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Der Israelit · 1870-01-26 · Heft 4 (26.1.1870) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 4 (26.1.1870)
Date
1870-01-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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64 heraus. Als aber der Kranich seine Belohnung vom König der Thiere verlangte, sprach dieser: Ist eS Dir nicht genug, daß Dein Kopf in dem. Rachen des Löwen gesteckt und unversehrt wieder herausgekommen, und Du willst noch eine andere Belohnung? — freunde, Brüder, das Gleichniß, mit welchem Rabbi Jose seine Zeitgenossen tröstete, gilt auch für uns. Nehmen wir den Wortbruch deö Königs als ein Zeichen, daß die Zeit der Erlösung noch nicht gekommen und kehren wir friedlich und unversehrt in die Heimath zurück, uns freuend, daß wir dem Rachen des Löwen entronnen! Wollen wir kämpfen gegen ein zehnfach überlegenes Heer? Wollen wir uns zerstampfen lassen von den Elephanten des Perserkönigs?" „Und sollen wirrief Prinz Hunna, „feige Verrath und Wortbruch dulden? Auch die Mackabäer kämpften siegreich gegen ein zehnfach überlegenes Heer!" „„Die Mackabäer,"" entgegnete Benjamin, „„kämpften für den Glauben an den einzigen Gott, von dem abzufallen unS Niemand zwingen will. Die Mackabäer waren verpflichtet, ihr Leben zu wagen , das wir freventlich auf's Spiel zu setzen im Begriffe stehen!"" Ach, die Stimme Benjamins verhallte ungehört. Die Krieger klirrten mit ihren Schwertern und ließen ihn nicht weiter reden. „Sieg oder Tod, Jerusalem oder Tod!" rief man von allen Seiten. Unterdessen hatte König Kosroes davon vernommen, daß Prinz Hunna die Fahne des Aufruhrs entfalten wolle. Er ließ s ine Völker sich waffnen und seine Feldherren zum Kampfe sich rüsten. Es kam zu einer blutigen Schlacht. Wie die Löwen kämpften Juda's Söhne, allein sie mußten der Uebermacht erliegen und waren bald umzingelt; der sichere Tod bedrohte sie Alle. Da gebot KosrosS dem Morden Einhalt und sandte eimn seiner Feldherren, NameuS Ru st um, an die aufrührerischen Juden. „Mein König." sprach Ruftum, „hat Erbarmen mit Euch, Ihr irregeleiteten Juden; er gedeckt in seiner Gnade der zwansig Schlackten, die ihr sür ihn gekämpit habt. Er will euch schonen und in die Heimath entlassen, wenn ihr den Empörer Hunna ihm ausliefert" »„Ihr hört eS, Brüder,"" rief Hunna, „„fesselt mich und rettet Euer Lrben!"" In sich versunken standen die tapfern Söhne Israels. So Mancher gedachte des theuren Weibes in der Heimath, des alten Vaters, der zärtlichen Mutter oder des geliebten Kindes, die daheim mit Sehnsucht seiner Rückkehr entgegensehen. Und nun sollten sie Alle, Alle hier sterben, hoffnungslos? Ein langes Stillschweigen erfolgte. Niemand sprach ein Wort. . Da trat Benjamin aus den Reihen hervor uud rief: „Brüder, Ihr wii-t, daß ich Euch die Empörung widerrathen. Jetzt aber sage ich, lasset unS nicht zu Verräthern werden an un erm Feldherrn, lasset uns sterben mit dem Sohne Davids!" Und Alle riefen: „Wir wollen nicht zu Verräthern werden; lieber wollen wir sterben!" „So wisset," sprach Rustum, „daß in diesem Falle nicht nur Ihr den Tod erleidet, sondern auch die Eurigen daheim, Eure Eltern, Eure Weiber und Kinder! Also hat es der König bei seinen Göttern, bei Ahriman und Ormuz geschworen!" Als die Juden biete fürchterliche Drohung vernahmen , erhoben sie ein lautes Wehklagen. Kerner aber legte Hand an Hunna, um ihn seinen Feinden zu überliefern. Da erhob sich Hunna und sprach: „Rustum, was verlangt De.in König? Sollst Du mich lebendig ihm überliefern, oder genügt mein Tod, um das Leben dieser da zu retten?" „„Ich soll Dich todt oder lebendig bringen!"" entgegnete der Perser. „So sage," sprach Hunna feierlich, „so sage Deinem Herrn, daß mein Tod kommen möge über sein Haupt, daß, wie er Verrath geübt an treuen Männern, daß also einst Verrath geübt werde an ihm, daß er sterben wird den Tod des Verbrechers , daß ihn verfolgen wird der Fluch Hunna'S, bis daß er vernichtet wird werden, er und seinHausil Ihr aber, geliebte Brüder, lebt wohl! Ich habe wieder aufrichten wollen Davids Thron, allein es war nicht des Allmächtigen Wille. Grüßet mir Chaninai, meinen alten Vater und tröstet ibn! Grüßt mir die liebe Mutter und die theuren Geschwister. Grüßet mir Jaletha, mein treues Weib! Ach, das Kind, das sie gebären wird, soll seinen Vater nie erblicken! Dir aber, o Gott, empfehle ich meine unsterbliche Seele! Verzeihe mir, daß ich selbst Hand an mich lege! Ich thue es, um mein Volk zu retten! Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig!" Und als er das Wort „einzig" sprach, stieß er sein Schwert in seine Brust und siel lautlos nieder. Ein Schreckensruf entrang sich den Kampfgenossen. „Wehe, wehe!" rief Alles, „unser Anführer ist dahin; es ist gefallen die Krone unseres Hauptes! Du, frommer, edler, tapferer Hunna, den wir hielten sür den Gesalbten des Herrn, unter dessen Schatten wir zu wohnen gedachten!" (Fortsetzung folgt.) Verantwortliche Redaction: l>r. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Holbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. GottSleben in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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