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Der Israelit · 1870-02-02 · Heft 5 (2.2.1870) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 5 (2.2.1870)
Date
1870-02-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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81 es gleich sein, ob sie auS der Verlegenheit herauskommen oder nicht, wir fürchten solche Vergötterung des Nichts gar nicht, — ex nihilo nihil fit ---- auS Nichts wird Nichts! z'rrrd V' aus Nichts Etwas kann nur Gott schaffen und — pliv' upv! — Z eitungSnochvichte« und Correspondenzen. Deutschland. Württemberg. Als Nachtrag zu dem Berichte über die Stuttgarter Delegirtencommission'habe ich noch mitzutheilen, daß Herr Jevy die Anträge stellte: 1) Es solle einer Gemeindeminorität von zehn Mitgliedern die selbstständige Einrichtung eines Cultus gestattet und die Majorität zur Tragung des dritten Theils der hierdurch erwachsenden Kosten verpflichtet sein, wenn der Gottesdienst der Majorität sich mit dem Gewiss» n der Minorität nicht verträgt. 2) Der Name „Kirche," welcher einen unjüdischen Begriff bezeichnet, soll als officielle Bezeichnung der jüdischen Religionsgenossenschaft ferner nicht beibehalten werden. Berlin, 18. Januar. Parturiunt montes. Geiger ist hier, hat gestern in der Oranienburgerin gepredigt, zur großen Bestürzung der Geigerianer, deren Antlitz sich während derselben in geometrischer Progression verlängert haben soll, zur Freude der Orthodoxen und der Herren Collegen Aub und Ungerleider. Fiasco in des Wortes weittragendster Bedeutung! schon gleich bei der Wahl des Textes, zu welchem derselbe bei der durch die rrmi so nahe gelegten Gelegenheit zur Rednerweihe zu der „nicht mehr ganz ungewöhnlichen," ja schon sehr plattgetretenen yn und nD des zurückgriff; wahrscheinl'ch in der bescheidenen Voraussetzung, dag Berlin gestern eine halbe Tempelweihe begangen. Es war aber schon nur ein kleines Krügchen, das ein Stündchen mit dem Oele seines Dankes gegen Gott und seine Gnade, Redner zum Berliner Rabbiner (soll heißen: „Mitrabbiner") erkoren zu baben, zu salben wähnte, im Grunde aber her-lich langweilte und dies noch mehr gethan haben würde, wenn nicht die Pointen: Verläugnung unserer Zukunft und Verhimmelung deö „Schranken-fallenlassens" noch etwas Pikantes mit nntermischt hätten. Die Enttäuchtm gingen nachdenklich nach Haus; die nur Neugierigen — zum Vorträge des Herrn vr. Hildesheimer. Der autokratische Vorstand hat seine letzte Karte ausgespielt. Man hat ihn genug gewarnt, nicht va banque zu spielen. Er wird früher als er glaubt, die Früchte seines Uebermuthes von seiner eigenen Partei einernten. — Für heute nur noch die Mittheilung eines OV.i vn'p der entschieden und eifrig zur Adaß Jisroel Gemeinde gehörende, rühmlichft bekannte königliche Commissionsrath, Herr J o h. Hoff, wird heute von Sr. Maj. dem Könige decorirt werden. Posen, 18. Jan. Bezüglich der Anstellung von Israeliten im höheren Lehramte liefert die „Pos. Ztg." folgenden Beitrag: vr. H. Gr ätz, der bekannte Historiker, welcher an dem Rabbinerseminar in Breslau seit dessen Begründung als Docent wirkt, ist zum Professor an der Breslauer Universität ernannt worden. Derselbe ist ein Kind unserer Provinz und in Zerkow 1817 geboren. Vr. Grätz ist der zweite jüdische Professor, der seit einem Vierteljahre an der Breslauer Universität berufen worden ist. Bor ihm wurde Vr. Jacob Caro, ebenfalls ein Posener Landsmann aus (Pinne), daselbst als Profeffor angestellt. Außer ihnen wirkt schon länger der Bo.aniker Professor Cohn an der Breslauer Hochschule. Hamburg, 20. Jan. „Das Judenthum in seiner w lthistorischen Bedeutung" hat Herr vr. Lipp'chütz zum Thema eines populär-wissenschaftlichen Vortrages gewählt, der vorgestern Abend in Zinggs Hotel vor einer sehr zahlreichen Versammlung von Herren und Damen stattfand. Daran erinnernd, daß nach allen Weltgegenden hin vom Judenthum auS befruchtende, culturweckende und culturfördernde Strömungen ausgegangcn seien, gestattete er sich einen Vergleich desselben mit jenem Gebirge im Osten Deutschlands, welches vier seiner Gewäffer in die Länder entsendet und selbst große Ströme mit speisen hilft (das Fichtelgebira). Weiterhi i führte er aus, daß das Thema, welches er gewählt, nicht nur ein berechtigtes, sondern auch ein zeitgemäßes und gerade in Deut chland wohl angebrachtes sei. Von Perioden der Unterdrückung und Verfolgung abgesehen, wie sie anderwärts auch Vorkommen, seien in Deutschland die Juden immer geschätzt und selbst an den Höfen zeitweise zu hohen Ehren gekommen. Andererseits hätten sie wiederum Deutschland gern ausgesucht und willig für dasselbe wie für ihres Vaterland gleich den Landeskindern ihre Staatsbürgerpflichten erfüllt. Die deutschen Juden gelten noch heute überall für die gebildetsten Juden. Wenn auf die Sage, wonach schon in grauer Vorzeit 1000 Bmjaminiten von Palästina nach Worms üb r iedelt sein sollen, nicht viel zu geben sei, so bleib' es doch historisch beglaubigte Thatsache, daß in Köln bereits zur Römerzeit Juden gelebt haben. Karl der Große zeichnete sie mannigfach aus. Seine Gesandtschaft an Harun al Raschid bestand aus zwei Staatsmännern und einem Juden, Letzterem nicht etwa nur als Dol-

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