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Der Israelit · 1870-02-02 · Heft 5 (2.2.1870) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 5 (2.2.1870)
Date
1870-02-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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LS metscher, sondern als Mitwisser um den geheimen Zweck der Sendung, und da die Leiden Staatsmänner unterwegs starben, war der Jude es, welcher dem Kaiser in feierlicher Sitzung die Antwort des Kalifen üLerbrachte. Wie Karl der Große seine heidnischen Unterthanen, die überwundenen Sachsen, zu sich heranzuziehen beflissen war, so suchte er auch die Juden seines Reiches geistig und sittlich zu heben, und ließ, da ibm ihre Rabbinen nicht genügten, zwei gelehrtere und fäh'gere Talmudisten aus Italien kommen. Gegenwärtig ständen nun die Juden in nichts hinter ihren christlichen Mitbürgern zurück;^ sie bilden Wissenschaft und Kunst mit fort (Spinoza), sie helfen das Land im Parlament vertreten, sie sind unter den Richtern zu finden, sie bleiben nicht zurück, wo es sich um Vertheidigung des Vaterlandes auf dem Schlachtfet>e mit Gut und Blut handelt. — Herr Or. Lipfchütz griff aus der Urzeit drei Gewährsmänner heraus: Abraham für die Kindheit, Joseph für das Jünglings- und Moses für das Mannesalter des Judenthums. Abraham ward der Begründer des Monotheismus nicht nur für die Sünigen, sondern für die Welt. Er zog nach Canaan nicht der fetteren Weide wegen, sondern auf göttlichen Antrieb und bauete dem Hrn. einen Altar inmitten zweier heidnischer Städte, um auch auf die Heiden zu wirken. Mit dem Monotheismus verinnerlicht sich die Religion und das Leben gewinnt sittlichen Halt und Character. Beweis dessen: ber Priester-König Malchisedech, der Abrabam segnet und Abrahams Uneigennützigkeit und Großmuth gegen den besiegten Beherrscher von Sodom (1. Mose 12, v. 18—24), ein Verfahren ähnlich dem, das später David beobachtete (1. Sam. 30. v. 22. ff.) und das noch heute den Kriegführenden zum Muster dienen könnte. — An Joseph hob der Vortragende besonders sein kluges, gerechtes und dennoch humanes staatsmännisches Verfahren hervor, seine Verdienste um die Canalisirung des Landes (der Zoscphs-Canal auch bei Herodot, Strabo und Diodor erwähnt), seine Fürsorge für die Hungerleidenden zur Zeit der Dürre und Theuerung, seine po'itische, aber nicht unbillige Maßnahme, das Allod in Feod zu verwandeln, so doch, daß die Lehnsleute, resp. Leibeigene nur den 5ten Theil ihrer Erträgnisse an den Pharao abzugeben hatten (1. Mos. 47, v. 16 26). Dieser ErbzinS blieb in Egypten üblich lange noch nach Josephs und der Juden Zeit. — Die große well- und culurhistorische Bedeutung des Stifters der Theokratie, des geistigen Stammvaters seines Volkes — Mosens — kam eigentlich i ur andeutungsweise zur Sprache. Bei der stark vorgerückt« n Zeit begnügte Herr l'r. Lipschütz sich mit dem Hinweis, daß der mosaische Dekalog — die zehn Gebote — daS Fundament des Rechtes, der Moral, der Gottverehrung, der Civilffation für alle Welt geworden sind und eS noch werden. Auch ließ er nicht unbemerkt, daß das vom Stifter des Christentums vor allen adortirte Gebot der Liebe mosaischen Ursprungs sei (5. Mos. 6, v. 5. Vgl. auch ehds. 23. 7). — — Der Vortrag hielt anderthalb Stunden lang das stark vertretene Publikum in gespannter Aufmerksamkeit. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Prag. Nachdem der bisberige Rabbiner Herr Samuel Freund auf seine Stelle resignirt und die isr. Cultusgemeinde- Repräsentanz diese Resignation angenommen hatte, beschloß die letztere in ihrer jüngsten Sitzung den Relioivnslehrkr der iSrael. Schüler an den Mittelschulen Herrn Michael Adler, welcher bereits als Rabbiner in Pisek fungirt hat, bis zur definitiven Besetzung des Prager Gemeinderabbinats interimistisch mit der Besorgung der Rabbinatsg«'schäste zu betrauen. Außer ihm wird der Stiftungsrabbiner, Herr Herrschmann Teweles, welcher jede amtliche Stellung in der Cultusgemeinde mit Rücksicht auf sein vorgerücktes Alter und seine Kränklichkeit abgelehnt hat wie bisher auch fernerhin als Privatgelehrter die ihm vorgelegten Fragen in rituellen Angelegenheiten entscheiden. Die Aufsicht über die rituelle Schlachtung wird Herr Marcus Führt, gewesener Rabbiner in Eidlitz, führen. Frankreich. Paris, 27. Jan. Die Alliance israälite" erläßt einen neuen Aufruf zu Gunsten der bedrängten und nach einer neuen ministeriellen Verordnung des Landes vertriebenen Juden von Rumänien. Schon am 7. Dec. wurden sämmtliche Juden des Distriktes Bakun ausgeraubt, mißhandelt und fortgejagt trotz einer so starken Kälte, daß zwei Kinder auf der Straße todt liegen blieben. Aus dem Distrikte Falcic wurden 94 Familien mit 500 Köpfen vertrieben, und die neuesten Debatten der rumänischen Kammer drohen mit neuen Gewaltmaßregeln. Der von Crömieux gezeichnete Aufruf fährt dann fort: „In Rumänien gibt es gegen die Juden keine Menschlichkeit mehr. Nicht eine Stimme erhebt sich in der Kammer gegen Ideen,. welche uns in das 12. Jahrhundert zurückversetzen. Und doch haben die Juden in diesem Lande Rechte, welche in einem internationalen Vertrag festgesetzt sind. Der Art. 46 der Convention von 1858 zwischen den europäischen Großmächten gewährleistet allen nichtchriftlichen Rumänen den Genuß aller bürgerlichen Rechte. Wie sollten. die Juden, welche dieses Land se't Jahrhunderten bewohnen, nicht Rumänen sein! Wie kann der Minister behaupten, daß die gesetzliche Stellung der Juden nur Rumänien angeht und dnß er die. Einmischung der europäisch««

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