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Der Israelit · 1870-01-26 · Heft 4 (26.1.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 4 (26.1.1870)
Date
1870-01-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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68 Nun zum Schlüsse noch ein Wort an die religiös gesinnten Gemeinden Württembergs. Die Gesetzgebung, möchte sie noch so gut sein, reicht nicht aus, dem auch in den besseren Gemeinden schwer darniederliegenden Iudenthume aufzuhelfen. Die vierzigjährige Aussaat hat eine traurige Ernte zur Reife gebracht. Soll eS besser werden, so muß das von Innen heraus geschehen und eS ist jetzt unsere heiligste Ausgabe, ernstlich über die Wege und Mittel nachzudenken, wie dem Thorastudium, der ersten aller jüdischen Pflichten und der Grundbedingung alles jüdischen Lebens, der Weg nach Württemberg wieder gebahnt und dort ein religiöses Leben und Streben erweckt werden kann. Vielleicht besprechen wir das bald in diesen geschätzten Blättern, welche für Württemberg schon so-heilsam gewirkt haben. Richtungen vorhanden sind, welche eine Kluft trennt, die sich durch keinen Pakt überbrücken läßt; darum hat 3) der Herr Minister wiederholt uns die Versicherung ausgesprochen, daß in Zukunft in religiösen Angelegenheiten keinerlei Zwang von Seiten des Staats geübt oder unterstützt werden soll. Wenn nichts als das erzielt röorden wäre, es wäre des Kampfes werth tewesen — aber eö wurde mehr erreicht. )ena 4) der bisherigen Ober-Kirchenbehörde war durch den §. 21 der k. Verordnung vom 27. October 1831 das ganze Judenthum unbestreitbar zur freien Verfügung ausgeliefert: die religiösen Befugnisse der künftigen O. K. B. sind, wie wir gesehen, auf zwei geschraubte Paragraphen beschränkt, von denen man nicht weiß, was sie sagen wollen; das wäre gefährlich, wenn die alte Ober-Kirchenbehörde bliebe, aber 5) die künftige O. K. B. ist nicht mehr jene unerreichbare Staatsbehörde — sie ist namentlich bezüglich ihrer rein religiösen Functionen ohne alle staatliche Gewalt, sie ist periodisch wählbar und wenn die Orthodoxie Männer hineinschickt, die das Herz am rechten Fleck und im Herzen wahrhaft jüdische Gesinnung haben, so können diese sich schon Respect verschaffen, viel Schlimmes verhindern, und viel Gutes fördern. 6) Betreffs der Rabbinerwahlen ist es uns freilich nicht gelungen, zu unserm vollen Rechte zu kommen, aber die Gemeinden müssen gehört und ihre Wünsche thunlichst berücksichtigt werden. Wenn ein Bezirk künftig aufrichtig einen frommen Rabbiner will und greift es richtig an, kann er damit auch etwas durchsetzen. 7) Freilich bleibt noch Manches zu wünschen übrig. Die Befugnisse der Oberkirchenbehörde lassen noch immer Uebergriffe auf dem Gebiete des Gottesdienstes befürchten, welche die Gemeinden in die Lage bringen können, um ihre religiöse Autonomie kämpfen zu müssen; auch fragt es sich noch, ob der angenommene Wahlmodus und die Wahlbezirkseintheilung geeignet sind, die kleinen Gemeinden bei der Wahl des weiteren Raths gehörig zur Geltung kommen zu lassen. Es wird darum nach dem Erscheinen des redigirten Entwurfs Sache der Delegirten sein, mit ihren Bezirken zusammen zu treten und Petitionen an das k. Ministerium um Beseitigung bedenklicher Bestimmungen zu veranlassen. Aeitrtngsrrachriehterr und Gorrespowdenzen. Deutschland. Hamburg, den 16. Jan. Das fünfzigjährige Doctor - Jubiläum des hiesigen Arztes Vr. H. M. Cohen 86n. wurde am 13. d. M. in feierlicher Weise begangen. Das an der Ecke vom neuen Steinweg und Großneumarkt belegene Haus des Jubilars war mit Flaggen reich geschmückt, und mehrere Gebäude der Nachbarschaft hatten denselben festlichen Schmuck angelegt; das Portal des Hauses prangte im Kranze von Guirlanden und am Abend strahlte zwischen den grünen Gewinden der von Gasflammen gebildete Name des Gefeierten; auch mehrere Nachbarhäuser hatten illuminirt. Zahlreiche Bekannten und Freunde des in weiten Kreisen beliebten und geachteten Mannes gaben ihre Theilnahme durch schriftliche und mündliche Gratulationen Ausdruck, und die Reihe der Ehrengeschenke war so groß, daß wir von einer Registrirung derselben Abstand nehmen müssen. Von Berlin, wo Or. Cohen promovirte, erhielt er die übliche Renovirung des Doctordiploms. Der hiesige ärztliche Verein, vertreten durch die Doctoren Sohöge und Danzel, überwachte eine Ernennung zum Ehrenmitgliede der Gesellschaft; als Mitglieder des Gesunoheitsrathes erschienen die Doctoren Buek, Gernet und Helbert, um dessen Glückwunsch auszusprechen Ferner kamen Deputationen vom bürgerschastlichen Club „Fortschritt", vertreten durch Herrn I. Halben, G. R. Richter und vr. Lewig, vom Arbeiterbildungsoerein, vertreten durch die Herren I. F. Martens und Martin Meyer. Die Liedertafel des letzteren Vereins verschönte den Abend durch ein Ständchen. Der Jubilar überwies der Hilfscasse für notheidende Aerzte Ct. M. 1000, der Stiftung

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