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Der Israelit · 1870-02-09 · Heft 6 (9.2.1870) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 6 (9.2.1870)
Date
1870-02-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Berlin, 27. Januar. In der heutigen Sitzung des Hauses der Abgeordneten wurde, folgende Petition verhandelt: Der Gastwirth Rosenthal zu Simmenau, Kreis Kreuzburg, und Genossen beschweren sich darüber, daß die in Simmenau wohnenden jüdischen Grundbesitzer zu den Kosten der Neubauung der dortigen evangelischen Kirche beitragen müßten, während Grundbesitzer katholischer und altlutherischer Confession nicht herangezogen werden. Die Commission stellt den Antrag, die Petition der Staatsregierung mit der wiederholten Aufforderung zu überweisen, die Initiative zu ergreifen, um im Wege der Gesetzgebung die in Beziehung auf die Beitragspflicht zu Parochiallasten bestehende Rechtsungleichheit zwischen Juden und Christen zu beseitigen. Das Haus tritt diesem Anträge bei. Berlin, 31. Januar. Die Nr. 3 Ihres geschätzten Blattes brachte eine Correspondenz aus Berlin, in welcher ein hiesiges Hotel als ein solches bezeichnet wird, das die Aufmerksamkeit der orthodoxen Glaubensgenossen in jeder Hinsicht zu fesseln berechtigt sein dürfe. — Als die zwei allerdings wichtigsten Momente einer Restauration, die für uns von Interesse sein kann, sind hervorgehobcn: Vertrauenswürdigkeit in Bezug auf Religiösität und komfortable Einrichtung. — Ebendarum aber, weil diese zwei Punkte den Herrn Correspondenten veranlaßt, genanntes Hotel der orthodoxen jüdischen Welt zu empfehlen, hat es mich sehr befremdet, und kann ich es nur einem Mangel an Localkenntniß zuschreiben, daß einem andern Hötel ebendadelbst kein Wort der Erwähnung gezollt wurde. — Ich meine das „Hotel zum Kronprinz". Dieses, im Centrum der Stadt gegenüber dem neueü Rathhaus gelegen, gehört Herrn B. B. Schreiber. der, von talmudischen Autoritäten abstammend, bereits seit zehn fahren eine Restauration, die allen rituellen Anforderungen aufs gewissenhafteste nachkommt, besitzt. Seitdem Herr Rabbiner vr. Hildesheimer hier weilt, ist Herr S., wie derjenige, der seine Glaubenstreue kennt, es nicht anders von ihm erwarten kann, einer seiner eifrigsten Anhänger, und bezieht selbverständlich seinen Fleischbedarf nur von den Fleischern, die nach der Scheckitah - Institution des Herrn Vr. Hildesheimer schlachten lassen. Da ich bereits seit einer Reihe von Jahren auf meinen Geschäftsreisen in besagtem Hötel zuspreche, so habe ich Gelegenheit gehabt, wabrzunehmen, daß ebenso wie die gewissenhafte Handhabung in religiöser Hinsicht, die ganzen Einrichtung des Hotels, die an Comfort und Eleganz nichts zu wünschen übrig läßt, anzuerkennen ist, so daß solches auch von Richtjuden stark frequentirt wird. Ich bin daher im Stande, dasselbe einem jede« frommen Iehudi auf Beste empfehlen zu können. L S. Kiel, 28. December. Die Einweihung der von der israelitischen Gemeinde neuerbauten Synagoge hat heute stattgefunden. Die Einweihungspredigt hielt Herr Oberrabbiner Ettlinger aus Altona; dieselbe hatte die Bestimmung dieses Haukes zum Gegenstand, indem sie ausführlich die Bedeutung des Gebets zu Gott zu allen Zeiten des Lebens, unter allen Geschicken und Fügungen darlegte. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Mitte December v. I. versammelte sich eine große Anzahl Auskultanten jüdischer Confession, um Beschwerde gegen den Oberlandesgerichts-Prästdenten v. Hein zu sühren, welcher bei Avancements im Justizfache beharrlich die Juden übergeht. Es wurde nun, die ganze Angelegenheit in die Hand zu nehmen und einer befriedigenden Lösung zuzuführen, ein Comitö aus fünf Herren gewählt und zwar vr. O,ner, vr. Turnau, Löw, vr. Bunzel und vr. Feßler; dieser Letztere vorzüglich deßhalb, weil er bereits früher in dieser Angelegenheit Schritte beim Iustizminister vr. Herbst unternommen, welche jedoch erfolglos geblieben waren. Das Comite hat beschlossen, ein Memorandum audzuarbeiten, in welchem alle speziellen Fälle angeführt werden sollen, die den Beweis liefern, daß die jüdischen Auskultanten bei Beförderungen ganz übersehen werden. Eine Petition wird deßgleicheu an den Reichsrath gelangen und hat Herr Hofrath v. Mende, welcher bekanntlich Reichsrath-Abgeoröneter und Präsident des Petitionsausschusses ist, sich bereit erklärt, die betreffende Petition dem Reichsrathe zu übergeben und zu befürworten. In wenigen Tagen findet eine Generalversammlung der Auskultanten statt, in welcher das Comito über seine Thätigkeit Bericht erstatten und zugleich das erwähnte Memorandum zur Genehmigung vorlegen wird. Innsbruck. Die Feinde des Lichtes treiben es im Ober-Innthal ärger als man es selbst für möglich halten sollte. So hat dortselbst ein frommer Seelenhirt von der Kanzel aus die Augenkranken gewarnt, sich vom Dr. Mauthner in Innsbruck behandeln zu lassen, weil er — ein Jude ist. Frankreich. Paris. Die Herren Joseph Colvmba und Benjamin Mavrargues (Juden) wurden zu Richtern am Handelsgericht zu Nizza ernannt. (Un. isr.)

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