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Der Israelit · 1870-02-02 · Heft 5 (2.2.1870) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 5 (2.2.1870)
Date
1870-02-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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78 welche von den besten Männern, den Delegirten von Tausenden unserer Glaubensgenossen gut geheißen und designirt worden sind." Nun,ck>as Prädikat deS „Besten" ist natürlich nur fagon de parier; das Mandat der vielen Tausende, möchte ich denn aber doch gern sehen^ Meinen Sie denn, es sei ein Geheimniß, daß das Comitö nicht nur nicht aus der Wahl von vielen Tausenden, sondern nicht einmal von vierzig Personen hervorgegangen? Die Entstehung des Comitös figurirt nämlich wohl nominell als von der Alliance geschehen, in welchem Falle Ihre Behauptung, wenigstensmittelbar verstanden, pnnu, zu rechtfertigen wäre; in der That hat nicht einmal die Alliance als solche, sondern nur das Berliner Comite derselben, verstärkt durch diejenigen Parteigänger jhierselbst, welche der Präses, Prof. Lazarus einzuladen beliebte, fast ausschließlich das Grenzcomite gewählt; ich sage fast aussch'ießlich, weil unter den ca. 30 Wählern des letzteren außer den drei Vertretern der Alliance aus Paris meines Wissens nur noch Herr Karnowskh aus Königsberg und die Herren Rabbiner, Dr. Treuenfels aus Stettin, Dr. Lehmann aus Mainz, Dr. LandSllerg aus Liegnitz, Dr. Schwarz aus Köln, Silbermann aus Lyck und Sie aus der Fremde da waren, Viele der letzteren aber, wie ich sicher weiß, bei der Wahl des Grenzcomiteö gar nicht mehr hier anwesend waren. Es ist also d§s Grenzcomitü nur ein Erzeugniß des Berliner Comites der Alliance, nach Beschluß der Alliance (d. h. des Berliner Comites desselben) aus 15 Personen bestehend, von denen mindestens 10 in Königsberg ansässig sind, also, da man doch Aermere nicht zu solchem Amte erhebt, von der Fa^ou des praktischen Iudenthümes, wie sie unter er Noblesse bekanntlich zu Hause; es hat demnach durchaus kein Recht, darüber hinaus Vertrauen zu reclamiren;.uud möchte ich mich doch in einer öffentlichen Ansprache an Ihrer Stelle am allerwenigsten so „von der Wahrheit emancipiren." Uebrigens würde auch diesen vermeintlichen vielen Tausenden gegenüber die wirklichen dielen Hunderttausenden, deren Geld man zu diesen Beglückungsversuchen audj anspricht, das volle Recht haben, ihre Stimmen zu erheben. Sie sind nun höchst entrüstet, daß wir gegen „Personen" aufreten. Nun, gegen, die Personen als solche treten wir nicht auf, nur insofern sie so wesentlichen Einstuß auf die Erziehung der russischen Jugend üben sollen. In dieser Beziehung mutz die Capacität der Personen zu so großen Anforderungen „mit aller Evidenz constatirt sein." DaS sagten wir und nehmen kein Iota davon zurück. Was I h r e Person betrifft, so sind Sie selbstverständlich mit verantwortlich für die Majoritätsbeschlüsse jenes Comits's, solange Sie Mitglied desselben sind, gleichviel ob Ihre Person Gelegenheit zu dieser Verwahrung gegeben hatte, oder nicht. Was nun die Mitglieder dieses Comites betrifft, so mögen dieselben in ihrer socialen und kaufmännischen Stellung ganz ausgezeicbnete Männer sein, es mag dies „mit voller Evidenz constatirt" sein; daß man denselben aber dadurch ohne Weiteres mit demselben Vertrauen in religiösen Angelegenheiten für so weite Kreise und eine nach Hunderttausenden zählende Bevölkerung entgegen kommen könne, wird bespielsweise schon dadurch sehr in Zweifel gezogen werden müssen, daß ein hervorragendes Mitglied des Comites in einer Sitzung der Alliance-Conferenz hier einen Juden als den edelsten unter allen, die er kenne, bezeichnete, der — zum Christenthum übergetreten. Und daß man sich für Werke von so ungheurer Tragweite die Personen sehr genau ansehen mutz, werden Unparteiische bei dem in den letzten Tagen in der Württemberger Delegirten-Versammlung sogar' von einem Regier»" gsvertreter ausgesprochenen Erfahrungssatze, daß sich bei dergleichen Dingen Personen und Sachen nicht trennen lassen, sicherlich in Ordnung finden. Was nun die „Werkebetrifft, welche wir statt sehr gern gesehene Kritik zu üben und Vorschläge zu machen, verurtheilt haben sollen, so haben wir, nur etwas offener und weniger verblümt, im Grunde nichts weiter gethan als das, was Sie fso gnädig waren, uns zu gestatien. Wir haben Verwahrung dagegen eingelegt, daß sich „fremde Stimmen in das ins Religiöse Hinübergreifende mischen und daran Hand an leg eu." Das will für Jeden, der nicht vom Vorurtheil umnebelt ist, sagen, daß keine Schulen gegründet werden sollen, wie sie den Mandatoren des GrenzcomiröA nämlich dem Prof. Lazarus uud seiner Fractlon Heneh.lff sind, sondern wie sie Rußland braucht 'unÜ^semek religiösen Disposition nach verlangt, daß nichl „Fremde" „Hand anlegen." Ich werde Ihnen und Anderen bei dieser Gelegenheit in aller Kürze die von Ihnen gewünschte Kritik üben, indem ich einfach in außevrussischen Beispielen ungefähr erläutere, was wir wollen, und was wir nicht wollen. Wir wollen rnutatis mutandis (b. h. ganz nach dortigen Verhältnissen modificirt) Schulen wie die des Ravbiner Hirsch in Frankfurt a. M. und die des Rabb. Dr. Lehmann in Mainz, wollen aber nicht solche, wie die Philanthropin in Frankfurt a. M.; wir wollen solche wie die Thalmud-Thora in Hamburg, wollen aber nicht solche, wie die sogenannte Ree's che Schule in Hamburg; wir wollen Lehrerseminare im Geiste des von Rabb. Bamberger gegründeten, wollen aber nicht solche, wie das in Pesth; wir wollen solche, wie das neu gegründete in Düsseldorf, wollen aber nicht solche wie das Markus Heindorf'sche in Münster, et quae surrt alia generis ejus dem;, mir wollen Rabbinerfchulen im Geiste tzweungleich mit größerer Vollständigkeit) der in Amsterdam, wollen aber nicht solche — wie die vevhängnißvolle, ganz Rußland rninirende Wilnaer RaL»

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