlen glänzen und freute mich ihres Glanzes; ich hörte die Vögel zwitschern und der Sonne entgegmjubeln. Da erfaßte mich ein freudiges Gefühl. uiü> ich sprach: Wie schön ist doch die Wett, und ich bin ihr Hwr, und Alles, Alles ist mein! — Doch weiter, weiter; schon entschwindet's wieder meinem Gedächtnisse. Was sähest du mich weiter thun?" „„Du kämest Herr an die Pforte eines köstlichen Lustgartens, der Alles an Schönheit und Fruchtbarkeit übertraf, was jemals ein Menschenauge geschaut hat."" „Ja, ich kam an eine goldene Pforte, die mir ein Diener öffnete. Ich staunte über die Schönheit des Gartens. Dä waren Feigen- und Dattelbäume, reich mit Früchten beladen, da standen Weinstöcke, an denen die köstlichsten Früchte hingen, da gab es hochragende Cedern und blühenden Citronenbäumchen, da entzückten die lieblichsten Blumen das Auge und berauschten durch ihre Wohlgerüche. Staunend stand ich da und blickte entzückt auf das Niegesehene. Und ich fragte den Diener: Wem gehört dieser unvergleichliche Bostan?*) Und er nannte mir einen mir tremd klingenden Namen. Nun, Kaphnai, waö geschah weiter?" „„Da ergrimmtest Du, o König, und riefest: Was, will in meinem Reiche Jemand etwas besitzen, was sein König in solcher Schöne nickt besitzet? Und Du ergriff«, wie von Wahnsinn befallen, ein Beil und hiebest um die köstlichsten Fruchtbaume, und fälltest die hochragenden Cedern und zernichtetest die blühenden Büsche und zerstampftest die reichprangenden Blumen; so stürmtest du durch den Garten in wahnsinniger Wuth, und schon hattest Du das Zerstörungwerk vollendet, nur ein zartes Bäumchen war noch da, das eben der Erde entkeimkb und auch dieses wolltest du vern'chten, da plötzlich . . . „Da stand plötzlich ein Greis vor mir von hohem ehrfurchtgebietendem Aussehen. „Wüthender Thor!" schrie er mich an mit Donnerstimme und schlug mit einer Axt, die er in der' Hand hielt, g-^gen meine Stirn, so daß das Blut herniederri^selte. Ich aber warf mich ihm zu Füßen, umklammerte s ine Knie und flehte um Sckonung. „Herr", rief rch. was habe ich £>;r gethan, dass Du mch tödten willst?" Unv der hohe, ehrsurchtgebietende Gre s sprach: „Du fragst noch, was Du mir gethan baft? Hast Du nicht sinnlos meinen Garten verwüstet, meine köstlichen Frucht- *) Boston ist ein neupersisches Wort und heißt auf deutsch: Lustgarten.