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Der Israelit · 1870-01-26 · Heft 4 (26.1.1870) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 4 (26.1.1870)
Date
1870-01-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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67 den Erfolg erzielt zu haben; allein die Sache gefalle ihm nicht, es kommt ihm vor, wie eine Schnellbleiche wenn man in einigen Monaten das noch lehren soll, waS noch zu erwünsc'uen ist; der Derschlag des Herrn Selz, den hebe. Unterricht dem Seminare vorauögehen zu lassen, scheine ihm zweckmäßiger zu fein. Stern: Die Bildung brauchbarer jüdischer Lebrer lasse sich nur an eigene Anstalten erzielen. Die Orthodoxie bringe auch hierin der Zukunft des Judenthums große Opfer Die Anstalt^ an welcher er wirke, beherberge, verpflege und unterrichte schon im sechsten Jahre zwanzig und mehr Cchulamtszöglinge unentgeltlich, dabei habe sie ein Haus und ein respektables Grundcapital zurückgelegt; zwei und zwanzig bereits ausgetretene Zöglinge baben die Prüsung am Königlichen Seminare erstanden. Ermuntert durch «in Privatgespräch mit Hrn. Regierungs-Rach Jordan spreche er den Wunsch aus, es möchte auch württ. SchulamtSzöglingen unter Belasiung ihrer Stipendien gestattet werden, sich hier auszubilden. Den Herrn Minister scheint diese Mittheilung zu interefstren, er fragt, woher das Geld komme, und als Stern naiv erwiedert hatte, das bettele der Vorstand und Gründer der Anstalt, der ehrwürdige Herx Rabbiner von Würzburg, sagte der Herr Minister, das sei viel, er glaube selbst, daß eine solche Anstalt den Klagen über mangelhafte Bildung der Lehrer am besten begegnen könne, seinerseits sei nichts gegen den Besuch der Anstalt von Seiten württ. Zöglinge einzuwenden. Auch einige Mitglieder der O. K. B. erklären Letzteres. Ein Antrag Berlingers, auch die kleinen Gemeinden sollen ihre provisorischen Religionslehrer wählen dürft:», wird abgelehnt. Schließlich wird der Selzische Antrag mit allen Stimmen angenommen. Ebenso wurde angenommen der weitere Antrag von Selz: Daß die Strafgefangenen am Pesach nur Mazzothkvst erhalten, *) daß dieselben am Sabbat feiern und av den hohen Festen dem Gottesdienst beiwohnen dürfen, und daß die jüngeren sechs, die alteren vier Besucke jährlich von dem dafür zu bezahlenden Rabbiner erhalten sollen. — Nun lag noch ein dickleibiger (und weil Stern sich seiner Berathung ohne genau vorliegende Fassung widersetzt hatte) authographirter Antrag von Heß vor, dessen Hauptzweck war, dem Zwang einer Gemeinde auzugehören, einen noch bestimmteren Ausdruck zu geben. Der Antrag fiel durch, er roch selbst für die von Heß geführte Majorität zu stark nach 1828 und früheren Jahren, wo die Reologie durch ihre Verleumdungen dm Staat vermochte, das Judenthum in eine Zwangsjacke zu stecken, obgleich die Zeitung d. I. lügt, die Orthodoxie stütze sich aus den StaatSarm; aber diese *) Anmerkung: Jetzt erhalten sie Mazroth zu ihrer Brvdsuppe. Praktiken haben jetzt Gottlob ein Ende. Das sehen wir deutlich an folgendem. Obsckon die Zwanqsgemeindeangebörigkeil bereits beschlossen war, ersuchte der Herr Minister die sämmtUchen Delegirten, sich hierüber nochmals auszusprechen, weil er starken Zweifel habe, ob die Kammer daraus eingehen werde. Man sprach nochmals! darüber und bebarrte bei dem früheren Beschlüsse. Die Sache ist aber darum von hohem Interesse, weil sie beweist, wie es mit dem Zwang überhaupt siebt. Ohne Zweifel würde das Karlsruher Urtheil heute schon verkommenden Falls auch in Stuttgart gefällt werden. Die Debatte über diese zwei Punkte hatte nochmals ziemlich erregte Auftritte, zwischen Heß, welcher unliebsame Aeußerungen über die Orthodoxie sich erlaubte und Stern, der sich solche nicht gefallen ließ, berbeigeführt. — Nachdem iicdh eine Commission zur Redaction der Beschlüsse (Heß, Dr. Wassermann und Levy) gewählt war, dankte Herr Dr-. Wassermann Namens der Versammlung in einer schönen Ansprache dem Herrn Minister für die umsichtige Leitung der Verhandlungen und das für die Israeliten an d u Tag gelegte Wohlwollen, .worauf der Herr Minister für die ausgesprochenen Gefühle höflichst dankte und die Versicherung auösprach, daß er bestrebt sein werde, einen Zustand zu schaffen, der alle berech- * tigten Wünsche möglichst befriedige. Hieranf sagte er den Versammelten Lebewohl, wünschte glückliche Heimreise und die Versammlung trennte sich Freitag den 10. December Abends 4 Uhr, nachdem sie von Morgens 9 Uhr an mit nur halbstündiger Unterbrechung getagt hatte. * * * Fragt man uns am Schluffe dieser Darstellung, welcher Gewinn den gesetzestreuen Israeliten Württembergs erwachsen sei aus diesen Verhandlungen, welche durch die vor etwa sieben Jahren in diesen geschätzten Blattern angeregte Bewegung hrrbeigeführt worden, so antworten wir: 1) Zum erstenmale nach vierzigjährigem ausgezwuugenem Schweigen durfte die Orthodoxie Württembergs in dieser Versammlung o f f i c i e l l ihre Stimme erheben, über daS dem Judenthum zugefügte Unrecht sich beschweren und für die Zukunft gegen jedm Zwang protestiren. Sie hat das gethan; laut und kräftig hat sie für die Wahrheit gezeugt, hat wie der Psalmist (119, 46) sagt, vor Königen von Gottes Geboten gesprochen, ohne sich zu schämen; das blieb nicht fruchtlos, denn 2) der Herr Minister hat aus diesem freimüthigen Bekerwtnifse, wie er sich ausdrückte, die Ueberzeugung gewonnen, daß im Lande zwei

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