Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1870-02-09 · Heft 6 (9.2.1870) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 6 (9.2.1870)
Date
1870-02-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447447-2447454--08007-2463635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

99 während rvrd nach der Men-struntion haben viel dazu hfigetragen, die jüdische Ehe die Jahrhunderte hindurch als eine Musterehe erscheinen zu lassen, indem gerade diese Institutionen die Liebe zwischen '^atten und Gattin stets rege erhalten. Auch in ianiiätlich'r Beziehung war und ist die Institution deS Reinigungsbades von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. In der That hab<m Sie ja auch, verehrter ,s err Professor, gegen das Reinigungsbad als solches nichts einzuwenden, sondern nur „gegen jenes kalte, unterirdische Loch in einer Stadt des mittleren Deutschlands," welches als Reinigungslad benutzt wurde. In dieser Beziehung stimmt sicherlich jeder Vernünftige mit Ihnen überein; doch bitte ich Sie, zu bedenken, daß in gar vielen Städten nicht allein Deutschlands, sondern Europas, auch die Wohnungen der mißhandelten Israeliten feuchte, dumpfe Löcker sein mußten; so in Mainz, in Frankfurt, in Prag, ja heute noch in Rom, wo das gegenwärtig tagende grose Concil die Mauern des elendin, ungesundm, feuchten Ghetto's nickt sprengt. Es gab hier in Mainz in den ehemaligen Judengassen Häuschen — armselige Hütten —, in denen zwei bis drei jüdische Familien wohnen mußten, und von denen man nicht begreift, wie nur zwei bis drei Menschen darin leben konnten! Woher sollten da die armen Verfolgten gesunde und geräumige Badeanstalten hernehmen? Die neue Zeit hat in der That in fast allen isr. Gemeinden schöne, gesunde, ja elegante Reinigungsbäder erst hen sehen, und ist mir von einem bedeutenden Rabbiner erst dieser Tage die Anregung geworden, einen Verein ins Leben zu rufen, um auch ärmeren Landgemeinden den Bau von solchen Reinigungsbädern, die allen Anforderungen genügen, zu ermöglichen. Wir bedürfen dazu nicht des Zwanges von Seiten des Staates, da die Israeliten überall gern bereit sind, freiwillig dasjenige zu verhüten, was der Gesundheit irgendwie schädlich sein kuin. Mögen die vorstehenden Zeilen zur Klärung der Ansichten über Juden und Judenthum beitragen. Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Professor, die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung und Ergebenheit. Mainz, 1. Februar 1860. vr. Lehmann, Rabbiner der israel. Religionsgesellschaft, Redacteur des „Israelit." Jeiturrgsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 4. Febr. Zu unser« größten Schmerze erfahren wir soeben das Hinscheiden eines Biedermannes, des Herrn Samuel Mayer von Cöln, Inhaber des rühmlichst bekannten jüdischen Gasthofes zum Württembcrger Hof daselbst. Wir entnehmen der uns gedruckt vorliegenden Leichenrede des Herrn Rahh. Vr. Schwarz folgende Daten: „Im Jahre 1802, am 21. des Monats Schedas wurde Samuel Mayer, als der erste Sohn der israelitischcn Gemeinte Cöln, die damals nur aus einigen Familien bestand, geboren. Wenn auch dik-se Thatsache, wodurch seine Person eine gewisse historische Bedeutung für unsere Glaubensgenossen am Rheine erlangte, am wenigsten seincm Verdienste zugeschrieben werden durfte, so mochte sie doch schon ursprünglich als ein Omen für seine Zukunft betrachtet worden sein — und es täuschte nicht: er ist nicht nur der Erstgeborene der Gemeinde geblieben, sondern der Besten und Würdigsten Einer geworden. — In dürftigen fast ärmlichen Verhältnissen großgezogen, kaum zur Genüge ausgerüstet mit dem für die sociale wie religiöse Existenz erforderlichem Maaße der Erkenntniß und des Wissens, trat er frühzeitig ein in die harte Schule des Lebens; großer Entbeh, rung und schwerer Arb?it voll, suchte er sich durch unermüdliche Thätigkeit und unbeugsame Willensstärke mit bewunderungswerther Ausdauer aus einer untergeordneten Stellung emporzuringen, und an seiner geistigen Ausbildnng selbst noch in vorgeschrittenen Jahren Hand anzulegen. Beides ist ihm gelungen. Er gründete sich einen eigenen Heerd; eine gottesfürchtige Gattin und fleißige Kinder standen ihm helfend zur Seite, und das Geschäft, dem er Vorstand und welches nicht nur volle Hingebung, sondern auch streng religiöse Umsicht und Einsicht erforderte, gestaltete sich so blühend, daß die Firma seines Hauses weit über die Grenzen unseres deutschen Vaterlandes hinaus gekannt und geschätzt wurde; denn er trat seinen Gästen nicht nur als zuvorkommender Wirth entgegen, sondern blieb einer großen Zahl unter ihnen durch seine practische Erfahrung und seinen geraden offenen Blick ein wohlwollender, kluger Rathgeber und treuer Freund. Ungetrübtes glückliches Zusammenleben, mehr als drei Jahrzehnte h'ndurch, vollbrachte er an der Seite der von ihm mit aller Innigkeit geliebten und verehrten Frau, deren vor mehreren Jahren erfolgter Tod ihm die schmerzlichste Wunde seines Daseins schlug, und das Wohl seiner Kinder, von welchen er untrügliche Beweise ihrer herzlichen Liebe durch die hingebendste und sorgfältigste Pflege während seines schweren und langwierigen Krankenlagers empfangen hatte, fördert er nach Kräften. — — Doch von ungleich größerer Bedeutung als sein Privatleben ist für uns seine öffentliche Wirksamkeit, welche er in Mitten der Gemeinde ausHeübt und in welcher er weit mehr als in der engen rhn umgeben?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.