Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1870)
- Date
- 1870-02-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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86 Zr.. müßten wir erkläret: „W i r sind keine »sM wir Ihren Arme« utti$ entwinde« _ LeIc|er Gewissenszwang! ÄngeMtS dieser erstrebten Gewiffensbeherrfchung Mß ich'derm doch ans die Rechtsfrage eingehen, wo- {f ich gerne verzichtet hätte, da ich, der ich von mir Schulmeister gewesen, davon nicht viel verkehr- Ich glaube, der Staat, dessen Aufsichtsrechte Dir in keiner Weise zu nahe treten wollen, sollte sich yjicht mehr m die innern Angelegenheitn der israel. .Neligivnsgeurssenschaft mischen, als er dies bei den lauheru Kirchen thut. Die protestantische Kirche kann hier weniger maßgebend sein; denn nach dem Grundsatze, daß der protestantische Landesfürst der Brnnmus e^iBcopus aller Protestanten seines Gebiets ist, wird hrer immer eine Vermischung staatlicher und kirchlicher Verhältnisse fortbestehen. Mehl: Anologie bietet die katholische Kirche. Meine Herren, ich bitte, schauen Sisbinftber über jene Berge, die unser liebes Deutschim Süden begrenzen, was sich dort eben heute*) pollzieht! Dort tagt heute die großartigste Corporation, , dyr großartigste Organismus auf dem heutigen Erdennprd. Man müßte keine Geschichte gelesen haben, . chenn man nicht wüßte, daß dieser Organismus nicht , Men mit den Staaten in die gefährlichsten Confiicte ,Eathen ist; und doch hat die weise Regierung ^Württembergs mit ihm ein Abkommen getroffen, das ' Leche Theile befriedigt. Und mit den Juden, die wie -Herr Rechtsanwalt Vr. Nördlinger bemerkt, nie staats- ,,grfährlich waren, mit 11,000 Juden sollte man nicht -fertig werden könne» ohne Zwang. (Der Herr CultuSrmuPer v. Golther bemerkt hier, daß von Seiten des Staates keinerlei Zwang beabsichtigt werde; man wolle .den Israeliten die analog autonome Stellung geben, -wie d^u andern Kirchen; das festzusetzende Statut sei als eine von den Israeliten sich selbst zu gebende Kirchenverfassung anzusehen.) Dann ist es eben die an- . dßre Seite des Saales, die uns solchen Zwang auserlegen will. Selbst angenommen, die hier sitzende , Majorität vertrete die Majorität der Israeliten Würt- ^teprbergs, so würde ich nicht minder protestiren, gegen z.ß;de Majorisirung Ln religiösen Fragen, und eine durch- , aßS religiöse Frage ist die Uebertragung so weitgehen- -dgr Befugnisse über religiöse Angelegenheiten, wie sie von mir angefochtenen Ziffern enthalten, an eine Behörde. Aber ich gebe nicht zu, daß die Mehrheit württembergischeu Israeliten hier vertreten ist, ^jedenfalls ist es nicht die Mehrheit der Gemeinden, . worauf es hier aber hauptsächlich ankommt. Fast . sämmtliche Gemeinden dcö Ioxtkreises, "der mehr Gemeinden zählt, als alle übrigen.zusammen, und nickt Gemeinden des NeckarkrelseS haben in der Hauptsuche die religiöse Richtung, die ich hier vertrete. Wäre '' '■ *) Es war der 8. , De-rmkr. diese« Gemeinden eine entspreche nhere PertrAuug gestauden worden, so würde daS MajoritättzherhälWM sich hier ganz anders gestattet haben. Meine Herren! Ich habe schon in einer früher« Sitzung behauptet, daß eine Oberkirchenbehörde mit der legislatorischen Gewalt, wie sie der Entwurf der zu restituirenden württembergischeu in den von mir angefochtenen Entwurfsbestimmungen einräumt, ohne Analogie in der Geschichte sei. Ich glaube mcht, daß ich widerlegt worden bin.*), Der mittelalterliche Staat, wie erfinderisch er auch in der Einengung derIuden war, nie hat er ihnen, um mich eines Ausdruckes des verstorbenen Domdekans. v. Longner zu bedienen, „einen solchen Pfahl in'8 Fleisch getrieben^" und unsere Väter, bei allen Gefahren, welchen sie in jenem trüben Zeitabschnitte ausgesetzt waren, bei allen Bedrohungen nickt nur ihres Leibes und Lebens, sondern auch, was" ihnen stets das Thcuerste war, ibr.-r Religion, nie suchten sie Hatt in einer solchen Institution. Und in der Gegenwart! Werfen wir einen Blick auf diejenigen Staaten deutscher Zunge, welche die zahlreichste jüdische Bevölkerung haben, wiederum finden wir keine Spur einer solchen Behörde. Da ist Oesterreich mit einer enormen jüdischen Bevölkerung mit einzelnen jüdischen Gemeinden, die zahlreicher ftnd, als die ganze jüdische Bevölkerung Württembergs — es hat keine israel. Obk.-B. Da ist Preußen mit 300000 Juden, circa 25 mal so viel, als in Württemberg, und ebenfalls mit sehr großen Gemeinden — es hat keine lSr. Obk. B. Da ist Bayern mit 65000 Juden, circa 6 mal so viel, als Württemberg — es hat keine Oberkirchenbehörde. Da ist Frankfurt und Hamburg, Sitze der Intelligenz mit sehr zahlreicher jüdischer Bevölkerung — sie haben keine isr. Obk. B. Wae aber unter Zeit- und Localverhältnissen, wo myu es am ersten erwarten durste, nicht zum Vorschein gekommen, von dem schließt man mit Recht, daß eS kein Bedürfniß ist. Es ist auf Baden und Frankreich hingewiesen worden, wo der unsrigen ähnlichen Kirchen-Verfassu«- gen besiehe.". In Baden, meine Herren, arbeitet man schon viele Jahre an der Reorganisation der Synagogenversasiung, Man kommt zu keinem Ziele, weil für das Institut des Oberraths kein Raum inM ist in dem Gefüge der freisinnigen Gesetzgebung Badens. *) Maier In der ersten Sitzung hatte Herr Kirchenrath v. auf die Perserkömge und Alexander d- G. hingewievon Antiochns Epiphaucs zur BernichtuugHes Juden thums eingesetzten HeUemfteu hiuzuwelleu. Das. Vorgehen der Letzteren hätte für unsre Zustgude die entsprechendste Analogie. i