Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1870)
- Date
- 1870-02-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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80 Verwirklichung sich nähernde Project" ist, da Herr Rülf selbst immer für Auswanderung (in daS Innere Rußlands) in erster Linie plaidirt hat; das Schulwesen vielmehr erst durch die hiesigen letzten Conferenzen so sehr in den Vordergrund gerückt ist. 3) daß Niemand von uns gesagt hat, man wolle die Zustände der jüdischen Jugenderziehung in Rußland unverändert erhalten, sondern, daß nur nicht „Fremde" „Hand an legen" sollen. Auch die Denkschrift des Königberger Comits's kommt eben in meine Hände. Jb habe auf diese, übrigens sehr beherzigenswerthe Schrift rückstchtlich ihres Schlusses zu bemerken: ad 2 das. daß man dort nur vom Schulbesuche überhaupt spreche, also der Möglichkeit Raum gibt („Alles schon dagewesen" sagt R. b n Akibah), d e männliche und weibliche Jugend, dort wo keine jüdische Schulen sind, in griechisch-orthodoxe zu schicken; oder wo solche allerdings, aber in jüdischer reformirter Weise (a la Wilnaer Rabbinerschule) solche Anstalten durch tcnpn royo zu bevölkern, ad 3 Daß die wissenschaftliche, gewerbliche und pädagogische Ausbildung im Auslande (worunter doch in erster Linie Preußen zu verstehen) leider meist nur durch Collisionen mit religiöser Pflichterfüllung zu erreichen ist. Daß das Comit« es nicht einmal der Mühe werth gehalten hat, was doch durch ein n unschuldigen Zwischensatz so leicht gewes n wäre, wenigstens über die besten Vornahnen nack dieser Richtung hin zu beruhigen, — gibt uns manches zu denken und illustrirt Manches des oben Gesagten. Are von der Weologie öeaöstchtigle Kründung einer jüdischen JacuMt zu Merlin. ui. Ich bin mit meiner Correspondenz zurückgeblieben, weil ich erst aus den jüdischen Organen erfuhr, daß eine fernere S tzung dieser „Constituante" stattgefunden hat. Viel verloren haben jedoch Ihre Leser durchaus nicht, da die zur Discussion noch vorgelegenen §§ des Status wenigstens m Verhältnisse zu den in den früheren Cocrespondenzen behandelten Cardinalpunk»en verschwindend untergeordneter Natur sind. Ich entnehme nun aus der israelitischen Wochenschrift, daß diese zweite und letzte Versammlung von 20—25 Personen besucht war, daß das zu § 21 eingebrschte Amendement: „es sollen die verschiedenen Richtungen im Judenthum im Lehrercollegium ihre Vertreter finden" zurückgewiesen wurde (Bravo! je fanatischer der Nihilismus auftritt, desto besser.) Was übrigens auS dem § 21 geworden, weiß ich nicht, die Stoiker von „Conservativen" haben weiter mitgetagt, und haben richtig durchgesetzt, daß, da 6 Semester für das Rabbinatsstudium nicht ausreichen" die Studienzeit offen gelassen werde. Jetzt werden große aus der Facullät der Dr. Gosche, Haarbrück r, Paulus Cassel (denn nUr Rabbiner sind statuarisch ausgeschlossen, nicht aber protestantische Pastoren und Professoren des Evangeliums) hervorgehen; haben, ja die Schüler diese Männer statt 3, etwa 5 Jahre iddwü zu sein. Ein Antrag, daß die dem Rabbinate sich widmenden Studenten einen näher zu bestimmenden Grad rabbinischer Vmkenntnisse haben müßten, wurde von Prof. Lazarus, der mit seinen quos ego die ganze Versamm ung terrorisirt zu haben scheint, „ als selbstverständlich zurückgewiesen." Man wird demnach wohlchun an dieser Hochschule für jüdische Wissenschaft auch einen 2"sr- Lehrstuhl zn cre'iren. Ebenso sarkastisch wie glaublich bemerkt die iörael. Wochenschrift: „Die §§, welche die Höhe der jährlichen oder einmaligen Beiträge fixiren sollen, riefen in der zumeist aus Kaufleuten bestehenden Versammlung die längsten Debatten hervor." Sie erzählt ferner, daß, „als zur Wahl der Curatoren und Beiräthe geschritten werden sollte, von einem Mitgliede Vertagung beantragt wurde, um jene durch eine größere Versammlung vornehmen zu lassen." — Natürlich! Neun Curatoren auf 20 Personen (möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß sich schon manche derselben entfernt hatten), macht ein Wahlrecht von 2: 1 was viel hohcitsrechtlicher ist als nur ein solches im Verhältniß von 100: 1 ausgeführt. Nur Schade, daß solche Carrikatur von Wahlversammlung auch auf Vertrauenswürdigkeit einer solchen Institution, die man gern zur jüdisch-deutschen Nationalsache erweitern möchte, (wenigstens das Geld der Nichtberliner gern dazu hätte) einen Rückschlag übt. Noch ein Histörchen von hinter den Coulissen bei dieser Gelegenheit. „Man wählte sofort, und zwar 4 Reformgestnnte, 4 Conservative und Herrn Dr. Philippson als Vertreter der Mittelpartei (wer lacht da?) aus den Anwesenden durch Acclamation. Es ist übrigens große Bestürzung im Lager der Getreuen. Die Professur des Dr. Grätz macht den Herren einen gewaltigen Strich durch die Rechnung und soll einen sehr deprimirenden Eindruck in jenen Kreisen heroorgerufen haben. Da man nämlich den Umstand, daß in Preußen der jüdischen Wissenschaft noch keine Lehrstühle vindicirt seien, als vorzüglichen Hebel benutzte, so fällt für jeden Unparteiischen jede Veranlassung zur Facultät weg; es wird schwer halten (gut nur, daß auch e n Rechtsanwalt im Curatorium ist) aus diesem Dilemma herauszukommen. Uns kann