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Der Israelit · 1870-02-02 · Heft 5 (2.2.1870) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 5 (2.2.1870)
Date
1870-02-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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84 neu fich nach Destagerd begeben hatte. Zu spät war'S, Ehaninai zu retten; ober Jaletha war noch zu Hause. Zu ihr ließ sich Benjamin führen. „Fürstin," sprach er, „ich bin Benjamin aus Liberias, ein Waffengefahrte Deines Gatten. Sei stark! Dein Leben ist in Geiahr; frage nicht! ich werde Dir später Alles erzählen. Jetzt aber eile und entfliehe zu Deinem Vater nach Sura." Und Jaletha, wie von einer höberen Eingebung beseelt, fragte nicht lange, sondern ließ einen Wagen verfahren und fuhr mit Benjamin und einer treuen Dienerin nach Sura. Rabbi Kaphnai war im höchsten Grade erstaunt über den Besuch seiner Tochter. Benjam n aber nahm ihn bei Seite und sprach: „Rabbi, das Leben Deiner Tochter und das Deines noch ungebornen Enkelkindes ist in Gefahr. Eile und verbirg Deine Tochter an Einern heimlichen Orte." Auch Rabbi Kaphnai glaubte dem fremden Glaubensgenosien ohne zu fragen und sandte seine Tochter in der Kleidung euer armen Jüdin zu 'Fuß nach einem entlegenen D orfe, wo sie in der Hütte eines armen Glaubensgenossen eine sichere Zufluchtsstätte fand. Benjamin aber, als er bald darauf die Niedermetzelung des Resch Gelutha und seiner Familie vernahm, kehrte unerkannt und unbelästigt nach Tiberias zurück. Wie schäumte Kosroes vor Wutb, als er Lörte, daß die Wittwe Hunna's entflohen sei! Er sandle sofort seine Diener nach Sura, um die Entflohene zu suchen und dann zu ermorden. Als man sie auch da nickt fand, wurde der Gaon in den Kerker geworfen und mit den ausgesuchtesten Martern gemartert, die ihn bewegen sollten, den Aufenthalt seiner Tochter zu verrathen. Allein mit dem größten Heldenmuthe ertrug der ehrwürdige Greis alle Qualen und Marter. Sein Mund blieb stumm. Unterdeß feierte Koöroös die verschwenderischsten Feste. Er hielt sich nach seinen vielen Siegen für den größten König der Erde; besoldete Dichter mußten seinen Ruhm singen; bezahlte Geschichtschreiber mußten die Geschichte seiner Regierung schreiben : Cyrus, der Begründer des persischen Reiches, hatte Egypten nickt erobern können; aber Kosrces der Zweite hatte es erobert; Darius batte die Scythen nicht bezwingen können, die des zweiten KoSroeS Unterlhanen waren; Terxes Macht war im Kampfe mit den Griechen gebrochen; aber Kosroes der Zweite hatte das griechisch-römische Kaiserreich besiegt. So sangen die Sänger, so schrieben die Geschicktsckreiber in das Buch der Chronik der persischen Könige. Und König Kosroös hörte und las die Schmeichelworte und Schmeickellieder, er saß auf seinem aus Gold und Diamanten erbautem Throne, er b trachtete seine herrlichen Paläste, seine hundert Gewölbe, angefüllt mit dem -Raube der Nationen, er schwelgte mit seinen schönen Weibern und Sclavinnen, er gedachte, wie er alle seine Feinde besiegt und sich unsterblichen Ruhm errungen — und fühlte sich glücklich. Da erwachte der Kvn'g eines Morgens mib blutender Stirne. Warum blutete des Königs Haupt aus breiter und tiefer Wunde? Herbei eilten die Aerzte, um die Wunde zu verbinden. Aber woher war diese gekommen? Wobl meinten die Diener, der König habe sich an den Pfosten der Bettlade gestoßen, allein Kosroös wußte es besser. Ein furchtbarer Traum hatte ihn umfangen und eine Gestalt dieses Traumes hatte ihn mit einer Axt gegen das Haupt geschlagen. Aber auf Weiteres konnte sich der König nicht entsinnen. Der Traum war seinem Gedächtnisse entschwunden. Und wie einst Nebukadnezar rüf Kosroeg die Magier herbei und verlangte von ihnen^ Traum und Deutung zu erfahren.. Und wie die Magier am Hofe des Königs. Nebukadnezar, also sprachen die Magier am Hofe des Königs Kosroeö: „Herr,, sage uns den Traum, und wir wollen ihn deuten!" Zwar bedrohte Kosroes die Magier nicht mit dem Tode, wie es Nebukadnezar gethan, allein er war und blieb betrübt. Nichts konnte ihn zerstreuen. Bleischwer ruhte ein Druck auf seinem Haupte, in jedem Augenblicke vermeinte er, sich des Traumes entsinnen zu können, aber immer entflohen ihm die Gebilde desselben Ein entsetzlicher Trübsinn bemächtigte sich des Königs, und man fürchtete für sein Leben. Da verlangte, als man sogar im Gefängnisse von diesen Ereignissen erzählte, der eingekerkerte und gemarterte Gaon Kaphnai, vor den König geführt zu werden. „Führt mich zu Kosroes," sprach er, „ich werde ihm sein Traumbild erzählen und ihn von seinem Trübsinne heilen." Als man dem Könige davon berichtete, befahl er, den Gaon vor ihn zu führen. Nun wollte man dem mißhandelten Gaon die in Folge der Martern blutbefleckten Kleider ausziehen, er aber litt es nicht und sprach: „So sollt ihr mich vor den König führen; er soll sehen, was er an mir und den Meinen verbrocken und soll es. bereuen. Nur dann kann er auf Erleichterung und auf Heilung, von seinem Trübsinne hoffen." (Forts, folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: 1>r. Lehmann. - Verlag der Le Roux'schen Hmbuchhandlung. — Dampf -Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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