Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1870)
- Date
- 1870-02-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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$9 gezwungenen SchächterautorifatioN werde ich nicht wiederholen. Sie hat (Syu. Ord. Kap. 1. §. 1) jede Privatversammlung zu gottesdienstliche» Zwecken Lei schwerer Strafe verboten und zur Aufrechthaltung dieses Verbots Dutzende von Synagogen schließen lasten, damit ja kein Gebet in den Himmel komme, das nicht die Mautstation derO. K. B. passtrt. Dadurch wurden viele kleinere Gemeinden^ welche durch die Sabbatgesetze an den Besuch des Gottesdienstes in der Mnttergemeinde gehindert waren, der religiösen Verwilderung preisgegebn. Sie hat Theile der Liturgie abgeschafft und dafür im Iudenthume nie dagewesene Bestandtheile — ein deutsches Gesangbuch einzusühren befohlen, ein Akt unerhörten Gewissenszwanges. Dieses Gesangbuch ist ein oberflächliches Machwerk, größrentheils Lieder aus Protest. Gesangbüchern enthaltend, aus welchen man chriftl. Ausdrücke gestrichen und mit allgemeinen, nichtssagenden vertauscht Hat. Bedenken Sie, meine Herren, welche gefährliche Aufregung in protestantischen Ländern nur die Aenderung eines Gesangbuchs veranlaßt — und im Judentum gab eS nie ein solches Gesangbuch — was kümmert aber daS die Oberkirchenbehörde, eS kostete ja nur einen Federstrich — und: da ihr Juden, jetzt müßt ihr protestantisch fingen. Sie bat Bestandtheile des Trauungsrituals, welche von den Codices als wichtig ausgeführt werden (eou?) und deren Weglassung zur Nichtigkeit des Aktes führen könnte, während der Trauung vorzunehmen verboten, ohne anzuordnen, daß die Vornahme anderweitig geschehe; dafür hat sie die Trauung durch hierarchische Formeln unjüdisch gemacht. Sie bat vie im Judenthum nie dagewesene Coastrmation zwangsweise eingesübrt und Väter, denen dieser Akk gegen ihr Gewissen war, mit den höchsten zulässigen Geldstrafe»» gemaßregelt; dagegen hat sie, die in Israel verbreitete Sitte des Thoralesens am Barmizvob-Tage verboten (Syn.-Ord. Eap. 7 1) und dadurch für viel; ein starkes Motiv;um fleißigen Erlernen des Hebräischen entkräftet. Sie hat (Jyg.- Ord. Kap. 6 2) j'dem verboten in Privatv er einen religiöse Vorträae zu kalten, der nicbt geprüfter Rabbiner oder Vorsänger ist. Während sie biedurch offenbar die Veranlassung zum Thoraftudium vermindert, hat sie nichts gethan, um die jungen Lehrer dazu bsranzubilden, was sich am besten daraus beweist, daß eine Mmisterralversügung vom Jahre!829, wonach ein israelitischer Lehrer die Prüfung bestehen kann, ohne das Hebräische zu können, heute noch zu Recht besteht. Sie hat RaböinatScandidaten aus Central-Kaffenmitteln unterstützt und zum Rabbinate autoristrt, die öffentlich den Sabbath entweihen, das Speisegesetz übertreten, die Wahrheit der Thora leugnen rc. Sie hat endlich (durch ihr theologisches Mitglied) in eine« abgegebene« Gutachten, abgedruckt in dem Kammer-Tomm'sssionSbericht über das EmancipatisnSgesetz, die Göttlichkeit der Tradition geleugnet und das Streben ausgesprochen, besten Giltigkeit zu beseitigen. Ja diesem Gutachten lesen wir: „Diese (die Tephillin) sind bekanntlich ei» Erinnerungszeichen an das Gebot der Liebe gegen Gott. Die Rabbinen verstanden nämlich die Stelle, 5. Mos. 6, 8.9., wo es heißt: „„Du sollst sie (vie Liebe zu Gott) zu« Zeichen binden auf deine Hand, und fte soll zur Voroerhauptbinde dienen zwischen deinen Augen,"" im buchstäblichen Sinne und verordne t e« diese und noch andere Stellen in der heiligen Schrift auf Pergamentstreifen zu schreiben, diese in Leder - Capseln einzunähen, welche, an Riemen befestigt, von den Juden während des täglichen Gebete» um Kopf und Hand gewunden werden. Heutzutage gibt eS aber viele rechtschaffene Israeliten, welche solche starke ErweckungSmittel für ein R ligionSgebot nicht mehr zu bedürfen glauben. Diesen sind die Tephillin lederne Riemen, weiter nichts. In den Städten bilden die Israeliten von dieser Denkungsart bereits die Mchrzahl; und von de« Heranwachsenden Geschlechte kann man mit Gewißheit annehmen, daß wenigstens die Hälfte nicht mehr an die Heiligkeit der Tephillin glauben wird; denn je allgemeiner durch den verbesserren Religionsunterricht ein Gottesdienst im Geiste und in der Wahrheit wird, desto mehr müssen Ceremonien und Symbole von ihrer Heiligkeit verlieren." Diese Worte, meine Herren, bedürfm keine- Comprentars. man kann die Leugnung der Traditio» nicht stärker ausdrückeu. Der Talmud sagt: wer keine Tephillin legt, sei ein von Israel Abtrünniger i'd'sn mo eöi rrnspip iet:d :>ent7’ yzriB Der Autor dieses Gutachtens, Seele der Oberkirchenbehörde in religiösen. Frag; spricht also hier die Absicht aus, durch den von der O. K. B. organisirten Religionsunterricht die Israeliten Württembergs zu zu Abtrünnigen zu machen. Meine Herren! Ist Jbnen Marmonides eine Autorität^ so erlauben Sie mir. Ihnen einige Worte von ihm ins Gedächtniß zu rufen. Doch da Ihre Geduld erschöpft zu sein scheint, so will ich mich auf die summarische Bemerkung beschränken, daß (nach Hilch. Teschuba 3, Mamrim 1. Jes. hatorah. 9.) der Traditionsleuzner ein Offenbarungsleugner ist. Da nun der größte Theit der Israeliten Württembergs traditiousgläubig ist, so erwägen Sie die Faulheit de» Zustandes, wenn die religiöse Oberbehörde emer ganz andern GlaubeaSrichtung folgt, als die Gemeinde. Und das müssen namentiih S^e zugeben, hoch.virdige Herren; denn Sie mit Ihre» sämmtlkchea Herren