Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1870)
- Date
- 1870-01-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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aller Confessionen schlafen sehr warm ihren Angehörigen in Jerusalem entgegen. Es ist daher Ehrensache der ältesten und eigentlichen Besitzer des heiligen Bodens, ihr Besitzthum immer mehr und mehr zu erweitern, immer-mehr und mehr repräsentirt zu sein und im Bewußtsein dieser Verpflichtung nicht zu ermüden, mit jüdischer Zähigkeit festzuhalten. — Niemals aber war dies nöthiger als jetzt, da die Eingänge durch anderweitige traurige Calamitäten, besonders in Westrußland, sich so vermindert haben, daß es nur durch wiederholte Anstrengungen möglich sei« wird, den Bau fortzuführen. Wir bitten dringend darum, um unserer armen Brüder, um des heiligen Bodens willen, um willen der großen Pietät, die wir alle dem Lande unserer großen Vergangenheit und unserer großen Zukunft -«"'22 schulden. Das Central Comits für den Bau von Armen- und Pilg°rwohnungen in Jerusalem. Altona, Halberstadt und Berlin 5630. Jacob Ettlinger, Josef Hirsch, Ober-Rabbiner. Kaufmann. Dr. Israel Hildesheimer, Rabbiner. Feuilleton. ZS o st a n a i. (Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) IV. Die Empörung. Noch an demselben Tage versammelte Prinz Hunna seine Heeresabtheilung. „Freunde, Brüder, Kampfgenosien!" redete er die jüd schen Krieaer an, „Ihr Alle wisset, warum wir dem Könige Koöross in den Kampf gegen das römische Reich gefolgt find: „Auf, nach Jerusalem!" war der Ruf, der Euch die Heimath und Weib und Kinder und die alten Aeltern verlassen ließ. Der König hat uns versprochen, Palästina für uns zu erobern, das jüdische Reich im Lande der Väter wiederherzustellen, das Haus unseres Gottes wieder aufzubauen. Deßhalb haben wir in 20 Schlachten für ihn gekämpft, deßhalb hat jüdisches Blut die Schlachtfelder von Mesopotamien, von Palästina, von Aegypten, von Syrien geröthet, deßhalb sind Tausende der Unsrigen freudig eines blutigen Todes gestorben, deßhalb hat Gort den Waffen des Perserkönigs leichten Sieg verliehen. Freunde, König Kosross gleicht heute dem Könige von Äschur, Sancherib. Er Iprtcht wie dieser einst gesprochen: „Mit ddr Kraft meiner Hand habe ich es vollbracht und durch meine Weisheit, denn ich bin vernünftig; ich habe verrückt die Grenzen der 63 Völker, habe verwüstet ihre Festungen, unterworfen die Menge der Bewohner. Wie ein Nest fand meine Hand das Heer der Völker, und wie man verlassene Eier sammAt, habe ich alle Völker der Erde gesammelt , und Niemand war da, der einen Flügel bewegte. Keiner, der den Mund aufthat und zwitscherte." So stolz spricht auch König Kosross, und in diesem seinem Stolze ist er wortbrüchig geworden. Er erklärt den Krieg für beendet und weigert sich, uns sein Versprechen zu erfüllen. Wehe uns, daß wir diesem treulosen Könige vertraut, daß wir seine selbstsüchtigen Pläne zwecklos gefördert haben mit dem Blute unserer Brüder!" Als Hunna so gesprochen hatte, zerriß er sein Gewand und erhob seine Stimme und weinte. Und all die jüdischen Krieger zerrissen ihre Gewänder und weinten und schluchzten, so daß ihre Thränen die Erde benetzten. Da trat Einer aus ihrer Mitte vor und sprach: „Prinz Hunna, bist Du ein Mann, ein Krieger, daß Du weinst? Bist Du nicht der Sohn des Helden David, der den Goliath schlug, bist Du nicht der Urenkel Mar Sutra's, der siegreich gegen den Perserkönig kämpfte? Hier sind wir versammelt, heut noch 26,000 Helden, nachdem der Tod unsere Reihen gelichtet hat — wir Alle sind bereit, für Dich, für Jerusalem, für unfern Gott zu kämpfen, zu siegen oder zu sterben! Wohlan, wir wollen den wortbrüchigen König zwingen, uns das Land unserer Väter zu überlasscn!" „„Wohlan,"" erscholl eö in den Reihen, „Jo fei es, so sei es!"" Da trat ein Jude Namens Benjamin hervor; er war ein angesehener Mann und befehligte die palästmensischen Juden, die sich ihren Brüdern aus Persien angeschlossen hatten. „Erlaube mir, mein Prinz," sprach er, „daß ich rede ein Wort vor Dir und meinen Brüdern und Kampfgenossen. Vor vielen, vielen Jahren, da wollte der römische Kaiser Julian, den die Christen den Abtrünnigen nennen, das jüdische Reich wiederherstellen und den heiligen Tempel wieder erbauen. Freudige Hoffnung und Zuversicht leuchtete unfern Vätern damals. Allein, die Zeit der Erlösung war noch nicht gekommen, und daS Werk mißlang. Da bemächtigte sich die tiefste Trauer und Muthlosigkeit unserer Väter , und sie gedachten zu sterben vor Schmerz und Kummer. Es lebte aber ein weiser Mann unter ihnen, Rabbi Jose, hieß er. der tröstete sie und erzählte ihnen ein Gleichniß. Einst, sagte er, hatte der König der Thiere, der Löwe, einen Knochen verschluckt, der ihm im Schlunde war stecken geblieben. Der Löwe verhieß dem, der ihm von dem Knochen befreie, eine große Belohnung. Da kam der Kranich und holte mit seinem langen Schnabel den Knochen